News Bild Schrei der Tränen – Warum es in Fatima um alles geht

Schrei der Tränen – Warum es in Fatima um alles geht

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Still ist es über dem Heiligtum von Fatima, so still, dass man einzelne Vögel in den hohen Bäumen singen hört. Seit mehreren Minuten steht Papst Franziskus vor der Gnadenstatue Unserer Lieben Frau von Fatima, Nossa Senhora, wie die Portugiesen sagen, genau an dem Ort, an dem vor hundert Jahren die Gottesmutter drei Hirtenkindern erschienen war. Der Papst ist versunken in das Gebet und mit ihm beten eine halbe Million Menschen im Heiligtum von Fatima – in absoluter Stille.

 

„Gott ist mit euren Opfern zufrieden“

Fatima ist kein lauter Ort. Wer sich auf Fatima einlässt, auf das durchgehende Gebet des Rosenkranzes, die Lieder, auf die Atmosphäre, der kommt nicht herum, sich von dem Ort ganz einnehmen zu lassen. „Wollt ihr euch Gott als Opfer anbieten?“ fragte die Gottesmutter die Seherkinder und bei einer weiteren Erscheinung 1917 konnte sie sagen: „Gott ist mit euren Opfern zufrieden.“ Die drei Kinder von Fatima Jacinta, Francisco und Lucia haben es vorgemacht und die Botschaft ihr Leben bestimmen lassen. Einfach hatten sie es dabei nicht. Von allen Seiten wurden Kritik und Zweifel an sie herangetragen – von Behörden, Geistlichen, ja selbst von den eigenen Eltern. Die Seherkinder, so Papst Franziskus, haben die Botschaft „gelebt mit allem, was sie an Freud und Leid mit sich brachte, in einer Haltung der Hingabe an den Herrn.“ Als sie schließlich zum Verhör ins Gefängnis gebracht wurden und unter Androhung von Folter und Tötung den Schwindel zugeben sollten, blieben sie standhaft, denn sie kannten die Wahrheit. „Die Seherkinder haben wirklich auf die Botschaft der Muttergottes gehört“, sagt Adolf Bittschi. Der gebürtige Ingolstädter ist Weihbischof in Bolivien und nahm mit deutschen Pilgern an den Jubiläumsfeiern teil. „Wenn wir auf Gott hinhören, dann wird das Leben sehr viel reicher – es wird nicht einfacher, denn Gott fordert von uns und so hat auch die Muttergottes von den Kindern gefordert.“

 

Ort der Bekehrung, der Umkehr und der Beichte

Bis heute bestimmt die Botschaft von 1917 das geistliche Leben im Heiligtum. „Fatima ist ein Ort der Bekehrung, der Umkehr und der Beichte“, erzählt Pfarrer Norbert Abeler, Seelsorger für die deutschen Pilger in Fatima: „Fünf Stunden am Tag sitze ich immer im Beichtstuhl. Mir ist es ein großes Anliegen, zur Beichte einzuladen. Ich denke daran, wie Papst Franziskus im vergangenen Jahr in Rom bei der Wallfahrt der Priester uns auf den Weg gegeben hat: ‚Ihr Priester, ihr müsst es den Leuten leicht machen‘ – das war sein wichtigster Satz. Und darum bemühe ich mich hier, es den Menschen leicht zu machen, zu spüren, dass dieser Ort ein Ort der Gnade ist, an dem man sehr, sehr viel von der Liebe und der Barmherzigkeit Gottes erfahren kann.“

Welche Aufgaben Pilgerseelsorger Abeler in Fatima hat und welche Begegnungen ihn besonders berühren, lesen Sie im <link record:tt_news:5403 _blank internal-link>Interview. 

 

„Eure stille Gegenwart ist beredter als viele Worte“

Viele Menschen kommen auf Knien zur Madonna in der Erscheinungskapelle. Sie tragen Kerzen, Bilder oder Blumen mit sich, kommen um zu bitten, meistens aber, um zu danken. Eine Frau kniet verzweifelt auf halber Strecke, denn sie befürchtet, den Weg unter ihren sichtlich starken Schmerzen nicht zu Ende bringen zu können. Als zwei Pilger sie bei der Hand nehmen, sie ermutigen und unterstützen, bricht sie in Tränen aus, küsst ihre Hände.

Es ist ein ungewöhnliches Bild für mitteleuropäische Augen und bleibt oft unverständlich, weiß Pilgerseelsorger Abeler. Er erzählt von Kindern, die den Weg kniend zurücklegten und von Erwachsenen, die sie davon abhalten wollten mit den Worten „Jesus will das nicht.“ Eines der Kinder, ein Junge, antwortete dann: „Aber ich mache das doch für Jesus und der hat doch viel mehr gelitten.“ Er kam schließlich mit den beiden anderen Kindern bei der Gottesmutter in der Erscheinungskapelle an.

