News Bild Prozessionskreuz der Jugend zum Einzug der Ministranten

Prozessionskreuz der Jugend zum Einzug der Ministranten

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(pdr) Zum Ein- und Auszug des Heiligen Vaters zur Eucharisitefeier auf dem Islinger Feld wird das Prozessionskreuz des Doms St. Peter vorangetragen. Auf der Altarinsel steht bereits vor Beginn der Heiligen Messe das Kreuz aus der Schottenkirche. Das Prozessionskreuz der Jugend in der Diözese Regensburg, das der Bildhauer Alfred Böschl aus Adlhausen bei Kelheim im Auftrag einer Kommission des Bischöflichen Jugendamtes geschaffen hat, wird den drei Einzügen der Ministranten vor Beginn der Messe vorausgetragen. Die Einzüge sind um 5, 6 und 7 Uhr geplant. Durch die eingefügte Darstellung eines Herzens macht das Kreuz der Jugend in besonderer Weise auf den Zusammenhang zwischen dem Zeichen des Kreuzes und der Liebe aufmerksam. Bei rund 50 Veranstaltungen in der Zeit von Ostersonntag bis in den August, an denen rund 15.000 Jugendliche teilnahmen, war dieses Zeichen der Liebe Christi zugegen. Das teilte Jugendpfarrer und Domvikar Thomas Pinzer mit. Es ist geplant, dass Benedikt XVI. im Rahmen seines Aufenthalts in Regensburg eine Widmung auf das Herz aus vergoldetem Messing schreibt, teilte Pinzer weiter mit. Er erinnerte daran, dass Johannes Paul II., Benedikts Vorgänger im Papstamt, den Jugendlichen sagte: „Ihr seid Baumeister einer Zivilisation der Liebe und der Gerechtigkeit.“

Abt Thomas M. Freihart OSB aus dem Kloster Weltenburg hat eine Meditation über das Prozessionskreuz der Jugend verfasst, die im folgenden wiedergegeben wird:

„Deus Caritas est - Gott ist die Liebe“, das Thema der ersten Enzyklika des Papstes, war die Zielvorgabe, die künstlerisch im Zeichen umgesetzt werden sollte. Das lang erwartete päpstliche Rundschreiben war kurz zuvor veröffentlicht worden. Es holt thematisch weit aus und erhält eine Fülle philosophischer und theologischer Gedanken. Ein Zeichen braucht aber Eindeutigkeit und Prägnanz. Das Werden eines Zeichen unter Hand des Künstlers geschieht in der Konzentration auf den Kern und in der Reduktion auf das Wesentliche. Von da aus können sich dem Betrachter, in diesem Fall auch dem Beter und dem Mitfeiernden der Liturgie, verschiedene Zugänge eröffnen und in ihm persönliche Gedankenverbindungen wecken.

Das Symbol des Kreuzes erwächst aus einem Schaft aus Silber, der den Stab des Vortragskreuzes bildet. Der Künstler Alfred Böschl fügte zwei runde Scheiden aus transparentem Acrylglas zusammen. Durch verschiedene Schleiftechniken und daraus resultierende Lichtpunkte auf ihrer Innenseite wirken die Scheiben in 3-D-Optik. In diesen sind in der Innenseite die Längen- und Breitengrade der Weltkugel angedeutet. Es wird also der gesamte Kosmos mit seinem immerwiederkehrenden Kreislauf symbolisiert. Die Transparenz der Scheiben macht deutlich, dass die Welt nicht in sich geschlossen, nicht abgeschlossen ist. Sie lässt weiterblicken und durchblicken. Die Kosmos ist nicht nur leblose Materie mit seinen Gesetzen. Der Blick fällt auf ein goldenes Herz. Der Künstler hat zwischen die Scheiben dieses Symbol aus vergoldetem Messing eingefügt. Hinter dem Kosmos steht ein Herz, ein Wille, der unsere Welt gewollt und in das Dasein gerufen hat. Sie ist nicht ein Produkt des Zufalls oder irgendeiner materialistischen Notwendigkeit. Dieser Wille ist Liebe, symbolisiert im Herzen. Die Welt hat einen Schöpfer.

Gebrochene Schöpfung
Die Schöpfung ist aber nicht mehr so, wie Gott sie sich gedacht hatte. Der Mensch, die Krone der Schöpfung, mit freiem Willen ausgestattet, hat zu seinem Schöpfer nein gesagt und nicht mehr dem ursprünglichen Plan entsprochen. Die ersten Seiten der Bibel erzählen in der Pardiesgeschichte von diesem Nein der ersten Menschen, Adam und Eva. Sie wollten selbst sein wie Gott und auf Gut und Böse erkennen. Seit dem ist die Welt nicht mehr das Paradies. Der Mensch ist daraus vertrieben. Die Schöpfung ist gefallen durch dieses Nein, das ihn von seinem Schöpfer trennt und absondert. Diese Absonderung bedeutet dann Sünde. Es gab einen Bruch zwischen dem Geschöpf und seinem Schöpfer. Damit ist die gesamte Welt beschädigt und gebrochen, wie es jeder Mensch in seinem Leben immer wieder schmerzlich und leidvoll erfährt.

