Bischof Rudolf segnete das Wolfgangshackl mit Reliquien des Bistumspatrons.

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer eröffnet die Wolfgangswoche in Landshut

Die drei Säulen unserer Kirche


Landshut, 20. Juni 2026

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer feierte am Samstagabend in der Pfarrei St. Wolfgang die dezentrale Eröffnung der Wolfgangswoche im Bistum Regensburg zur Hinführung auf die Priesterweihe am kommenden Samstag. Vor dem großen Kirchenportal hieß Prodekan Pfarrer Wolfgang Hierl mit der Kolping Bläsergruppe den Diözesanbischof herzlich willkommen mit der Betonung, es sei eine große Freude und Ehre für die Pfarrei, das Fest für den Empfang des wunderschönen Reliquiars ausrichten zu dürfen. 

Regionaldekan Msgr. Josef Thalhammer bezeichnete die Wolfgangswoche als einen Höhepunkt des Glaubens für das Bistum Regensburg. Um die große Bedeutung für die Gesamtheit der Diözese herauszustellen, werde diese seit mehreren Jahren dezentral in den acht Regionen des Bistums eröffnet. Mit dem Bischof begrüßte er Domkapitular BGR Johann Ammer, Dekan Alfred Wölfl, Prodekan BGR Günter Müller, den Kelheimer Regionaldekan Msgr. Johannes Hofmann, die Pfarrer Daniel Schmid, Josef Vilsmeier, David Golka, Thomas Kratzer, Kaplan Raveendra Reddy, die pastoralen Mitarbeiter, alle ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierten sowie Vertreter der Vereine, Fahnenabordnungen von Kolping, Pfadfindern, Frauenbund und die große Zahl der Gottesdienstbesucher aus dem Dekanat Landshut. Zur besonderen Verehrung des Diözesanpatrons habe Bischof Rudolf eine Reliquie, kunstvoll gestaltet als Hackl, dem Attribut des Heiligen, aus Regensburg mitgebracht, so Thalhammer. 

Begeisterung für den Diözesanpatron

Mit Sicherheit dürfte der Heilige Wolfgang, nachdem er auf dem Wolfgangshügel über Essenbach Rast gemacht hatte, auf dem Weg nach Salzburg auch in der Landshuter Gegend vorbeigekommen sein. Deshalb sei es nur „recht und billig“ dass die Verehrung des heiligen Wolfgang in Landshut so blüht. „Er ist nicht nur geistig und vom Himmel her unter uns, sondern auch ein klein wenig leibhaftig in der Wolfgangsreliquie, in dem neu geschaffenen Reliquiar“, gab sich der Bischof überzeugt.  Er erinnerte daran, dass in den ersten dezentralen Eröffnungen der kostbare Wolfgangsschrein noch mitgeführt wurde. Dringend rieten die Konservatoren  den Temperaturwechsel und die Erschütterungen zu vermeiden, darum verbleibe der Schrein nun in der Grablege in der Basilika St. Emmeram in Regensburg. Als gute Alternative gebe es ein schönes kostbares Reliquiar nach dem Modell des spätmittelalterlichen silbernen Reliquiars von St. Wolfgang bei Dorfen. 

 

Um einer Instrumentalisierung durch die Politik zu entgehen, verließ Bischof Wolfgang für eine Weile Regensburg. Er begab sich in das zum Bistum gehörende Kloster Mondsee, das er vermutlich auch reformierte. Danach verbrachte er eine Zeit in Einsamkeit und Betrachtung auf dem Falkenstein. Im Gebet wurde ihm eingegeben, er solle eine Kirche bauen. Den Platz dafür überließ er der Vorsehung und schleuderte ein Hackl. „Der Himmel und die Engel müssen wohl gut dazu geholfen haben, dass es so weit bis zum Ufer des Wolfgangsees geflogen ist“, sinnierte der Prediger. Nach der Überlieferung sei dort die berühmteste Wolfgangs-Wallfahrtskirche entstanden, der erste Kirchenbau des Heiligen.

Das Hackl, so der Bischof weiter, diene als wichtiges Werkzeug zum Bearbeiten von Holz und Ziegelsteinen, stehe aber mehr noch für das geistige Bauen der Kirche aus lebendigen Steinen. Darum lade der gefeierte Festtag ein, auf dieses geistig-geistliche Kirche-Bauen hinzuschauen.  In der modernen Landshuter Wolfgangskirche habe er das Hackl allerdings noch nicht entdecken können, so Bischof Rudolf. „Habt ihr eines oder nicht?“ warf er leicht schmunzelnd die Frage auf und die Wolfganger mussten zugeben, dass sie keines haben. Hoch interessant seien die verschiedenen Wolfgangsdarstellungen in den Kirchen, erklärte der Diözesanbischof. Die Künstler hätten unterschiedliche Positionen für das Hackl gefunden, zu seinen Füßen liegend, in seiner Hand zusammen mit dem Bischofsstab, über ihm schwebend oder sogar eingekeilt auf dem Dach einer Kirche. Auch in seinem Bischofsstab sei der Diözesanpatron mit seinem Attribut eingeprägt, zeigte er den Ministranten.

