News Bild Ordensleben ist nicht Opferleben, sondern ein Geschenk - Regionaltreffen der Ordensleute der Region Landshut in Dingolfing

Ordensleben ist nicht Opferleben, sondern ein Geschenk - Regionaltreffen der Ordensleute der Region Landshut in Dingolfing

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Schwestern und Brüder aus neun Orden der Region Landshut haben sich am vergangenen Samstag in Dingolfing getroffen, um sich auszutauschen und gemeinsam das Jahr des geweihten Lebens zu feiern. Das Regionaltreffen wurde erstmals in einer Pfarrei abgehalten und nicht in einem Kloster, um mit den Gläubigen vor Ort die Eucharistie zu feiern und ins Gespräch zu kommen. Pater Bernardin M. Seither, Provinzial der Franziskaner-Minoriten, war als Hauptreferent zugeladen. Er sprach über das Geschenk der Berufung.

Der Einladung von Ordinariatsrätin Maria Luisa Öfele, Hauptabteilung Orden und Geistliche Gemeinschaften, die mit Helfern das Regionaltreffen organisiert hatte, folgten Dienerinnen vom Heiligen Blut in Reisbach, Kreuzschwestern aus Mengkofen, Franziskanerinnen aus Aiterhofen, Schwestern aus dem Orden der hl. Klara von Assisi Kontemplative Gemeinschaft der Klarissen in Dingolfing, der Ordensgemeinschaft der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie in Mallersdorf und der Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal sowie Brüder des Minoritenklosters in Dingolfing, der Maristen aus Furth bei Landshut und Redemptoristen aus Landshut. Pfarrer Martin Martlreiter freute sich, in seiner Pfarrei St. Johannes in Dingolfing die Brüder und Schwestern begrüßen zu dürfen. Das Regionaltreffen begann mit einer Eucharistiefeier. Hauptzelebrant und Prediger war Pater Bernardin M. Seither.

 

Anschließend trafen sich alle Teilnehmer im Pfarrheim St. Johannes, um sich auszutauschen. Referent Pater Bernardin sprach über „Das Geschenk der Berufung - Zuspruch und Anspruch für jeden Tag“. Der Provinzialminister orientierte sich dabei am Konzilstext Lumen Gentium, insbesondere am 6. Kapitel, das den Ordensleuten gewidmet ist. Doch warum tritt man in einen Orden ein? Für Pater Bernardin gibt es darauf nur eine Antwort: „Das Ordensleben, die Berufung zum Ordensleben ist von Gott geschenkt. Niemand kann seine Berufung selbst machen oder herstellen. Jede Schwester, jeder Bruder, jede Nonne, jeder Mönch, eine jede und ein jeder gibt letztlich nur eine Antwort auf Gottes Ruf.“ Aber das Geschenk könne auch Herausforderung sein, eine Gabe auch Aufgabe und ein Zuspruch auch Anspruch.

 

Gott bietet uns Sicherheit

Engen die Gelübde nicht zu sehr ein? Diese Frage warf Pater Bernardin auf und gab zu Bedenken: „Früher verstand man unter den Gelübden ganz stark einen Verzicht. Das Ordensleben muss hart sein. Der Welt gestorben lebt die Nonne, der Mönch, die Schwester, der Bruder ein Leben der Buße in äußerster Armut und radikalem Verzicht“, zählte der Hauptreferent auf und resümierte: „Ordensleben ist gleich Opferleben“. Er wehre sich entschieden gegen solche Deutungen. „Natürlich gibt es auch heute Verzicht, aber gibt es den nicht in jeder Lebensform? Auf was müssen zum Beispiel Eltern verzichten?“ Natürlich würden die drei Gelübde Armut, Gehorsam und Keuschheit zunächst defizitär klingen. Pater Bernardin erinnerte aber an Franziskus, der auf dem Berg La Verna den Lobpreis Gottes verfasst hatte: „Du Gott bist all unser Reichtum zur Genüge. Du Gott bist unsere Sicherheit. Du Gott bist unsere Liebe.“

In Anlehnung an diese drei Aussagen formulierte Pater Bernardin die drei Gelübde um. „Ich bin nicht arm dran, denn da ist einer, der für mich sorgt. Bei so einem Gott sind wir gut dran.“ Es gehe auch nicht um Willenlosigkeit, sondern darum, dass Gott einem Sicherheit biete. „Bruder und Oberer, Schwester und Oberin sollen aufeinander und auf Gott hören. Das gibt Sicherheit.“ Statt ehelose Keuschheut und Beziehungslosigkeit könne man auch sagen: „Gott ist meine Liebe.“

In seinem Vortrag ging er auch noch kurz auf das Ordenskleid ein: „Wir sprechen von einem Habit. Habit kommt von Gehabe und wir drücken damit etwas aus: Was wir inwendig glauben, soll äußerlich sichtbar werden. Nicht umgekehrt. Ich werde nicht durch den Habit zur Schwester, zum Bruder, sondern durch das Leben.“ Pater Bernardin legte den Glaubensbrüdern und –schwestern deshalb nahe, wie dies auch schon Franziskus getan hatte, „lebendige Bausteine“ zu sein, die in und mit der Kirche gehen und leben. „Christus hat keine anderen Hände, Füße, Augen und Herzen als unsere, um zu den Menschen zu kommen.“