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Pilgerfahrt wegen Weltuntergang

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Termine für ein mögliches Ende der Welt gab es schon viele. Auch heute am Fest Verkündigung des Herrn vor 950 Jahren hätte die Welt untergehen sollen. Deshalb unternahmen vier Bischöfe eine Pilgerwallfahrt ins Heilige Land, darunter der Regensburger Bischof Otto von Riedenburg. Eine Reise, die es in sich hatte:


Wallfahrt nach Jerusalem 1064/65

Vor 950 Jahren fiel das Fest Mariä Verkündigung am 25. März mit dem Ostersonntag zusammen, was damals als ein Zeichen für einen möglichen Weltuntergang gesehen wurde.
Der Regensburger Bischof Otto von Riedenburg und seine Mitbrüder Bischof Günther von Bamberg, Erzbischof Sigfried von Mainz und Bischof Wilhelm von Utrecht rüsteten sich aus diesem Grunde zu einer großen Pilgerfahrt nach Palästina. 7000 Mann hatten sich dem Zug angeschlossen, der nach dem Martinsfest im November 1064 aufbrach.
Der Pilgerzug muss aber eher einem festlichen Heerhaufen mit allerlei kostbaren Gegenständen wie goldenen und silbernen Gefäßen, reich geschmückten Pferdedecken etc. geglichen haben. Dies erregte im Heiligen Land offenbar die Beutelist der Araber, wie es in den zeitgenössischen Quellen heißt.


Angriff durch räuberische Beduinen

Am Karfreitag wurden die Pilger in der Gegend von Ramleh von räuberischen Beduinen angegriffen und in einen harten Kampf verwickelt, der sie veranlasste, sich in ein altes, verlassenes  Kastell zurückzuziehen. Die Angreifer versuchten die Christen auszuhungern. Doch diese wollten am Ostersonntag bereits in Jerusalem sein, so dass man sich auf Verhandlungen mit den Belagerern am Vormittag des Osterfestes einließ. Der Anführer, ein Scheich, der es angeblich nur auf das Besitztum der Pilger abgesehen hatte, kam mit 17 Begleitern in die Festung. Er wollte aber auch das süße Blut des Bamberger Bischofs Günther trinken, was letzterer mit einem kräftigen Faustschlag gegen den Scheich beantwortete.
Die erschreckten Beduinen wurden sodann überwältigt und auf den Zinnen unter Androhung des Kopfabschlagens den Belagernden präsentiert. In der Zwischenzeit konnte ein Teil der aus dem Kampf geflüchteten Pilger den Kommandaten von Ramleh zum Entsatz der Eingeschlossenen gewinnen. Die Beduinen flüchteten beim Anblick der Krieger, und die im Kastell befindlichen Christen konnten befreit werden.


Jerusalem am Ostertag erreicht

Der Scheich wurde als gefürchteter Räuberhäuptling erkannt und bestraft. Voller Freude – heißt es beim Chronisten – wären die Pilger am Abend des Ostertages erschöpft aber glücklich in Jerusalem unter Führung des Kommandaten von Ramleh angekommen. Da die Welt an diesem Tage nicht untergegangen ist, kehrten die Pilger im Frühjahr 1065 wieder in die Heimat zurück. Bischof Günther starb leider auf dem Rückweg am 23. Juli im ungarischen Ödenburg/Sopron. Die anderen drei Bischöfe erreichten ihre Bischofssitze wieder wohlbehalten. Von den 7000 Mann sahen allerdings nur mehr 2000 ihre Heimat wieder. Auf diese nur unter unsäglichen Beschwerden durchgeführte Pilgerfahrt folgte dann 1096 der erste Kreuzzug zur Befreiung des Heiligen Landes.

Hermann Reidel

Literatur: Ferdinand Janner, Geschichte der Bischöfe von Regensburg, Regensburg 1883, S. 549-552