Kreuz – Weltachse
Die Welt ist sich meist schnell darin einig, daß wir Menschen irgendwie erlösungsbedürftig sind. Aber nur das Christentum wagt zu behaupten, daß das Heil aus einem Leiden und Sterben zukommen soll. Dafür steht das Kreuz. Es ist im Zentrum der Weltkugel des Prozessionskreuzes aufgerichtet. Es streckt sich gleichsam in die vier Himmelsrichtungen aus und will die Welt umspannen. Das neue Regensburger Kreuz erinnert an eine mittelalterliche Kreuzesform, das sog. Scheibenkreuz. Im Domschatz von Hildesheim und im Benediktinerstift Kremsmünster/Österreich haben sich einige Exemplare erhalten. Bei der Kreuzausstellung 2005 im Freisinger Dommuseum wurden sie gezeigt. Diese Scheibenkreuze waren ursprünglich auf Tragstangen montiert und wurden bei Prozessionen verwendet. Ihre Form wird von Fächern abgeleitet, wie sie im orientalischen Hofzeremoniell und als Metallflabella in der byzantinischen Liturgie verwendet wurden. Einem Kreis ist ein gleichschenkliges Kreuz eingeschrieben. Es erscheint als Weltachse, die das All umfasst und hält, wie es Justin der Martyrer um 150 zum ersten Mal formuliert hat. (vgl. Ausstellungskatalog Freising S. 225) Kardinal Ratzinger schrieb dazu in seinem Werk "Der Geist der Liturgie": Das Kreuz von Golgotha ist vorausgebildet in der Struktur des Kosmos selbst; das Marterwerkzeug, an dem der Herr starb, ist in die Struktur des Alls eingeschrieben. Der Kosmos spricht uns vom Kreuz, und das Kreuz enträtselt uns den Kosmos. Es ist der eigentliche Schlüssel aller Wirklichkeit." (S. 156)

Sterben zum Heil für die Menschen
Zunächst muss aber gesagt sein: Das Kreuz war in der Antike einem Galgen vergleichbar, Es diente als Marterwerkzeug für eine der grausamsten Arten der Hinrichtung.

