News Bild Regensburger stehen auf für Frieden und Solidarität: Gedenken vor dem Regensburger Dom

Regensburger stehen auf für Frieden und Solidarität: Gedenken vor dem Regensburger Dom

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Ein Zeichen für den Frieden und für die Opfer der Attentate von Paris, Beirut und anderswo setzten gestern Abend rund 500 Regensburger vor der Kathedrale St. Peter im Rahmen einer Gedenkveranstaltung. Der Dom war dazu, wie so viele Monumente in den vergangenen Tagen weltweit, in den Farben der französischen Flagge, der Tricolore, beleuchtet worden. Zu Beginn der Zusammenkunft schlug die tiefe Glocke von St. Peter, die Sterbeglocke, bevor mehrere Redner sich an die Versammelten richteten. Auf dem Vorplatz des Westportals bildeten alle Teilnehmer aus brennenden Kerzen das Friedenszeichen.

 

„Barbarei ist immer gottlos“

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs drückte seine Bewunderung für die kurzfristig einberufene Initiative aus. Sie sei ein starkes Signal, da sie von jungen Menschen organisiert wurde. Mitarbeiter der Universität Regensburg sowie die katholische und evangelische Studentengemeinde und CampusAsyl hatten das Treffen ins Leben gerufen. „Junge Menschen haben also das Verlangen, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen und damit ein starkes Signal der Solidarität zu senden“, so Wolbergs. In Regensburg stünden die Menschen zueinander und kümmerten sich um die, denen es nicht so gut gehe. Gleichzeitig betonte der Oberbürgermeister das gute Miteinander aller Religionsgemeinschaften in dieser Stadt: „Es gibt keine Brutalität und keinen Krieg, der im Namen eines Gottes geführt wird. Barbarei ist immer gottlos, egal in welcher Glaubensgemeinschaft“, so Joachim Wolbergs.

 

Mit den Waffen der Herzen die Gewalt besiegen

Dr. Hermann Eckl, Studentenpfarrer der Katholischen Hochschulgemeinde Regensburg, lud alle Anwesenden zu einer gemeinsamen Schweigeminute für die Opfer von Terror und Gewalt ein und betonte in seiner Ansprache, dass die menschliche Größe darin bestehe, mit Verschiedenheiten zu leben. Die Vielfalt unserer jeweiligen Überzeugungen und Lebensentwürfe müssten, so Dr. Eckl, als eine Bereicherung verstanden werden: „Wir können miteinander feiern und das Leben in seiner Großartigkeit und Schönheit teilen. Jeder und jede von uns ist ein erlesener Schatz. Alle Menschen, gleich welcher Herkunft, welcher Sprache oder Nation, gleich welcher Weltanschauung und Religion: Alle sollen gemeinsam die ihnen anvertraute Erde menschlich und solidarisch gestalten. Das ist es, was uns MENSCHEN sein lässt“.

Es sei nicht zu begreifen, warum verblendete Fanatiker eben dies nicht vertragen könnten: Dass wir Menschen sind, die sich über alle Grenzen hinweg die Hände reichen: „Aber wir werden nicht weichen. Wir werden weiter in Wort und Tat für diese universale Verbundenheit aller Menschen in Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit einstehen. Wir stehen als eine Menschheitsfamilie zusammen und verteidigen unsere Welt gegen Hass und Gewalt. Nicht mit neuem Hass, nicht mit Waffen, sondern mit jenen Waffen, die scheinbar so schwach sind, die aber doch allein geeignet sind, uns eine Zukunft zu geben.

Toleranz und Offenheit, Mitmenschlichkeit, Gerechtigkeit und Bereitschaft zur Versöhnung“, so das Appell von Studentenpfarrer Eckl, der gleichzeitig aber auch darauf hinwies, dass es die Würde der Opfer verbiete, ihr Leid zu instrumentalisieren für populistische und fremdenfeindliche Zwecke. Denn das hieße, unsere Gesellschaft zu spalten und das Geschäft derer zu betreiben, die das freiheitliche Zusammenleben aller zerstören wollten.

 

„Gestern war der Tag der Tränen. Gestern war der Tag des Trauerns um unsere Toten. Heute ist der Tag des Engagements, solidarisch zu sein für unsere europäischen Werte: Liberté, égalité, fraternité (Anm. d. Red.: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit). Wir haben keine Angst!“, erklärte die Präsidentin der Deutsch-Französischen Gesellschaft Regensburg, Catherine Hummel-Mitrécé, die spontan und unter Tränen die französische Nationalhymne, die Marseillaise, anstimmte und zahlreiche textsichere Regensburger zum Mitsingen motivierte.

 

Das Ziel: Unsere Herzen zusammenführen

Dr. Yavuz Sahin lebt in Regensburg und ist engagierter Moslem: „Wir wehren uns gegen die Vereinnahmung unserer Religion durch Terroristen. Terror kann keine Religion haben. Terror ist Keimzelle von Zerstörung und Vernichtung, von Hass und Zwietracht in der Gesellschaft. Frankreich ist gar nicht so weit von uns entfernt. Die Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung besteht auch hier bei uns. Die menschenverachtenden Anschläge haben genau dies zum Ziel. Deshalb sind wir heute Abend hier. Wir müssen nach vorne schauen und uns auch auf unsere Gemeinsamkeiten und Verbundenheit konzentrieren. Unser Ziel muss sein, unsere Herzen zusammenzuführen“, erklärte der Arzt aus Regensburg.

Im Anschluss an die Veranstaltung zogen zahlreiche Besucher in die nahegelegene evangelische Neupfarrkirche, um am montäglichen ökumenischen Friedensgebet mitzuwirken.