News Bild Symposium: Das Papstamt nach Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.

Symposium: Das Papstamt nach Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.

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Anlässlich des 90. Geburtstags des emeritierten Papst Benedikt XVI. organisierte die Fakultät für Katholische Theologie der Universität Regensburg einen Studientag. Die hochkarätig besetzte Veranstaltung war zugleich Teil der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum der Universität, das am selben Wochenende begangen wurde.

„Rom muss vom Osten nicht mehr an Primatslehre fordern, als auch im ersten Jahrtausend formuliert und gelebt wurde.“ Mit diesem Zitat des damaligen Regensburger Professors Joseph Ratzinger benannte Diözesanbischof Rudolf Voderholzer in seinem Grußwort ein Thema, das sich durch das ganze Symposion ziehen sollte. Der Regensburger Oberhirte, der die gesamte Veranstaltung interessiert verfolgte, zeichnete sogleich einige wesentliche Überlegungen des Theologen, Bischofs und Kardinalspräfekts Joseph Ratzinger zum Wesen des Papstamtes nach.

Zuvor hatte bereits der Dekan der theologischen Fakultät, Prof. Dr. Burkard Porzelt, die zahlreichen Gäste aus dem universitären und dem kirchlichen Kontext willkommen geheißen. Universitätspräsident Udo Hebel blickte in seiner Rede auf die 50-jährige Geschichte der jungen Hochschule zurück, um anschließend das achtjährige Wirken des späteren Papstes an der theologischen Fakultät und in der Universitätsleitung zu würdigen.

Der Vormittag stand dann ganz im Zeichen des Vortrags von Kurt Kardinal Koch. Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ergründete das theologische Wesen des Primats, also der Vorrangstellung des Papstes in der römisch-katholischen Kirche, wie es vom heutigen Papa emeritus im Laufe der vergangenen Jahrzehnte entfaltet wurde. Dazu ging er zunächst auf die herausragende Stellung des Petrus und seiner Martyriumsstätte, der Stadt Rom, in der frühen Christenheit ein.

Von der Gestalt des Petrus her deutete er dann, wieder im Anschluss an den Theologen Joseph Ratzinger, den päpstlichen Primat als Primat im Bekenntnis des Glaubens an Jesus Christus und im Dienst am Gehorsam des Glaubens. Diese Funktion müsse letztlich aber, einem Diktum des Kirchenvaters Ignatius von Antiochien gemäß, ein Vorsitz in der Liebe sein, der insbesondere in der universalen eucharistischen Gemeinschaft zum Ausdruck komme.

Bei der anschließenden Plenumsdiskussion fand die von Kardinal Koch herausgearbeitete martyrologische Dimension des Papstamtes, also der Fokus auf den Zeugnisdienst, breite Zustimmung. Kritisch wurde hingegen angefragt, wie die praktische Umsetzung dieses Schwerpunkts gelingen kann. Der Gast aus Rom hatte diese Schwierigkeit bereits in seinem Vortrag angedeutet, indem er es als „Drama der Papstgeschichte“ bezeichnete, dass sich der Fels der Kirche oft auch als Skandalon erwies.

Nach der Mittagspause standen drei Kurzvorträge auf dem Programm, die den Pontifikat und die Primatstheologie Benedikts XVI. näher beleuchteten. Dorothea Sattler aus Münster untersuchte die ökumenischen Perspektiven im Denken des emeritierten Papstes. Benedikt sei, so der Tenor des Vortrags, schon bald nach dem Konzil zu einer eher nüchternen Haltung im Hinblick auf die interkonfessionellen Lehrstreitigkeiten gelangt. Stattdessen setze er seine Hoffnung auf die Geistesgaben der Geduld, Ausdauer und Zuversicht sowie den gelebten Glauben der Christen.

Roman Siebenrock aus Innsbruck fragte sich im Hinblick auf den Pontifikat Benedikts, wie ein geistlicher Dienst unter den Bedingungen eines solchen Amtes möglich sei. Benedikt habe hierzu Wesentliches beigetragen, etwa durch die Unterscheidung von Person und Amt. Der evangelische Theologe Gunther Wenz aus München befasste sich mit dem berühmten Ökumenismusprogramm, das Joseph Ratzinger in den 1970er Jahren entwickelte, und dessen primatstheologischen Implikationen. Sein Impuls trug dazu bei, dass die Abschlussdiskussion, zu der sich die vier Redner des Studientages nochmals auf dem Podium versammelten, auch zu einem fruchtbaren katholisch-lutherischen Dialog wurde.

 

Text und Bild:Michael Pilarski, Lehrstuhl für Historische Theologie, Universität Regensburg