Asiatischer Junge auf einem Berg von Müll.

Papst Leo bittet um Gebet

„Reichtum recht gebrauchen“


Vatikan, 5. November 2026

Gläubige sind dazu aufgerufen, Geld, Zeit, Talente und Möglichkeiten freigiebig mit anderen zu teilen und diese Gaben als „Werkzeuge der Geschwisterlichkeit“ einzusetzen. Daran hat Papst Leo XIV. in seiner aktuellen Gebetsmeinung erinnert. Er bittet im November um Gebet „für den rechten Gebrauch des Reichtums“. 

„Nichts gehört uns allein, alles ist eine gemeinsame Gabe“, so der Papst in der Gebetsmeinung, die an diesem Dienstag als Gebet und als Video veröffentlicht wurde. Ersehnter oder schon erlangter Reichtum drohe das Herz zu verhärten und führe dazu, die Armen zu vergessen. Jesus hingegen erinnere daran, „dass der wahre Reichtum nicht in dem liegt, was wir behalten, sondern in dem, was wir aus Liebe verschenken“. Ein freies Herz „verwandelt die Welt“ und lasse erkennen, „dass jedes Gut ein gemeinsames Gut ist, denn nur wenn wir miteinander teilen, können wir die Zukunft gestalten“, heißt es in der Gebetsmeinung von Leo XIV.

Reichtum und Armut nehmen beide zu

Aktuelle Daten zeigen, dass auf der Welt sowohl Reichtum als auch Armut zunehmen, so das weltweite Gebetsnetzwerk des Papstes in der Aussendung, die den Text des Gebets verbreitete. Laut dem „Allianz Global Wealth Report 2026“ erreichte das Geldvermögen der privaten Haushalte 2025 einen Rekordwert von rund 268 Billionen Euro, ein Anstieg um 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings besitzt die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung so gut wie nichts.

Gleichzeitig wächst die Zahl der Menschen mit dem größten Vermögen weiter. Laut dem „UBS Global Wealth Report 2026“ kamen 2025 fast eine Million neue US-Dollar-Millionäre hinzu – das sind mehr als 2.600 pro Tag. Zudem hat sich seit 2020 der Durchschnittsreichtum immer weiter vom Medianvermögen entfernt, also von dem Vermögen, über das eine „typische“ Person verfügt. Die Vermögenszuwächse sind demnach ungleich verteilt: Das Vermögen der Reichsten wächst schneller als das einer durchschnittlichen Person.

Botschaft von Leo XIV. zum 10. Welttag der Armen

Vor diesem Paradox hatte Papst Leo XIV. schon in seinem ersten apostolischen Schreiben „Dilexi te“ gewarnt, das am 4. Oktober 2025, dem Gedenktag des heiligen Franz von Assisi, erschien: In einer Welt, in der die Zahl der Armen stetig zunimmt, so der Papst, wachse zugleich eine „reiche Elite, die in einer Blase aus Komfort und Luxus lebt“. Er warnt davor, dass dies eine „Wegwerfkultur“ nährt, die es gleichgültig hinnimmt, dass Millionen von Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen leben.

Derselbe Gedanke zieht sich durch die Botschaft zum 10. Welttag der Armen, der am 15. November 2026 unter dem Motto „Der Herr ist die Zuflucht der Armen“ begangen wird. Darin stellt der Papst die Besessenheit derjenigen, die Reichtum nur für sich selbst anhäufen, der Beständigkeit Gottes gegenüber – einer Beständigkeit, die Herzen öffnet und alle willkommen heißt. Er regt zudem eine Gewissenserforschung an, die eine unbequeme Frage beinhaltet: „Sind wir uns unserer eigenen Armut bewusst und ziehen wir sie dem ungerechten Reichtum vor? Gehen wir dorthin, wo die Armen sind, und spüren wir ihre Marginalisierung? Hören wir ihnen zu und haben wir Anteil an ihren Erwartungen?“

Text: © Vatican News
(jas)



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