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Zur Neuigkeit
Prof. Kreiml über das Buch zum Domjubiläum
Gottes Gegenwart erfahren
Regensburg, 7. August 2026
In diesem Jahr feiert das Bistum Regensburg „750 Jahre gotischer Dom St. Peter in Regensburg“. Der Dom ist die Herzmitte des Bistums. Als Tag der Weihe des ersten Altares des gotischen Domes gilt der 30. Juni 1276. Aus diesem Anlass hat Domvikar und Künstlerseelsorger Werner Schrüfer ein bemerkenswertes Buch herausgegeben (W. Schrüfer [Hg.], Mehr als Stein und Glas. Geschichte(n) rund um den Regensburger Dom, 352 Seiten, mit 134 zum Teil farbigen Abbildungen, Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2026).
Das Buch zum Domjubiläum richtet den Blick auf prägende Ereignisse in der Geschichte dieser von der französischen Gotik beeinflussten Kathedrale, lässt aber auch ganz persönliche Zugänge, künstlerische Miniaturen und menschliche Erfahrungen mit dem Dom aufleuchten. – In seinem Geleitwort weist Dompropst Franz Frühmorgen darauf hin, dass der Regensburger Dom nicht allein als kunsthistorisches Denkmal und als architektonische Meisterleistung zu sehen ist, sondern als ein lebendiger Ort, an dem „Geschichte sich verdichtet, Menschen zusammenkommen, miteinander beten und Gottes Gegenwart erfahren“. Der vorliegende Band mit seinen vierzig Beiträgen versammelt eine bunte Vielfalt von Stimmen, Perspektiven und Erzählungen. Kunsthistoriker, Schriftstellerinnen, Theologen und Archivare, Journalisten und Handwerker kommen zu Wort und spannen einen Bogen von der Baugeschichte des 13. Jahrhunderts bis in die unmittelbare Gegenwart, von der mittelalterlichen Steinmetzkunde bis zur großen Domorgel und zum Besuch Papst Benedikts XVI. Der Dom ist „kein abstraktes Weltkulturerbe. Er will Menschen bergen mit ihrem Glauben, ihrem Hoffen und ihren Fragen.“
Wofür der Dom geschaffen wurde
Wenn die Stimmen der Domspatzen – so Hüttenmeister Matthias Baumüller, der Leiter der Staatlichen Dombauhütte Regensburg, – „in die Gewölbe steigen, spürt man, wofür der Dom geschaffen wurde.“ Der Dom „wird uns alle überdauern. Eine Zeit lang für ihn sorgen zu dürfen, ist ein Privileg.“ Diese Kathedrale ist – so Baumüller – religiöses Zentrum, historisches Wahrzeichen, Arbeitsstätte und emotionaler Bezugspunkt zugleich. Für viele Menschen markiert sie „unvergessliche Stationen ihres Lebens“. Der Dom ist Gedächtnis, Klang, Raum und Symbol.
Von Gott umfangen
Die Kunsthistorikerin Susanne Biber erschließt das Hauptportal des Domes. Einflüsse aus Frankreich, Böhmen, Schweden und Italien sind am Dombau stilistisch und inhaltlich abzulesen. Ursprünglich scheint eine reine Marienthematik für das westliche Hauptportal, um 1385-1420, geplant gewesen zu sein, bis ca. 1410 die Vorhalle mit den Aposteln hinzugefügt wurde. Der Freipfeiler öffnet den Raum für die Vorhalle, die mit ihrem Dreiecksgrundriss ein Hinweis auf das dritte Patrozinium des Domes ist: die Heilige Dreifaltigkeit. So wird der Eintretende nicht nur durch alle Patrone, den Hauptpatron Petrus und die zweite Patronin Maria mit der Dreifaltigkeit im Giebelfeld durch sichtbare Skulpturen empfangen, sondern von der göttlichen Dreifaltigkeit auch räumlich umfangen. Die obere Zone ist allein Maria gewidmet (um 1400) mit insgesamt 26 Szenen aus ihrem Leben. Ein weiteres ikonographisch neues Motiv, das besondere Aufmerksamkeit verdient, ist die Geburt Jesu. Am Hauptportal des Domes liegt Jesus in keiner Krippe, sondern ist vertikal in einer ovalen Mandorla von einem Lichtstrahlenkranz umgeben. Die literarische Vorlage dazu stammt von der hl. Birgitta von Schweden.
