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Zur Neuigkeit
Schmuckstücke im Bistum: Ein altniederländisches Tafelbild in Amberg-St. Georg
„Maria, der in den Flammen unversehrte Dornbusch“

Amberg/Regensburg, 30. April 2026
Dr. Daniel Rimsl arbeitet als Kunsthistoriker bei der Abteilung Kunst- und Denkmalpflege des Bistums Regensburg. Als Leiter der Fachstelle Inventarisierung ist er ein wahrer Kenner der zahlreichen „Schmuckstücke“ in den Kirchen unseres Bistums. In unserer Reihe „Schmuckstücke im Bistum“ stellt er uns regelmäßig besondere Kunstobjekte vor. In unserem aktuellen Beitrag führt uns der Kunsthistoriker zu einem besonderen Tafelbild in Amberg.
St. Georg steht etwas abseits am westlichen Rande der Amberger Altstadt, direkt an der alten Stadtbefestigung, vom Malteserplatz abgeriegelt durch die imposanten Trakte, die die Jesuiten in der Barockzeit errichten ließen. Außen zeigt sie sich noch als gotische Basilika, wie sie in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet wurde. Innen aber präsentiert sie sich im Gewand des frühen Rokoko: Unter Leitung von Johann Baptist Zimmermann erhielt der Raum um 1720 eine Ausgestaltung mit Stuck und Fresken.
Sie war die ursprüngliche Amberger Pfarrkirche, nach Einführung der Reformation 1544 verlagerte sich das Zentrum der Pfarrei auf St. Martin in der Stadtmitte. Die Georgskirche verlor an Bedeutung. Von 1623 bis 1773 war sie die Kirche des Amberger Jesuitenkollegs; nach mehrfachem Konfessionswechsel und durch den Bildersturm, den die Reformierten durchführen ließen, war sie in einem verwahrlosten Zustand, als die Jesuiten sie übernahmen. Sie setzten die Kirche schrittweise wieder instand und sorgten sich um ihre Neuausstattung.

Im Zusammenhang mit den Jesuiten steht auch ein kleines bemaltes Holztäfelchen in der Marienkapelle, die an das südliche, also rechte Seitenschiff angebaut ist. Es stellt Maria als Halbfigur mit dem Kind dar, am oberen Rand sind gemalte Ranken mit Blüten erkennbar. Durch ihre geringe Größe wirkt die Tafel zunächst unscheinbar. Zugleich gehört sie zu den größten Schätzen von St. Georg.
Das Täfelchen entstand wohl im Zeitraum um 1460/80 in der Werkstatt oder zumindest im Umkreis Hans Memlings, eines der bedeutendsten altniederländischen Maler. Memling wurde zwar im heute hessischen Seligenstadt geboren, spätestens seit 1465 war er aber in Brügge tätig, wo er eine bedeutende und international angesehene Werkstatt aufbaute. Er lieferte Gemälde auch nach Deutschland, Spanien und Italien, sein berühmtes Jüngstes Gericht gelangte auf Umwegen nach Danzig. Es finden sich auch mehrere kleinformatige Tafelbilder, die Maria mit dem Kind darstellen und Memlings Werken stilistisch sehr nahestehen. Es ist daher möglich, dass sie in seiner Werkstatt entstanden sind.
Das Gemälde ist also von hoher künstlerischer Qualität. Zugleich ist der Zustand nicht der Beste: In der Malschicht lassen sich einige Schäden feststellen, vor allem sind in den Gesichtern Mariens und des Kindes gewaltsame Ritzungen erkennbar. Das erklärt sich aus der Geschichte, wie die Tafel nach Amberg gelangt ist; die Umwege, die das Bild nahm, sind geradezu haarsträubend:
Ursprünglich befand es sich in einer Mönchszelle des bis zum 16. Jahrhundert mächtigen und einflussreichen Klosters Kastl bei Amberg (Diözese Eichstätt); um 1590 ließen die Reformierten in Kastl einen Bildersturm durchführen, dem Bild wurden dabei zuerst mit einem Nagel Ritzungen zugefügt, danach warf man es ins Feuer. Dabei nahm es zwar Schaden, verbrannte jedoch nicht. Ein Kastler Bürger rettete es aus den Flammen und versteckte es bei sich zu Hause im Kamin. Niklaß Kelbl, der Sohn des Bürgers, holte es um 1626, als die Oberpfalz wieder katholisch geworden war, aus dem Kamin und hängte es in der Stube auf. Kelbls Sohn Hans sodann schenkte es um 1650/1660 einem gewissen Johann Perger, der die vorangegangene Geschichte auf der Rückseite des Bildes festhielt. Der Verbleib des Bildes ist für die nächsten Jahre unbekannt, jedenfalls ist es in den Besitz des Amberger Spitalpfarrers Wolfgang Jacob Sedlmayr gelangt: Dieser übergab es nämlich 1695 den Jesuiten.


In Anspielung auf die Vorgeschichte bekam das Bild den Namen Maria, der in den Flammen unversehrte Dornbusch. Die Jesuiten stellten es auf dem Marienaltar auf und setzten es in einen größeren inhaltlichen Kontext, der von der Geschichte des Bildes berichtet und sie ausdeutet: Am Zugang zur Kapelle unterrichtet zunächst eine Inschriftentafel aus schwarzem Marmor ausführlich über die Herkunft des Bildes. Um 1730/40 wurde das Gemälde zudem in eine aufwendig gestaltete Tabernakelanlage eingefügt: Hier wird es umgeben von vier kleinen, auf Metall gemalten emblematischen Darstellungen mit lateinischen Beischriften, die die Geschichte des Gnadenbildes allegorisch ausdeuten.
Folgende Darstellungen erscheinen auf den Medaillons: der aus der Asche erstehende Phönix; der brennende Dornbusch; die Sonne über einer grünenden Landschaft; und ein Schmelzofen.
Der Phönix verbrennt bei seinem Tode, ersteht sodann aber ganz neu aus der Asche. Der Dornbusch, der brennt, aber nicht verbrennt, wird im Buch Exodus erwähnt: Er bezeichnet die Gegenwart Gottes, wurde späterhin aber auch als Vorausdeutung für die jungfräuliche Geburt verstanden; die Jesuiten wiederum bezogen es auf den misslungenen Versuch der Reformierten, das Marienbild mit Feuer zu zerstören. Die Sonne wird in ihrer Ambivalenz vorgestellt: Sie kann durch ihre Hitze Nutzen bringen und Schaden anrichten. Und im Schmelzofen kann unter Hitzeeinwirkung reineres Metall gewonnen werden. Alle vier Darstellungen haben den Bezug zu Hitze, Feuer und Brennen gemeinsam und spielen damit auf die Geschichte des Gnadenbildes an, das dem Feuer ausgesetzt war.
Man kann auch annehmen, dass die Amberger Jesuiten das Bild stellvertretend für den Katholizismus in der Oberen Pfalz inszenieren wollten: Wie dieser von Lutheranern und Reformierten unterdrückt worden war, aber nach der Rekatholisierung wieder den bestimmenden Einfluss erlangte, so ging auch jenes zwar mit Blessuren, aber umso glorreicher aus dem Bildersturm hervor.
Text: Dr. Daniel Rimsl, Redaktion: Jakob Schötz, Fotos: © Daniel Rimsl
(jas)
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