Es stellt sich nun die Frage: Was soll an einem Sterben besonderes sein? Es sind viele, die für eine angeblich bessere Zukunft gestorben sind und sogar geopfert wurden. Darum ist es wichtig, festzuhalten, die Passion Jesu ist mehr als ein Martyrium, sie ist mehr als das Sterben eines Unschuldigen. Dieses Leiden ist erlösend, nicht durch die dabei erlittenen Qualen, sondern durch den, der hier leidet und wie er leidet. Der Mensch gewordene Gott fällt in die Hände von Henkern, die ihn quälen und umbringen. Jesus geht bewusst in das Leiden und Sterben hinein. Sein Beten in der Nacht des Ölbergs zeigt es. Gottes Wille steht über dem Geschehen, das Jesus auf sich zukommen sieht. Er nimmt diesen Willen ausdrücklich an: "Vater, wenn es möglich ist, laß diesen Kelch an mir vorübergehen, aber nicht mein Wille geschehe, sondern der deine."
ER macht seine Schmerzen und sein Sterben zum Zeichen der Hingabe. Sie sollen seinen Willen tragen, der heißt: Alle menschlichen Regungen, alles, was sein Menschsein ausmacht, verbindet er mit Gott. Diese vertikale Richtung auf Gott zu ist entscheidend. "Wenn ich für dich schon nichts mehr tun kann, dann will ich das Leiden und das Sterben noch als Akt der Hingabe verstehen." In der Hingabe an den Vater wird sein Sterben zum Heil für die Menschen. JESUS steht stellvertretend vor dem Vater. So lebte einer der Menschen konsequent seine Liebe zu Gott, bis zum äußersten. Dadurch gelangen die Menschen in eine höhere Form zu leben. Das Evangelium nennt es Heil und Erlösung. Papst Benedikt XVI. deutet das erlösende Sterben Christi am Kreuz in seiner ersten Enzyklika „Deus Caritas est" so: In seinem Tod am Kreuz vollzieht sich jene Wende Gottes gegen sich selbst, in der er sich verschenkt, um den Menschen wieder aufzuheben und zu retten – Liebe in ihrer radikalsten Form. Der Blick auf die durchbohrte Seite Jesu, von dem Johannes spricht (vgl. 19,37), begreift, was Ausgangspunkt dieses Schreibens war: "Gott ist die Liebe"(1 Joh 4,8). Dort kann diese Wahrheit angeschaut werden." (Nr. 12) Der Künstler hat diese Kernaussage der Enzyklika anschaulich gemacht durch das goldene Herz, das den Hintergrund des Kreuzes, das das Zentrum bildet. Davor werden die Umrisse des Gekreuzigten sichtbar, der in feinen Linien dargestellt ist. Es will den Blick des Betrachters fangen gemäß dem Wort aus dem Johannes-Evangelium, das die Passion Jesu abschließt: "Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben."(Joh 19,37) Die Not und Bosheit der Welt wird geheilt und überwunden: nicht in erster Linie durch ein grausames Leiden, sondern durch die Kraft einer Liebe, die stärker ist als all das Schlimme, das ihm angetan wird. Der gekreuzigte Herr begegnet der Gewalt nicht mit Gegengewalt. Er besiegt vielmehr die Macht des Bösen durch die Kraft seiner Liebe, einer Liebe, die sich auch durch äußerste Bosheit und Not nicht besiegen lässt.
Österlicher Sieg
Dieser Sieg strahlt auf in der Auferstehung des Herrn am Ostertag. Vor allem die Kunst der Kunst der Romanik hat diesen Sieger, der durch den Tod hindurch gegangen ist und ihn überwunden hat, dargestellt. Sie zeigt ihn aufrecht stehend am Kreuz mit offenen Augen und mit einer Königskrone auf dem Haupt. An diese Bildtradition knüpft auch das Regensburger Vortragskreuz an. Die Gestalt Christi am Kreuz ist nicht als der Leidende, sondern als der Auferstandene zu sehen. Das unterstreicht nicht zuletzt der goldene Hintergrund des Herzens. "Das Bekenntnis zur Auferstehung Jesu Christi ist für den Christen der Ausdruck der Gewißheit, daß das Wort wahr ist, das nur ein schöner Traum zu sein scheint: "Stark wie der Tod ist die Liebe"(Joseph Ratzinger, Einführung in das Christentum, S. 221). Gerade die Sonne des Ostermorgens taucht die Welt noch einmal in ein neues Licht. Es schenkt ihr eine neue Transparenz, die in der Hoffnung über die dunkle Grenze des Todes hinausschauen lässt. Gott hat gesiegt. Die Liebe hat gesiegt. Das Leben hat gesiegt. Es hat sich gezeigt, daß die Liebe stärker ist als der Tod. Gott gehört die wahre Macht, und seine Macht ist Güte und Liebe.
Kreuz – das Zeichen am Himmel am Ende der Zeiten
„Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben.“ Mit diesen Worten aus dem Alten Testament schließt der Evangelist Johannes seine Darstellung der Passion des Herrn ab. Ebenso eröffnet er mit dem gleichen Prophetenwort die Christusvision im letzten Buch der Bibel, die wir "Geheime Offenbarung" zu nennen pflegen. Zwischen der zweimaligen Anführung dieses Schriftzitates aus dem Alten Bund liegt die ganze Geschichte ausgespannt: zwischen Kreuzigung und Wiederkunft des Herrn. In diesem Wort ist einerseits die Rede von der Erniedrigung dessen, der wie ein Verbrecher am Galgen starb, andererseits von der Macht dessen, der kommen wird, die Welt zu richten. Er wird unser aller Richter sein. (vgl. Joseph Ratzinger, Meditationen zur Karwoche, S. 5).
Der Blick auf das Kreuz lässt also die Zeitdimension der Zukunft aufscheinen. Im Evangelium hat Christus angekündigt, am Ende der Zeiten werde "das Zeichen des Menschensohnes am Himmel erscheinen"(Mt 24,30). Das Kreuz als Siegeszeichen führt gleichsam den Zug Christi bei seiner Wiederkunft an. Darum sind die frühesten Kreuzdarstellungen sog. Gemmenkreuze, also mit Edelsteinen besetzt Kreuze. Auch an diese Bildtradition knüpft das Regensburger Prozessionskreuz an. Unmittelbar unter der Scheibe des Kreuzes hat der Künstler Alfred Böschl am Schaft in zwei Reihen übereinander 12 Edelsteine angebracht. Gemäß den Angaben in der Heiligen Schrift, Offenbarung des Johannes 21, 19-20, sind dies Jaspis, Saphir, Chalzedon, Smaragd, Sardonyx, Sardion, Chrysolith, Beryll, Topas, Chrysopras, Hyazinth und Amethyst.
Sie verweisen auf das himmlische Jerusalem, deren Grundsteine mit eben diesen edlen Steinen geschmückt sind, also auf die Vollendung der Welt am Ende der Zeiten durch den wiederkommenden Christus.
So wird dieses Prozessionskreuz immer mit dem Papstbesuch in Regensburg verbunden bleiben und daran erinnern. Vielleicht lässt es sich nach dem Gottesdienst verwirklichen, dass der Künstler die beiden Scheiben des Kreuzes öffnet und Papst Benedikt XVI. in das goldene Herz eine persönliche Widmung schreibt und so in diesem Kunstwerk sichtbar eine geistliche Botschaft hinterlässt.