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Straubing St. Peter: Dem Tod begegnen und dem Leben auf der Spur
Spurensuche in die Vergangenheit
Regensburg/Straubing, 03. November 2026
Es muss nicht immer laut, schrill und von kommerziellem Halloween-Trubel geprägt sein. Dass der Vorabend von Allerheiligen auch tiefgründig, christlich und zutiefst berührend begangen werden kann, bewies die Pfarreiengemeinschaft St. Elisabeth – St. Peter in Straubing am vergangenen Samstag. Unter dem Leitgedanken „Dem Tod begegnen – dem Leben auf der Spur“ erlebte eine beeindruckende Kulisse von rund 300 Menschen eine ganz besondere Spurensuche in die Vergangenheit.
Der geschichtsträchtige Friedhof St. Peter rund um die romanische Basilika diente dabei als mystischer Schauplatz. Er ist weit mehr als eine bloße Ruhestätte – er ist ein Archiv zahlreicher Lebensgeschichten aus vielen Jahrhunderten. Die Altstadtfreunde hatten das Areal mit unzähligen brennenden Kerzen in Gläsern in ein romantisches Lichtermeer getaucht. Dekan und Stadtpfarrer Johannes Plank hieß die große Besucherschar sichtlich erfreut willkommen und lud dazu ein, dem eigentlichen, christlichen Sinn von Allerheiligen nachzuspüren.
Geschichte, die lebendig wird
Die bekannte Stadtführerin Ursula Bosl-Seitz übernahm die historische Führung und bezog das fachkundige Straubinger Publikum geschickt mit ein. Doch es blieb nicht bei nackten Jahreszahlen: In Kooperation mit der Theatergruppe St. Peter erwachte die Geschichte des Friedhofs buchstäblich zum Leben. Immer wieder schlurften Schauspieler klagend, weinend oder betend durch die Gräberreihen und holten bewegende Einzelschicksale zurück ins Licht.
So öffnete sich plötzlich die schwere Holztür der Basilika und eine schluchzende, hager gestaltete Witwe trat heraus, um laut schluchzend um ihren verstorbenen Ehemann zu trauern. Am Simon-Höller-Epitaph sprach der frühere Bürgermeister und Apotheker höchstselbst zu den nächtlichen Gästen und berichtete eindringlich von jener düsteren Epoche, als die Pest die halbe Stadt dahingerafft hatte und er seine Rosina, die Liebe seines Lebens verlor.
Die Stationen spiegelten die ganze Bandbreite menschlichen Lebens und Sterbens wider: Ein verwundeter, sichtlich verwirrter Soldat aus dem Jahr 1945 irrte auf der Suche nach seinen Kameraden zwischen den Holzkreuzen umher. In der Bernauerkapelle erklang die Gitarre und die Stimme von Aloisia Raab, die alle acht Strophen des alten Bernauerliedes sang und spielte. An der Totentanzkapelle lenkte die Führung den Blick auf den ältesten Grabstein des Friedhofs von 1353 – das Grab der jung verstorbenen Anna Ulein. Auch an den langjährigen Leidensweg von Pfarrer Krieger, der schwer an der Gicht litt, und an das finstere Handwerk des weiß geschminkten Scharfrichters mit seinem Schwert wurde erinnert. Immer wieder wurden die Zuhörer zum Nachdenken angeregt – auch über das eigene Leben und aus was man im Umgang mit den Mitmenschen achten könne.
Vom nackten Engel bis zum Trost am Kinderbett
Für Schmunzeln und Nachdenken zugleich sorgte der Auftritt von Joseph Bayer. Der einstige Ratsherr und Bürgermeister erklärte die pikante Geschichte hinter dem bekannten Grabmal mit dem Engel im Eingangsbereich: Weil er einst zu Unrecht verdächtigt worden war, zeigt das nackte Hinterteil des Engels bis heute ganz bewusst in Richtung Rathaus… Direkt danach folgte der emotionale Kontrast am sogenannten Kinderbett-Grabmal, an dem sich ein trauerndes Elternpaar gegenseitig Trost spendete. Neben den bekannten „Großkopferten“ wurde an diesem Abend ausdrücklich auch an die „kleinen Leute“ und an Namen wie Theres Neumaier oder Walburga Wöhr erinnert. Auch der Ruf des Thürmers hallte mit den Worten „Hört ihr Leut und lasst euch sagen“ über den Gottesacker.
Musikalisch meisterhaft und hochgradig einfühlsam umrahmt wurde die anderthalbstündige Führung von Andreas Friedländer. Mit seiner Klarinette zauberte er mal mit Balladen, mal mit Liebesliedern oder dem jiddischen „Schalom sol saijn“ eine zutiefst meditative, greifbare Stimmung unter freien Himmel.
Hoffnung über den Tod hinaus
Zum krönenden Abschluss zog die gesamte Festgemeinde in die von innen und außen mystisch illuminierte Basilika St. Peter ein. Stadtpfarrer Johannes Plank lenkte die Gedanken der Anwesenden auf das große Oster- und Auferstehungskreuz, das Jesus mit geöffneten Augen zeigt. Nach einem gemeinsam gesprochenen Auferstehungsgebet und den abschließenden Dankesworten des Dekans setzte Andreas Friedländer mit Schostakowitschs „Jazz Suite Walzer“ auf der Klarinette den Schlusspunkt unter diese besinnliche Stunde. Bei Glühwein und intensiven Gesprächen ließen die Teilnehmer diesen außergewöhnlichen Abend, der noch lange nachklingen wird, gemeinschaftlich ausrollen.
Text und Fotos: Irmgard Hilmer
(chb)






