News Bild „Solidarische Gemeinschaft auf der Basis unseres Glaubens“

„Solidarische Gemeinschaft auf der Basis unseres Glaubens“

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(kjf) Nach Abschluss der umfangreichen Baumaßnahmen für den ersten Bauabschnitt durch die Katholische Jugendfürsorge (KJF) und dem Einzug der Schüler zu Beginn des neuen Schuljahres hat Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller die Berufsschule St. Erhard in Plattling und die neue Schulkapelle eingeweiht.

In der Pfarrkirche St. Magdalena wandte sich Bischof Müller gegen materialistische Tendenzen in unserer Gesellschaft. So sei zu hören, dass junge Menschen in der Schule lernen müssten, die Ellenbogen einzusetzen, um in der Gesellschaft zurecht zu kommen. Aber wie sehe so eine Gesellschaft aus mit einsamen, verlassenen und nicht geliebten Menschen? Vielmehr könne eine „solidarische Gemeinschaft durch vertrauensvollen Umgang von Lehrern und Schülern“ in der Schule entstehen. Junge Menschen; die sich geliebt und angenommen fühlen, brauchen auch nicht zu Drogen greifen, so der Bischof. Er forderte die Anwesenden auf: „Stellen wir uns auf den Boden unseres Glaubens, dass wir aus der Liebe Gottes heraus unseren Nächsten lieben und so an unserer Schule wirken, dass jeder sich entfalten kann. Nach dem Gottesdienst, den Bischof Müller mit Stadtpfarrer Johann Ochsenbauer, Prälat Dr. Josef Schweiger, Direktor der KJF, Pfarrer Helmut Heiserer zelebrierte, segnete er auf dem Schulgelände die neue Schulkapelle und die Bildungseinrichtung. Beim Rundgang durch die Schule nahm Bischof Gerhard Ludwig spontan einige Schüler mit, erklärte ihnen die Bedeutung der Segnung und des Weihrauches und betete mit ihnen gemeinsam bevor er die Segnung vornahm.

Auch der Festakt stand ganz im Zeichen der Jugend. Prälat Dr. Josef Schweiger dankte dem Bischof und der Diözese, die diese Berufschule ganz nach dem neuen Slogan der KJF „auf der Seite junger Menschen“ unterstützen, eine von insgesamt 56 kirchlichen Schulen in der Diözese! Bezogen auf die starke politische Unterstützung hob der Direktor der KJF vor allem das „unermüdliche Engagement“ des Landtagsabgeordneten Bernd Sibler hervor. An Schulleiter Hermann Langgartner, der „wie ein Löwe für die Verwirklichung dieser Schule“ gekämpft habe, überreichte Dr. Schweiger zum Dank eine Domuhr der Diözese. Mit diesem Neubau haben die Schüler von St. Erhard nach jahrelanger Aufteilung auf verschiedene Standorte endlich eine schulische Heimat gefunden. Im ersten Bauabschnitt können von den insgesamt 660 Schülern 300 in 30 Klassen unterrichtet werden. Bis zur Verwirklichung des zweiten Bauabschnittes müssen noch 21 Klassen in zwei Außenstellen in Plattling und einer in Deggendorf unterrichtet werden. Diese Leistungen werden von 45 Lehrkräften erbracht. Nun komme es darauf an, dass das Kultusministerium auch die Unterstützung für den zweiten Bauabschnitt gebe. Hierzu gaben Staatssekretär Franz Meyer und Bürgermeister Erich Schmid Hoffnung, denn im Doppelhaushalt 2005/2006 seien hierfür Mittel eingeplant. Gut eingesetztes Geld für junge Menschen wie der Staatssekretär in seiner Ansprache verdeutlichte. Schließlich gelingt es der Förderberufschule mit seinem umfangreichen Bildungsangebot in den Ausbildungsbereichen Pflege, Hauswirtschaft und Holz-Bau-Farbe, dass jedes Jahr etwa 93 Prozent der Schüler ihre Prüfungen bestehen und 90 Prozent ihre Arbeitsstelle behalten, meist sogar in den gleichen Betrieben. „Gemäß Ihrem Leitziel ´Integration durch berufliche Ausbildung´ bieten Sie Schülern, die vorher die Schule zur Lernförderung oder ein Sonderpädagogisches Förderzentrum besucht haben, vielfältige Hilfe und Förderung, damit sie sich in einem künftigen Beruf bewähren.“ Der Staatssekretär hob das „überaus erfolgreiche“ pädagogische Konzept der Schule mit Krisenintervention bei Problemfällen, erlebnispädagogische Tagen oder dem Arbeitskreis „Schulhausgestaltung“ hervor. Der Freistaat habe von den anfallenden Baukosten in Höhe von nahezu zwölf Millionen Euro bisher 5,7 Millionen gefördert und weitere Förderraten in Aussicht gestellt.

Bürgermeister Erich Schmid betonte die langjährige gute Zusammenarbeit mit der Schule und verdeutlichte die verkehrstechnische gute Erschließung der Stadt, was für diese Förderberufschule mit einem großen Einzugsbereich in Niederbayern von besonderer Bedeutung sei. Architekt Horst Hennel stellte das architektonische Konzept von Schule und Kapelle vor und lobte die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit KJF-Architekt Horst Wildanger und dem örtlichen Architekturbüro Gollwitzer.

Neben dem großzügigen Schulbau, der über „modernste technische Ausstattung“ verfügt, zeigten sich die Gäste von der Architektur und der Kunst der Schulkapelle beeindruckt. Eng nebeneinander gesetzte Stelen ermöglichen es immer nur einem Besucher allein das Portal zum Vorraum zu durchschreiten, um vom hektische Alltag den Ort der Besinnung aufzusuchen. „Die Jugend war im Focus meiner künstlerischen Arbeit,“ so der Bildhauer Alfred Böschl, der ein großes Bronzekreuz hinter einer Glaswand erscheinen lässt. In die Glaswand ist ein blauer Vorhang integriert, der den Blick auf das Kreuz öffnet. Böschl will Spannung erzeugen und die jungen Menschen animieren, diesen Ort aufzusuchen. Der Altar ist aus Auer-Kalkstein wie auch der Sockel vor der Kapelle, auf der der Heilige Erhard steht und “mit jugendlichen Aussehen“ die jungen Menschen einlädt.

Schulleiter Hermann Langgartner erläuterte das Logo der Schule, eine Mischung aus Mensch und Baum. Es symbolisiere das Wachstum der Persönlichkeit und die Entwicklung in beruflicher Sicht. Der Stamm sei die Schule und die Arme und Beine seien nach allen Seiten unbegrenzt, bis zu den Fingern, die für die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten an der Schule stehen. „Die Farben Blau und Grün sind eine Referenz an unseren Schulstandort Plattling, der diese Farben in seinem Wappen hat.“ Wie gut die Schüler hier ausgebildet werden, konnten sie im Anschluss an den Festakt unter Beweis stellen, als sie unter Anleitung ihrer Lehrkräfte die Festgemeinschaft mit einem selbst gekochten Drei-Gänge-Menue verwöhnten. Sie bestätigten ein Wort von Prälat Schweiger: „Wohl dem der eine Schule hat“ und hier eine Heimat findet.