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Segnung der Zentralen Inobhutnahmeeinrichtung

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Als zum Jahreswechsel 2014 ein dramatischer Appell des Bayerischen Sozialministeriums an die Kommunen und die freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe erging, Betreuungsplätze für junge Menschen auf der Flucht bereitzustellen, hat die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. (KJF) mit Hochdruck am Aufbau einer sogenannten „Zentralen Inobhutnahmeeinrichtung  für unbegleitete Minderjährige“ (ZIE) in der Oberpfalz gearbeitet.

Die hierfür bereitgestellten Räumlichkeiten im Kinderzentrum St. Vincent segnete Prälat Dr. Josef Schweiger, Vorsitzender der KJF, in einer kleinen Feierstunde. Beginnend mit dem Gebet der Vereinten Nationen machte er deutlich: „Damit ein Zusammenleben der Menschen auf diesem Planeten gelingen kann, müssen Hunger, Krieg, Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung überwunden werden. Dafür müssen wir uns mit aller Kraft einsetzen.“ Für die Segnung wählte Prälat Dr. Schweiger das Segenswort, mit dem Gott das Gespräch mit Abraham eröffnet. Abraham, so Schweiger, erkennen sowohl Christen, Juden und Muslime als Stammvater im Glauben an. Segenswort und Ansprache übersetzte ein junger Afrikaner aus der Einrichtung auf Arabisch und Somalisch. Prälat Dr. Schweiger gestaltete mit ihm gemeinsam die Segnungsfeier.

KJF-Direktor Michael Eibl begrüßte politisch und fachlich verantwortliche Netzwerkpartner im Kinderzentrum St. Vincent, die sich maßgeblich beim Aufbau der Inobhutnahmeeinrichtung engagiert hatten. Bei der Segnungsfeier waren die Jugendämter, die Regierung der Oberpfalz und die Stadt Regensburg vertreten, darunter Jugendamtsleiter Günter Tischler, der Leiter des Kreisjugendamts Karl Moser, Sozialrat der Regierung Ingobert Roith und Bürgermeisterin Gertraud Maltz-Schwarzfischer.

 „Unser besonderer Dank gilt Ihnen allen, Menschen, die anpacken, um aktuelle Nöte zu lindern“, so Eibl. Gemeinsam sei es gelungen, die Inobhutnahmeeinrichtung aufzubauen und die Herausforderungen bei der Organisation dieses neuen Hilfeangebotes zu bewältigen. „Seit mehr als 100 Jahren setzt sich die Katholische Jugendfürsorge für junge Menschen in aktuellen Nöten der Zeit ein“, stellt Eibl heraus, „die Situation der Flüchtlinge, insbesondere auch der sehr jungen Menschen, die in Kriegs- und Armutsregionen um ihr Überleben fürchten müssen, ist ein brennendes Thema.“

Deren Schicksale und Hintergrund schildert der Gesamtleiter des Kinderzentrums St. Vincent Wolfgang Berg: „Wir lernen hier Kinder und Jugendliche kenne, die zum Beispiel aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder religiösen Minderheit verfolgt wurden. Kinderhandel, körperliche Ausbeutung, Verfolgung und Tötung von Familienangehörigen – das alles sind Erlebnisse dieser jungen Menschen, bevor sie nach oft jahrelanger Flucht bei uns ankommen.“

 

Aufbruch an einem sicheren Ort

In der Zentralen Inobhutnahmeeinrichtung werden insgesamt 22 Jugendliche in zwei Gruppen von pädagogischen Fachkräften betreut. Zunächst werden die gesundheitliche Situation und die psychische Verfassung der jungen Menschen geklärt sowie deren Grundversorgung mit Nahrung und Kleidung sichergestellt. Die Betreuungsstruktur einer Wohngruppe bietet Sicherheit und kann mit vielfältigen pädagogischen Angeboten Kenntnisse zu Kultur und Werten vermitteln. Es ist darüber hinaus gewährleistet, dass die Jugendlichen mit Begleitung zu Behörden, Ärzten oder Beratungsstellen gehen und, falls traumatische Erlebnisse dies erfordern, auch eine entsprechende Krisenintervention eingeleitet wird.

Desweiteren stehen die Abklärung der schulischen Ausgangssituation, eine Einschätzung des Lern- und Leistungsverhaltens sowie intensive sprachliche Erstförderung auf dem Programm. Um dies professionell zu gewährleisten, arbeitet das Kinderzentrum St. Vincent mit der Lernwerkstatt der KJF im Regensburger Gewerbepark zusammen. Resultierend aus diesen Abklärungen in der Inobhutnahmeeinrichtung wird nach 8-10 Wochen an das jeweils zuständige Jugendamt eine Einschätzung des Folgebedarfes gegeben. In Abstimmung mit ihren Vormündern wechseln die Jugendlichen dann in geeignete Nachfolgegruppen in Regensburg oder auch in andere Regionen der Oberpfalz.

 

Zahl junger Menschen auf der Flucht wächst

Waren es 2012 und 2013 noch 545 bzw. 574 junge unbegleitete Minderjährige, die nach Bayern kamen, so werden es 2014 mehr als 3.000 sein, die Hilfe benötigen. Für die Oberpfalz bedeutet dies, dass etwa 500 Plätze insbesondere auch in Nachfolgeeinrichtungen geschaffen werden müssen. Auf die Jugendämter und vielen engagierten Träger kommen damit auch in den kommenden Monaten schwierige Aufgaben zu.

Gemäß der UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 3) zählen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zur Gruppe besonders schutzbedürftiger junger Menschen. „Aufgrund ihres Alters, ihrer Herauslösung aus ihren Herkunftsländern und ihrer Familie sind sie besonderen Umständen ausgesetzt, weshalb sich die Katholische Jugendfürsorge in besonderer Weise gefordert sieht, auf der Seite junger Menschen zu stehen und den Aufruf des Sozialministeriums zum Ausbau der Hilfen aktiv zu unterstützen“, erklärt Michael Eibl.

 

Junge Menschen brauchen Perspektive

Eine wesentliche Aufgabe wird es sein, längerfristige Perspektiven für die unbegleiteten Minderjährigen zu ermöglichen, nicht nur was den Schulbesuch anbelangt, sondern auch hinsichtlich ihrer Chancen auf Ausbildung und Beschäftigung. Es sollte daher Ziel der sozialpolitisch Verantwortlichen sein, fordert Michael Eibl, Asylgesetze so anzupassen, dass jeder junge Mensch zumindest eine Ausbildung während seines Aufenthaltes bei uns abschließen kann. „Das Ergebnis könnte ein Beitrag zur Fachkräfteentwicklung in Deutschland sein oder - sofern die jungen Menschen wieder in ihre Heimat zurückkehren können - ein Beitrag zur Entwicklungshilfe und eine Brücke zur Verständigung“, meint Eibl weiter.

Die in St. Vincent und der Lernwerkstatt tätigen Pädagogen sind sich nach den ersten Monaten einig: Die Jugendlichen sind hochmotiviert, freundlich und wissbegierig. Sie sind bereit zu einem Neustart an einem sicheren Ort. 

Text: Robert Gruber