Barbara Gerl-Falkovitz spricht am Mikro

Symposium anlässlich des 80. Geburtstags von Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

„Leid – Lösung – Spiel“


Beilngries, 20./22. März 2026

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, eine der bedeutendsten deutschen Religionsphilosophinnen, feierte bereits im November vergangenen Jahres ihren 80. Geburtstag. Ihr zu Ehren fand nun am vergangenen Wochenende ein Symposium auf Schloss Hirschberg in Beilngries statt. Neben der Jubilarin selbst referierten Dr. Sebastian Ostritsch und Bischof Dr. Rudolf Voderholzer. Im Rahmen des Symposiums überreichten ihre Schüler eine Festschrift (Beate Beckmann-Zöller, Rene Kaufmann [Hg.] „Leid – Lösung – Spiel“. Phänomenologische, religionsphilosophische und theologische Zugänge, Dresden 2025).

Das zweitägige Symposium stand unter dem Titel „Leid – Lösung – Spiel. Phänomenologische, religionsphilosophische  und theologische Zugänge“. Der emeritierte Bischof von Eichstätt, P. Gregor Maria Hanke OSB und der Regensburger Bischof feierten mit den Anwesenden an den beiden Tagen die Heilige Messe. Dr. Sebastian Ostritsch sprach zum Thema: „Unbedingt primäre Lebenskategorie – Überlegungen zum Wesen des Spiels“, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer referierte zu: „Das spielende Kind. Was uns das Kind für den Glauben lehrt“, Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz sprach unter dem Titel: „Das große Spiel. Leib – Leben – Liebe“.

„Das spielende Kind – Was uns das Kind für den Glauben lehrt“ – Bischof Dr. Rudolf Voderholzer über die geistliche Bedeutung der Kindlichkeit

In seinem etwa einstündigen Vortrag entfaltete der Bischof eine theologisch-philosophische Reflexion über die biblische Neuheit des Kindseins in der Sicht Jesu Christi (vgl. Mt 18,1–5). Jesus drehe die gängige Erwachsenenperspektive um: Nicht das Kind müsse zum Erwachsenen werden, sondern der Erwachsene müsse „umkehren und werden wie die Kinder“, um ins Himmelreich zu gelangen.

Nach Abgrenzung von Missverständnissen (keine sentimentale „kindliche Lieblichkeit“ oder idealisierte „Unschuld“, keine kindische Unreife) arbeitete Bischof Voderholzer – im Dialog mit Denkern wie Romano Guardini, Heinrich Spaemann, Ferdinand Ulrich, Gustav Siewerth und Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. – zentrale Wesenszüge echter Kindlichkeit heraus, die dem Glauben der Erwachsenen als Vorbild dienen: Aufblick und staunende Offenheit für die Wirklichkeit („das große Auge, das nicht mitwächst“ – Spaemann), ungekünstelte Wahrhaftigkeit und unbefangene Begegnung, bejahte Armut, Verletzlichkeit und Angewiesenheit, Freude am Beschenktwerden ohne Revanche-Denken, Demut und Zweckfreiheit.

Besonders eindrücklich führte der Bischof diese Linie zum spielenden Kind weiter: Das echte Kinderspiel sei zweckfrei, gelassen, zeitlos und ruhe „in der Liebe“. Es sei Vorvollzug des Lebens, Einübung in Freiheit – und damit Urbild für die Liturgie als „Spiel vor Gott“ (vgl. Spr 8,30; Ratzinger 1954/2000). Joseph Ratzinger habe das liturgische Spiel der Erwachsenen als Einübung in die „Freiheit und Freude der Kinder Gottes“ gedeutet.

Abschließend lenkte Bischof Voderholzer den Blick auf das Kindsein Jesu selbst: In der Inkarnation nehme Gott die Wehrlosigkeit, Abhängigkeit und Schutzlosigkeit des Kindes an – eindrücklich sichtbar in der vom heiligen Franziskus (gest. vor 800 Jahren) mit Mitbrüdern gefeierten Christmette im Jahr 1223 in einer Höhle von Greccio. Gerade diese göttliche Kindlichkeit besiege die Selbstherrlichkeit des Menschen von innen her und weise den Weg zur wahren Gotteskindschaft.

Der Vortrag, der mit großem Beifall aufgenommen wurde, verband exegetische Präzision, geistliche Tiefe und pastorale Aktualität. Er bot den Symposiumsteilnehmern eine bereichernde Vertiefung des Themas „Kindsein im Glauben“ und unterstrich einmal mehr die bleibende Relevanz der Worte Jesu: „Wer sich so klein macht wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte“ (Mt 18,4).

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Univ.-Prof. em. DDr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz ist Philosophin, Sprach- und Politikwissenschaftlerin. Nach ihrer Tätigkeit als Studienleiterin auf Burg Rothenfels/Main, akademische Oberrätin am Seminar für Christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie der Universität München, sowie als Privatdozentin in Bayreuth, Tübingen und Eichstätt, folgte eine Professur für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten/Bodensee. Von 1993 bis 2011 war sie Lehrstuhlinhaberin für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft an der Technischen Universität Dresden. Seit 2011 ist sie Leiterin des EUPHRat (Europäisches Institut für Philosophie und Religion) in Heiligenkreuz bei Wien. Prof. Gerl-Falkovitz ist u.a. Trägerin des Joseph-Pieper Preises (2019), des Edith-Stein-Preises (2020), des Augustin-Bea-Preises (2021) und des Joseph-Ratzinger-Preises (2021).

Fotos: © Hanns-Gregor Nissing / ©Beate Beckmann-Zöller

(jas)



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