Es ist ein Weg, Christus nahe zu kommen, meint Pfarrer Abeler: „Wenn ich jemanden liebe, dann bin ich an dem, was sein Leben ausmacht, interessiert. Und wenn ich weiß, dass diese Person gelitten hat, dann habe ich Mitleid. Sich bewusst zu machen, was Jesus ausgehalten hat und die eigenen Unannehmlichkeiten und Schmerzen einmal zu ertragen, ist ein Weg, ihm nahezukommen.“ Die Schmerzen und Leiden, die jeder Mensch in seinem Leben zu tragen hat, stellte auch Papst Franziskus bei seiner Ansprache an die Kranken in Fatima in den Mittelpunkt und ermutigte sie, ihr Leben als ein Geschenk zu verstehen und es wie die Hirtenkinder mit ganzem Herzen Gott anzubieten. Nicht nur als „Empfänger einer wohltätigen Solidarität“ sollten sie sich verstehen, sondern „als vollberechtigte Teilnehmer“ an Leben und Mission der Kirche: „Eure stille Gegenwart ist beredter als viele Worte. Euer Gebet, das tägliche Opfer eurer Leiden […] ist eine geistliche Ressource.“ Mit dem Allerheiligsten ging Papst Franziskus zu den Kranken: „Zählt auf das Gebet der Kirche.“

Und dieses Gebet ist in Fatima allgegenwärtig. Mit dem Wunsch „Bete für mich“ verabschieden sich die Pilger untereinander. Der Rosenkranz ist für die Menschen im Heiligtum ein ständiger Begleiter. Wenn in der abendlichen Lichterprozession die Muttergottesstatue um den Platz getragen wird, dann schwebt sie wie auf einer Wolke aus Blumen durch die vielen Kerzenlichter, die die Menschen betend zum Himmel halten.

 

Die prophetische Mission Fatimas: der Papst auf dem Weg des Kreuzes

Während der Hundertjahrfeiern erscheint Papst Franziskus in sich gekehrt, ruhig, ja beinahe traurig. Im Angesicht der Gottesmutter und vereint mit allen Pilgern weiht er sich der Jungfrau vom Rosenkranz, wie er es bereits wenige Monate nach seiner Wahl zum Papst auf dem Petersplatz in Rom getan hat. Als „Pilger unter Pilgern“ wollte er nach Fatima reisen. Im Gebet konkretisiert er: als Pilger des Lichtes, des Friedens und der Hoffnung.

Wer die Geschichte von Fatima kennt, der wird im Gebet des Papstes auf einen bedeutenden Satz stoßen. Franziskus stellt sich der Gottesmutter selbst als ein „in Weiß gekleideter Bischof“ vor – eine wegweisende Formulierung, denn sie entstammt den Worten der Seherin Lucia, die in ihren „Erinnerungen“ die Erscheinungen der Gottesmutter von Fatima und ihre Botschaft niederschrieb. Die Gottesmutter zeigte den Kindern eine prophetische Vision: „Und wir sahen [...] einen in Weiß gekleideten Bischof; wir hatten die Ahnung, dass es der Heilige Vater war.“ Weiter schrieb Lucia, er sei gemeinsam mit anderen Christen auf einen Berg gestiegen, auf dessen Gipfel ein Kreuz stand. Oben angekommen „wurde er von einer Gruppe Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen“. Papst Johannes Paul II. erkannte sich selbst in der Vision wieder, nachdem er ausgerechnet am Jahrestag der ersten Marienerscheinung von Fatima, am 13. Mai 1981, bei einer Fahrt über den Petersplatz lebensbedrohlich verwundet worden war. Der heute als Papstattentäter bekannte Ali Agça hatte auf ihn geschossen, doch „eine mütterliche Hand“ habe die Flugbahn der Kugel geleitet, so deutete Johannes Paul II. sein Überleben und erkannte das Attentat als eine Mahnung, den Blick nach Fatima zu richten. In dem mühsamen Hinaufsteigen des Bischofs auf den Berg dürfe man, so Joseph Kardinal Ratzinger, zu dieser Zeit Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, „ruhig mehrere Päpste zusammengefasst finden, die […] die Leiden des Jahrhunderts mittrugen.“ Ein Höhepunkt der Leidensgeschichte aber sei das Attentat gewesen. Doch die Botschaft aus der Vision kann damit nicht als abgeschlossen angesehen werden. „Wer glaubt, dass die prophetische Mission Fatimas beendet sei, der irrt sich“, betonte er als Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch im Heiligtum im Jahr 2010.

In diesen Tagen nun vereinte sich Papst Franziskus, der in Weiß gekleidete Bischof, durch sein Gebet mit den Päpsten des vergangenen Jahrhunderts und er zeigte: das Leiden in der Welt ist nicht besiegt, die Botschaft von Fatima, die damals mitten in den Ersten Weltkrieg und eine Zeit der Säkularisierung hineingesprochen wurde, verlangt heute ebenso viel Aufmerksamkeit.

