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Zur Neuigkeit
Schmuckstücke im Bistum: Ein steinerner Apostelfürst in der Friedhofsmauer
Die Petrusbüste in Tremmersdorf

Tremmersdorf, 12. Juni 2026
Dr. Daniel Rimsl arbeitet als Kunsthistoriker bei der Abteilung Kunst- und Denkmalpflege des Bistums Regensburg. Als Leiter der Fachstelle Inventarisierung ist er ein wahrer Kenner der zahlreichen „Schmuckstücke“ in den Kirchen unseres Bistums. In unserer Reihe „Schmuckstücke im Bistum“ stellt er uns regelmäßig besondere Kunstobjekte vor. In unserem aktuellen Beitrag führt uns der Kunsthistoriker zu einer spätgotischen Skulptur in Tremmersdorf.
Nähert man sich dem Friedhofseingang der Filialkirche St. Peter und Paul in Tremmersdorf, im nordöstlichen Bistum Regensburg nahe dem Klosterdorf Speinshart gelegen, passiert man eine rätselhafte Büste aus Sandstein: Sie steht in einer Nische der Friedhofsmauer, neben dem Zugang zum Friedhof, und stellt einen bärtigen Mann dar. Schultern und Brust sind erhalten, Arme und Unterkörper fehlen aber ganz.
Dennoch lässt sich anhand einiger Details der Skulptur erschließen, wer hier dargestellt ist: So sind die Gesichtszüge und vor allem die Haar- und Barttracht charakteristisch für Darstellungen des Apostels Petrus. Von ihm ist kein zeitgenössisches Bildnis überliefert; aber bereits an der Wende von der Spätantike zum Frühmittelalter hat sich für ihn ein Typus verfestigt, der auch in den folgenden Jahrhunderten als verbindlich angesehen wurde: ein eher rundliches Gesicht, ein kurzer Vollbart, lockiges Haar, oft auch eine Halbglatze mit Stirnlocke. Die Art, wie das Gesicht und die Locken des Bartes und des Haupthaares der Tremmersdorfer Büste gestaltet sind, legen eine Entstehung in der Spätgotik nahe, wohl in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.
Petrus wacht über den Tremmersdorfer Friedhof
Aus welchem Zusammenhang die Skulptur stammt und wo sie aufgestellt war, darüber kann man nur Vermutungen anstellen. Es kann sein, dass die Büste das Fragment einer thronenden Petrusfigur ist. Möglich ist aber auch, dass es ursprünglich eine Liegefigur war und damit Teil einer steinernen Ölberggruppe, wie sie sich an mehreren Orten finden: Jesus betet in Todesangst im Garten Getsemane, während seine Jünger Petrus, Johannes und Jakobus schlafen. Als vollständig erhaltene spätgotische Beispiele in der Oberpfalz sei Amberg genannt, wo neben der Martinskirche, am Ufer der Vils ein Ölberg steht, und Neunburg vorm Wald, wo er sich am Fuße des Kalvarienbergs befindet.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, zur Zeit der Reformation und des raschen Wechsels der Konfessionen, kam es in der Oberpfalz zu Bilderstürmen: Es ist möglich, dass die Skulptur damals abgebaut und zerstört wurde. Da die Bilderstürme aber nicht überall in der Oberpfalz gleich radikal durchgeführt wurden, ist ebenso möglich, dass die Figur durch eine andere Ursache beschädigt wurde, die sich aber nicht mehr ermitteln lässt. Es ist nicht einmal sicher, ob der steinerne Petrus auch ursprünglich schon nach Tremmersdorf gehört hat oder erst später hierher gelangt ist.
So viele Rätsel er uns also immer noch aufgibt, feststeht: Mag Petrus in seinen Bewegungsmöglichkeiten hier auch eingeschränkt sein, als Himmelspförtner verfolgt er weiterhin genau, wer den Tremmersdorfer Friedhof betritt.
Text: Dr. Daniel Rimsl, Redaktion: Jakob Schötz, Fotos: © Kunstsammlungen im Bistum Regensburg
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