Drei Säulen der Kirche

Drei große Säulen der Kirche prägen die Vita des heiligen Wolfgang. Die Martyria: das Zeugnis der Verkündigung, die Liturgia: die Feier des Gottesdienstes und die Diakonia: das sozial caritative Tun. Bei ihm habe die Martyria im Vordergrund gestanden, das Zeugnis geben und das Verkünden. Er war ein leidenschaftlicher, begnadeter Lehrer, leitete in Trier die Domschule und unterrichtete vier Kinder des Herzogs Heinrich dem Zänker, die später alle Heilige wurden. Was müsse er für ein Pädagoge und Zeuge des Evangeliums gewesen sein, dass er junge Menschen so formen konnte, betonte Bischof Rudolf. Die Regensburger Domschule - die Domspatzen gehen lückenlos auf seine Gründung zurück. Dies stehe für die zweite Säule, die Liturgie, das Lob Gottes und die Eucharistie. Alle Fähigkeiten, alle Kunstfertigkeiten und alles Schöne werde hier mit eingebunden. 

In Bezug auf die aktuelle Lage mit viel Wohlstand und trotzdem zunehmender Armut legte Bischof Voderholzer die Weisheit des Heiligen nahe. Der Überlieferung nach öffnete Wolfgang in der Hungersnot die Vorratskammer in Regensburg für die Armen und verpflichtete sie gleichzeitig, wiederum die Hälfte des Erhaltenen zu teilen. Diese dritte Säule - die Diakonia, so der Bischof, müsse von allen Gläubigen ernsthaft angenommen werden. Gefordert werde der persönliche Einsatz, das Teilen, das aufeinander Schauen, Zeit zu schenken und die geistige Not nicht zu übersehen. 

 

Schönheit der Liturgie

Bischof Rudolf war es ein Anliegen, allen zu danken, die diesen Aspekt des Heiligen in den Pfarreien zusammen ausüben mit den Priestern und Mitarbeitern. Er verwies auf die entscheidende Notwendigkeit, sich mit dem Wort Gottes zu beschäftigen und die Bibel zu kennen. Weiter ermunterte er, in der Erschließung des Glaubens nicht nach zu lassen. Das Wort Gottes sei eine Kraft, die eine intensive Beschäftigung lohne wie die Schönheit und die Sorgfalt in der Liturgie. „Danke für die wunderbare Messe heute mit Pauken und Trompeten, da geht einem das Herz auf“ sagte er mit Blick auf die Empore zum Kirchenchor unter Leitung von Irene Maier-Bösel und den Kolping Musikern. Jeder solle auf seine Weise mithelfen und je mehr beim Gottesdienst da sind, umso schöner sei es, weil nicht das Gefühl des Alleinseins entstehe. In Anbetracht der pastoralen Entwicklung meinte Bischof Rudolf, es gebe nicht zu wenig Messen, sondern zu wenig Besucher, hier sollte zusammengerückt werden.

Dank an Regionaldekane

Am Ende des festlichen Gottesdienstes sprach Bischof Rudolf von einem würdigen Rahmen für den wichtigen Stabwechsel in der Region. Er verabschiedete Msgr. Josef Thalhammer, der 25 Jahre als Regionaldekan ein wichtiges Bindeglied zwischen der Bistumsleitung und dem Dekanat war, Regionalbesuche begleitete und in der Konferenz der Regionaldekane sehr konstruktiv mitarbeitete. Als Nachfolger überreichte er dem bisherigen Dekan Alfred Wölfl die Ernennungsurkunde und dankte ihm, dass er der Bitte entsprochen habe, das neue Amt zu übernehmen. Der künftige Regionaldekan meinte, es gehöre vielleicht zu den Aufmerksamkeiten Gottes, dass er die Urkunde bei der Eröffnung der Wolfgangswoche in der Kirche überreicht bekam, in der er vor 30 Jahren Kaplan war. Die Gottesdienstbesucher spendeten zum Dank und Neubeginn einen herzlichen Applaus.

Als Erinnerungs- und Dankgeschenk für die Pfarrei Wolfgang überreichte Bischof  Rudolf eine kleine hölzerne, versilberte Kopie des Wolfgangshackls.  Pfarrer Wolfgang Hierl versicherte, dafür einen würdigen Platz in der Kirche zu finden. Den Abschluss des hoffnungsvollen Glaubenserlebnisses bildete die Segnung und Verteilung der Wolfgangsbrote. Im lauen Sommerabend kam es zum freundschaftlichen Austausch und interessanten Gesprächen mit Bischof Rudolf, den Priestern und Angehörigen der Pfarrei und des Dekanats.

Text und Fotos: Agnes Wimmer
(jas)



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