 

Licht vor dunklem Hintergrund: Jacinta und Francisco Marto

Zur Hundertjahrfeier erwartete Fatima nicht nur den Papst, sondern auch die Heiligsprechung der jung verstorbenen Seherkinder Jacinta und Francisco. Das Wunder, das zu ihrer Heiligsprechung führte, betraf ebenfalls ein Kind: Lucas aus Brasilien war fünf Jahre alt, als er aus dem Fenster über sechs Meter in die Tiefe fiel. Hirnverletzungen waren die Folge. Er lag im Koma und erlitt mehrere Herzstillstände. Doch heute ist Lucas vollkommen gesund, „ganz wie früher“, berichteten seine Eltern, und so konnte er an der Zeremonie der Heiligsprechung teilnehmen. Etwas aufgeregt wirkte er noch, als er gemeinsam mit seiner Schwester an der Hand der Postulatorin für die Heiligsprechung Sr. Ângela de Fátima Coelho zu Papst Franziskus geführt wurde und blickte in alle Richtungen, in das große Meer der Pilger. Dann der große Moment: er konnte den Papst umarmen.

Schon zwei Tage zuvor wurden die Heiligenporträts hoch oben an der Rosenkranzbasilika angebracht, rechts und links neben der Statue der Gottesmutter, die ihre Hand schützend und segnend über den großen Platz ausbreitet. Die Bilder sind düster und ernst. Körperhaltung und Mimik sind beinahe detailgetreu an die historischen Fotografien angelehnt und mit einem aussagekräftigen theologischen Programm versehen. Vor dunklem Hintergrund stehen die Kinder, ihr Haupt ist umgeben von goldenen Heiligenscheinen, die sich in ihrer detailreichen Gestaltung selbst wie Rosenzweige im Kranz winden. Enthaltene Motive, wie die Gottesmutter, das Unbefleckte Herz Mariens, der Friedensengel von Fatima oder Kelch und Hostie, verbinden die beiden Geschwister, sodass sich in der Zusammenschau der Heiligenscheine die zentrale Botschaft von Fatima spiegelt. Jeweils mit der linken Hand umfassen die Kinder den Rosenkranz. Francisco, die Augen zum Himmel gerichtet und ganz ins Gebet vertieft, lässt den Rosenkranz in seiner Hand nach unten gleiten. Jacinta, die mit ernstem, traurigem Blick den Betrachter fokussiert, präsentiert den Rosenkranz vor sich, als wolle sie dazu auffordern, den Wunsch der Gottesmutter von Fatima zu erfüllen: „Betet täglich den Rosenkranz!“ In der jeweils rechten Hand halten die Kinder Lampen, die an die Worte Papst Johannes Pauls II. bei der Seligsprechung im Jahr 2000 erinnern, bei der er über sie sagte: „Die Kirche will mit diesem Ritus diese zwei Kerzen auf den Leuchter stellen, die Gott entzündet hat, um die Menschheit in ihren dunklen und sorgenvollen Stunden zu erleuchten.“ Es sind keine freudigen, farbenfrohen Darstellungen, wie man sie von Kindern erwarten würde. Und doch zeigen sie gerade dadurch eines ganz deutlich: Die Botschaft von Fatima wurde in eine dunkle Zeit hineingesprochen. Aber die Gottesmutter zeigt auch auf das Licht, auf den Frieden. Und der Weg dorthin ist das Gebet des Rosenkranzes – in Fatima beten ihn jeden Tag tausende Menschen.

 

Wächter des Morgens

Die Botschaft von Fatima ist ernst: sie zeigt die Hölle, ruft zur dringenden Umkehr, zum Gebet auf, sie fordert Opfer für die Sünder. Doch Maria ist auch gekommen, so Papst Franziskus, „um uns an das Licht Gottes zu erinnern.“ Fatima kann deshalb auch laut sein und voller Freude. Als die Hubschrauber des Papstes über dem Heiligtum kreisen, greifen tausende Hände zum Himmel und winken dem Heiligen Vater zu. Bei seiner Fahrt im offenen Wagen wird er mit Jubelschreien empfangenen. „Viva o Papa“ tönt es von allen Seiten auf. In einer unvollkommenen Welt ist Fatima der „Lichtmantel“, sagte Papst Franziskus und „unter dem Schutz Mariens sind wir in der Welt Wächter, die den Morgen erwarten.“

 

Weitere Fotos und Eindrücke aus Fatima finden Sie online bei der Zeitschrift <link http: www.facebook.de botevonfatima.imr _blank external-link-new-window von>Bote von Fatima und in unserem <link http: www.bistum-regensburg.de multimedia mediathek _blank external-link-new-window auf den papst: eindrücke aus>Bilderalbum.

 



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