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Syrien: Kirchen und Orden leiden unter Unsicherheit
„...hat enorm zugenommen“
Aleppo / Regensburg, 21. September 2026
Fast zwei Jahre nach dem Sturz des Assad-Regimes und dem Amtsantritt der neuen Regierung hat sich die Sicherheitslage in Syrien nach Einschätzung eines dort tätigen Franziskaners deutlich verschlechtert. Christen seien zunehmend mit Diskriminierung und Einschüchterungen konfrontiert. Das erklärte Pater Fadi Azar aus Aleppo im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“.
„Die Unsicherheit hat enorm zugenommen“, berichtete Pater Fadi. Die schwierige wirtschaftliche Situation, Inflation und Arbeitslosigkeit hätten zu einem Anstieg der Kriminalität geführt. Es gebe mehr Entführungen und Plünderungen. „Früher konnten die Menschen ihre Haustüren offenlassen, heute trifft jeder Sicherheitsvorkehrungen, weil sogar Strom- und Wasserzähler gestohlen werden“, erzählte der Franziskaner.
Hinzu komme eine wachsende Angst innerhalb der christlichen Minderheit. Azar verwies auf den Anschlag auf die griechisch-orthodoxe Mar-Elias-Kirche in Damaskus im Juni 2025. Es habe außerdem weitere Übergriffe gegeben. Christliche Friedhöfe seien geschändet und Kirchen mit christenfeindlichen Parolen beschmiert worden. „Zudem kommt es immer wieder vor, dass radikale islamistische Gruppen mit Lautsprecherwagen durch Ortschaften fahren und die Christen dazu auffordern, zum Islam zu konvertieren“, berichtete Pater Fadi.
Christen: Leben soll unmöglich werden
Auch im Berufsleben seien Christen von Benachteiligungen betroffen: „Einige Menschen haben ihre Arbeit verloren, nur weil sie Christen sind, oder konnten aufgrund von Diskriminierung beruflich nicht vorankommen.“ Besonders für junge Menschen verschärfe dies die Perspektivlosigkeit. Viele junge Menschen würden erneut über Auswanderung nachdenken, sagte der Franziskaner: „Manche erwägen sogar, nach Afrika zu gehen, obwohl es dort nicht so viele Möglichkeiten gibt wie in anderen Teilen der Welt – doch sie sehnen sich nach Frieden und Stabilität.“
In dieser Situation versuche die Kirche, den Menschen sowohl geistlich als auch materiell beizustehen. „Die Kirche steht an der Seite der Menschen, unterstützt sie, gibt Hoffnung und hört ihnen zu“, sagte Pater Fadi. Viele Pfarreien betrieben medizinische Anlaufstellen und verteilten Medikamente, Lebensmittel, Kleidung und Schulmaterial. Gleichzeitig blieben Seelsorge und die Spendung der Sakramente zentrale Aufgaben.
„Bitte vergesst uns nicht“
„Kirche in Not“ unterstützt die kirchliche Nothilfe in Syrien unter anderem durch das Ernährungsprojekt „Ein Tropfen Milch“, bei dem Familien Milchpulver für Babys und Kleinkinder erhalten, Hilfen für christliche Schulen sowie Mess-Stipendien für Priester, die sonst keinerlei Einkommen hätten. „Ohne diese Hilfe wäre es unmöglich, weiterzuleben und den Auftrag der Kirche in Syrien zu erfüllen“, betonte Pater Fadi.
Der Ordensmann verbindet damit einen Appell an die internationale Gemeinschaft. Er hoffe auf Unterstützung für alle Minderheiten in Syrien, nicht nur für die Christen. Zugleich räumte er ein, dass viele Menschen das Vertrauen darauf inzwischen verloren hätten. „Bitte betet für Syrien und vergesst uns nicht“, sagte Pater Fadi abschließend.
Text: CNA Deutsch
(sig)




