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Podiumsdiskussion des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Regensburg

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(pdr) Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe des Diözesankomitees der Katholiken im Bistum Regensburg zum Thema „Ehe und Familie“ hat am vergangenen Freitag eine Podiumsdiskussion im Diözesanzentrum Obermünster stattgefunden, um über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu diskutieren. Auf dem Podium konnte der Vorsitzende des Diözesankomitees und Moderator des Abends, Philipp Graf von und zu Lerchenfeld, Vertreter von Arbeitgebern und Arbeitnehmern begrüßen. Während seiner einführenden Worte betonte der Vorsitzende, dass gerade dieses Thema in der öffentlichen Diskussion wichtig sei, da die Ausgaben für Sozialhilfe, Jugend und Familienbetreuung immer weiter anstiegen.

In einem ersten Statement berichtete die Podiumsteilnehmerin Ernie Egerer, Besitzerin eines mittelständischen Getränkeabfüllbetriebs, über für sie selbstverständliche Maßnahmen in ihrem Betrieb, die die Interessen der Familien stützten und förderten. Dies zeige sich z. B. auch in der Personalführung, aber auch an anderen Aktionen, wie z. B. dass Kinder den Arbeitsplatz der Eltern besuchen könnten. Es sei auch im Interesse des Betriebs menschlich miteinander umzugehen.

Anneliese Heitzer, Organisationssekretärin des DGB, betonte in ihrem Statement, dass zwar die Familienfreundlichkeit oft in den Firmenspitzen vorhanden sei, diese aber nicht bis in die mittlere Ebene vordringe. Wichtig seien v. a. familiengerechte Arbeitszeiten, Möglichkeiten für Kinderbetreuung, gesicherte Einkommensentwicklung und bedarfsgerechte Pflegedienstleistungen. Gerade diese nehme in den kommenden Jahren immer mehr zu. Ziel sei eine Wahlfreiheit zwischen Beruf und Familie, ohne dass durch den Staat ein bestimmtes Modell bevorzugt würde. Aus familiären Gründen sei sie auch gegen eine Ausweitung der Sonntagsarbeit.

Birgit Bauer-Groitl, geschäftsführende Gesellschafterin eines Kunststoff verarbeitenden Betriebs, berichtete in ihrer Stellungnahme, dass sie in ihrem Familienbetrieb bereits die Mutter als Vorbild gehabt hätte, einen familienorientierten Lebenslauf mit der Betriebsführung zu vereinbaren. Für sie sei wichtig, dass man auf die familienspezifischen Herausforderungen flexibel reagiere (z. B. bei Vater-/Mutterschaft, Pflege von Angehörigen). Die Förderung von sozialem Engagement (z. B. bei Feuerwehreinsätzen während der Arbeitszeit) sei für sie selbstverständlich. Für sie sei es ein gegenseitiges Geben und Nehmen, so dass bei einem wirtschaftlichen Erfolg sowohl Betrieb als auch Arbeitnehmer einen Nutzen daraus zögen.

Inge Ritz-Mürtz, Notarin, vertrat den Bund katholischer Unternehmer (BkU). Für sie habe die Förderung von Familien vier Säulen. Zum einen sei es die Politik, die sich für mehr qualifizierte Betreuung einsetzen müsste und für eine Bündelung der staatlichen Maßnahmen eintreten müsste. Zum anderen sei eine Unternehmenskultur wichtig, in der auch die Unternehmensleitungen Vorbild seien und sich zu Familie bekennen, da eine familienfreundliche Unternehmenspolitik auch ökonomisch sinnvoll sei. Gleichzeitig müsse man von der Jugendzentriertheit abkehren. Bei Kleinbetrieben seien familienfreundliche Maßnahmen oft selbstverständlich, ohne dass dies bewusst sei. Die dritte Säule sei die Gesellschaft, die Mut machen müsse, sich der Herausforderung zu stellen. Schließlich habe aber auch jeder einzelne Verantwortung, Familie in allen Bereichen Wertschätzung zu zeigen.

Werner Zierer, Betriebsratsvorsitzender des BMW-Werkes Regensburg, legte in seinem Statement großen Wert auf die Feststellung, dass v. a. sichere Arbeit familiengerechte Arbeit sei. Wenn diese zeitlich befristet sei, dann setze man sich nicht mit der Familiengründung auseinander. Aber auch das Umfeld müsse man familienfreundlicher gestalten, z. B. durch flexiblere Arbeitszeitmodelle oder Betriebskrabbelgruppen. Diesen Maßnahmen stünden aber der starke internationale Wettbewerb, die geforderte Mobilität sowie die Schichtarbeit dagegen. In Zukunft müsse man aber noch weiter umdenken, da durch die geänderte Demographie bald ein Facharbeiter und Ingenieurmangel herrschen werde. Unternehmen würden deshalb familiengerechte Arbeitsverhältnisse nur aus ökonomischen Zwang verstärkt anbieten.

Bei der anschließenden Diskussion kristallisierte sich heraus, dass viele gesellschaftliche Werte bei den Kindern nicht mehr ankommen würden. Wichtig sei deshalb ein soziales Lernen, das bereits in der Familie beginne. Auch würden in Zukunft familienfreundliche Betriebe einen Wettbewerbsvorteil haben, da sie leichter Stellen besetzen könnten. Einig war man sich auch, dass das Grundübel das mangelnde Vertrauen sei, dass Kinder schon von klein auf erfahren hätten und jetzt weiter mit sich tragen, wie z. B. die hohe Scheidungsrate oder die geforderte räumliche Mobilität. Dieses Misstrauen hemme die Motivation für die Familiengründung. Wichtig sei auch eine breite Diskussion in der Gesellschaft, in der der Wert der Familie sowie der Familienarbeit anerkannt werde. Aber auch in den Unternehmen, v. a. aber in der mittleren Führungsschiene, müsse ein Umdenken erfolgen. Kleinere Unternehmen seien hier von Vorteil, das Unternehmensleitung und mittlere Ebene vereint seien. Insgesamt sei eine Bewusstseinsänderung nötig, um ein besseres Verständnis und mehr Geduld für Familie aufzubringen.

In seinem abschließendem Wort betonte Graf Lerchenfeld, dass sich alle Gedanken machen müssten, wie man familienfreundlicher sein könne. Jeder müsse an seinem gesellschaftlichen Ort entscheiden, wie der Familie ein höherer Stellenwert zuerkannt werden könne.