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Zur Neuigkeit
Bischof Rudolf Voderholzer feiert Allerseelen und betet am Grab der Familie Ratzinger
„Name ist das zweite Ich“
Regensburg, 2. November 2026
Am Allerseelentag feierte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Ziegetsdorfer Kirche St. Josef in Regensburg mit den Gläubigen traditionell die Heilige Messe, gedachte mit ihnen der im vergangenen Jahr Verstorbenen und betete anschließend am Grab der Familie Ratzinger. Seit dem Allerheiligenfest 2025 verstarben in Ziegetsdorf 35 Frauen und Männer. Für jeden wurde in der Feier eine Kerze entzündet und der jeweilige Name vorgelesen. Diesen Umgang mit den Toten der Pfarrei bezeichnete Bischof Rudolf als sehr angemessen und würdig, komme der Nennung, der Erinnerung des Namens, doch eine große Bedeutung zu. Der Name, so der Bischof, sei etwas höchst Individuelles und Persönliches. Der Name sei das zweite Ich.
Stellvertretend für den Ende 2022 verstorbenen Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger, und seinen im Sommer 2020 verstorbenen Bruder, Prälat Georg Ratzinger, betet Bischof Rudolf an Allerseelen an deren Familiengrab. In Pentling ließ sich Joseph Kardinal Ratzinger, damals Dogmatikprofessor in Regensburg, 1970 ein Einfamilienhaus errichten. Vier Jahre später ließen die Geschwister ihre verstorbenen Eltern vom Friedhof in Traunstein nach Ziegetsdorf umbetten. Maria Ratzinger, die ihrem Bruder Joseph mehr als 30 Jahre den Haushalt geführt hatte und am Allerseelentag verstarb, wurde ebenfalls im Familiengrab auf dem Ziegetsdorfer Friedhof beigesetzt. Ihr „Heimgehen“ jährt sich heuer zum 35. Mal.
Gebet für die Verstorbenen schenkt Trost und Zuversicht
In seiner Predigt dankte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer den Gläubigen zunächst für ihr Kommen und ihr Gebet für die Verstorbenen. Zwar seien auch am Vortag wieder viele Menschen bei den Gräbern ihrer Lieben gewesen, trotzdem sei unverkennbar – nicht erst seit der Corona-Pandemie – dass der Gräbergang am Vorabend des Allerseelentages auch in vielen katholischen Familien nicht mehr selbstverständlich sei. Die Urnenbestattungen, die längst in der Mehrzahl sind, benötigten nicht mehr so viel Platz, Urnenwände und Kolumbarien seien im Kommen. Dazu kämen Friedwälder und andere Formen des Bestattungswesens, so der Bischof.
Die Gründe dafür seien vielfältig, erklärte der Diözesanbischof. Die oft in Auflösung begriffenen Familienverbünde, die Sorge: „Wer wird sich einmal um mein Grab kümmern?“, aber auch Individualisierung und eine Diesseitsorientierung, abhanden gekommene Gebetspraxis sowie Traditionsbrüche spielten hier mit herein. Für die Seelsorge und die Verkündigung, die Begleitung auch der Trauernden stelle dies eine große Herausforderung dar, hob der Bischof hervor. Die Teilnahme am Gebet für die Verstorbenen, das Trost und Zuversicht aus dem Glauben schenken möchte, ist deshalb ein wichtiges Element der Trauerkultur und ein Ausdruck unseres Glaubens sowie vor allem unserer Hoffnung über Grab und Tod hinaus. Es ist eine wichtige Lebensäußerung der Kirche, die ihre Verstorbenen nicht vergisst, sondern die Solidarität übt und im Gebet der Verstorbenen gedenkt. Friedhöfe, so der Bischof, seien nicht nur Orte der Tränen und der Trauer, sondern sie werden dadurch auch zu Orten der Hoffnung und der Zuversicht.
Dabei komme der Nennung, der Erinnerung des Namens eine große Bedeutung zu. „Bei uns im Bistum gilt die Regel, dass die Seelsorger auch bei den neuen Formen der Bestattung mitgehen sollen. Natürlich plädieren wir nach wie vor für die Erdbestattung. Aber die rote Linie ist erreicht, wo wir nicht mehr mitgehen können, das ist, wo der Verstorbene in die Anonymität, in die Namenslosigkeit entlassen wird. Dass ein Grab wenigstens noch auf den Namen der dort bestatteten Person hinweist, dass ein Schild mit dem Namen des Bestatteten dem Grab zugeordnet wird, ist die Mindestvoraussetzung, die wir der Würde der Person, ihrer Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit schuldig sind“, hob Bischof Rudolf hervor.

Gott hat unseren Namen in sein Herz geschrieben
Der Name, so der Bischof, sei beileibe nicht Schall und Rauch, der Name ist etwas höchst Individuelles und Persönliches: „Der Name ist das zweite Ich. Wir dürfen glauben, Gott hat uns beim Namen gerufen, er hat unsere Namen in sein Herz geschrieben, er kennt uns beim Namen und er wird uns einmal beim Namen rufen, wenn die letzte Stunde geschlagen hat und wir hineintreten werden vor ihn, in das lebendige Feuer, in dessen Glut wir gereinigt werden wie Gold im Feuer“.
Zum Namen gehöre auch das Angesicht, das Antlitz. Gerade auch in Bayern sei es in manchen Regionen üblich, auf dem Sterbebild ein Foto des oder der Verstorbenen abzudrucken, und ein solches Bild dann auch auf dem Grabstein anzubringen. „Der Name, das Gesicht. Nicht nur einmalig für jeden von uns, sondern sie stehen auch dafür, dass jeder und jede von Gott gekannt, angeschaut, geliebt, für die Ewigkeit bestimmt ist. Das ist unser Glaube, darin gründet unsere Hoffnung, die uns trösten will, gerade auch vor einem frischen Grab“, so Bischof Dr. Rudolf Voderholzer abschließend.
Am Altar feierte mit Bischof Rudolf Pfarrvikar Dr. Naburhaca Deogratias Munguakonkwa. Der Chor der Pfarrei St. Josef gestaltete die Feier musikalisch.
Text und Fotos: © Jakob Schötz
(jas)