Himmelstürmende Gotik
Bernhard Lübbers, der Direktor der Staatlichen Bibliothek Regensburg, informiert über den „Regensburger Dom im Spiegel der Reiseführer“: Bereits 1772 hat Goethe das Straßburger Münster mit einem Hymnus gepriesen – eine entscheidende Station auf dem Weg zur Wiederentdeckung der Gotik. In seiner 1791 veröffentlichten Reisebeschreibung charakterisiert der protestantische Theologe Johann Michael Füssel den Regensburger Dom als „immer bleibende Ehrfurcht einflößendes Gebäude“. Im 1842 erschienenen Reiseführer von Karl Baedeker wird die Regensburger Kathedrale, die zwischen „1275 und 1634“ errichtet worden sei, als „Meisterwerk deutscher Baukunst“ bezeichnet. Der „Baedeker“ von 2025 (16. Auflage) verweist unter der Überschrift „Himmelstürmende Gotik“ darauf, dass es sich beim Regensburger Dom um das „Hauptwerk gotischer Baukunst in Bayern“ handelt.
Maria und Elisabeth
Der Schriftsteller Harald Grill widmete dem Regensburger Dom einen eigenen Gedichtband: „nachricht vom lachenden engel“ (veröffentlicht 2000). Eines seiner Gedichte („Mariä Heimsuchung“) hat Grill einer bedeutenden Figurengruppe im Dom, der sog. „Heimsuchungsgruppe“, gewidmet, die seit 1924 zum Schutz vor weiterer Verwitterung im Erdgeschoss des Nordturms steht. Der künstlerische Reiz dieses hochrangigen Bildwerks ist ungebrochen und die intime Vertraulichkeit in der Begegnung der beiden Frauen Maria und Elisabeth erscheint auf höchst anrührende Weise ins Bild gesetzt. Im Gespräch mit dem Herausgeber des Bandes, Werner Schrüfer, erklärt Harald Grill, wie es zu diesem Gedicht kam: „Die Skulptur war ja ursprünglich draußen. … Sie haben draußen ihr Gesicht verloren durch den Regen. Das ist ja eigentlich die Geschichte der modernen Kunst, von der realistischen Darstellung zur Abstraktion“.
Der Papst im Dom
Der Journalist Karl Birkenseer, ehemaliger Domspatz, erinnert an die Ökumenische Vesper mit Papst Benedikt XVI. im Regensburger Dom: Die orthodoxen Kirchen waren mit 26 Geistlichen vertreten; die Evangelisch-lutherische Kirche in Bayern hatte 19 Vertreter geschickt. Die älteren Brüder jüdischen Glaubens machten die ökumenische Begegnung zu einem interkonfessionellen Treffen. Die Vesper als liturgisches Abendlob geht auf jüdische Traditionen zurück. Wegen der Fülle ihrer Bestandteile eignet sie sich besonders für das gemeinsame ökumenische Beten. In seiner Predigt bei dieser Vesper sagte Benedikt XVI., der erste Papst im gotischen Regensburger Dom: „Dies ist die Stunde der Dankbarkeit dafür, dass wir so miteinander beten dürfen und aus der Zuwendung zum Herrn zugleich miteinander eins werden.“
Der vorliegende Band enthält eine Fülle herausragender und höchst informativer Beiträge. Hier konnte nur auf wenige Artikel Bezug genommen werden. Wer sich in die religiöse Botschaft und die historische Bedeutung der Regensburger Kathedrale vertiefen möchte, findet in diesem Werk erhellende Hinführungen, auch persönlich gefärbte Zeugnisse.
Text: Domkapitular Prof. Dr. Josef Kreiml, Leiter der Hauptabteilung Orden und Geistliche Gemeinschaften im Bistum Regensburg
(kw)
Weitere Infos
Das Buch „Mehr als Stein und Glas. Geschichte(n) rund um den Regensburger Dom“ ist im Verlag Friedrich Pustet erschienen.



