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Zur Neuigkeit
Ökumenischer Besinnungsweg in Rappenbügl
Verbindung von Glaube und Arbeit
Rappenbügl, 10. April 2026
Als „Tag der Arbeit“, federführend initiiert von der Arbeiterbewegung, ist der 1. Mai heute ein gesetzlicher Feiertag. Kirchlich damit verbunden ist der von Papst Pius XII. (1876 – 1958) im Jahr 1955 eingeführte Gedenktag „Josef der Arbeiter“ am gleichen Tag. In Bayern kommt schließlich noch das Fest „Patrona Bavariae“ (Schutzfrau Bayerns) dazu, das der Bayerische Herzog Maximilian I. (1573 – 1651) begründet und zunächst auf den 14. Mai gelegt hat. Im Zuge der Revision des Heiligenkalenders nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde dieses Gedenken (ebenfalls) auf den 1. Mai verlegt – auch als Start des Marienmonats Mai, der in der katholischen Kirche besonders der Gottesmutter gewidmet ist.
Dennoch war für Prof. DDr. Heribert Popp (71), emeritierter Professor für Mathematik, Wirtschaftsinformatik, Wissensmanagement und Künstliche Intelligenz an der TH Deggendorf sowie 37 Jahre lang Pfarrgemeinderatsvorsitzender bzw- -sprecher in seiner Heimatpfarrei St. Barbara Maxhütte-Haidhof, das Themenfeld „Arbeit – Religion“ bzw. „Arbeit – christlicher Glaube“ etwas unterrepräsentiert. Zwar verweist er auf jährliche Gedenken der Verbände Kolping und Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) um den Josefstag (19. März) und auf die von Papst Johannes Paul II. (1920 – 2005) im Jahr 1981 veröffentlichte Sozialenzyklika „Laborem exercens“ (Arbeit als zentraler Bestandteil des menschlichen Lebens). Aber im kirchlichen Leben und Jahreslauf fand für Popp diese Thematik wenig Niederschlag und Widerhall. Grund genug also für ihn, selbst aktiv zu werden: er initiierte den „Ökumenischen Besinnungsweg zum Thema ‚Arbeit‘“, der vom Ortsteil Rappenbügl zum Zentrum Maxhütte-Haidhof führt, aber auch umgekehrt marschiert werden kann.
Konkrete Umsetzung in 15 Monaten
Bei einem ersten Gespräch Popps mit dem damaligen örtlichen evangelisch-lutherischen Pfarrer Klaus Göldner im Jahr 2008 erwuchs die Idee, die evangelische Segenskirche und die Pfarrkirche St. Josef Rappenbügl mit einem ökumenischen Besinnungsweg zum Thema „Arbeit“ zu verbinden. Hintergrund war auch, dass bekanntlich die „Maxhütte“ (Eisenwerk Maximilianshütte) lange Zeit der größte Arbeitgeber im Landkreis Schwandorf (5000 Beschäftigte) war und vielen noch die Protestaktivitäten für den Erhalt der Stahlarbeit in Maxhütte-Haidhof in Erinnerung sind. Konkret wurde das Projekt schließlich Anfang 2011 in Angriff genommen. Der Sachausschuss Ökumene der Pfarrei St. Josef erarbeitete zwölf Unterthemen sowie Symbole zur Thematik, die Presse wurde informiert, Kooperationspartner für die einzelnen Stationen gesucht und gefunden, ebenso ein ansprechender Weg, die Eigentumsrechte geklärt, die Texte erstellt und schließlich die Stationen gestaltet. Am 1. Mai 2012 war mit 170 Teilnehmern die feierliche Einweihung und Eröffnung. Der Besinnungsweg will folgende vier Aspekte besonders in den Fokus rücken: Ökumene gehen, Gott ehren, über Arbeit nachdenken und Freude erleben. Er ist ein Gemeinschaftswerk der Pfarrei St. Josef Rappenbügl, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde, der Pfarrei St. Barbara Maxhütte-Haidhof und der Stadt Maxhütte-Haidhof. Darüber hinaus haben zahlreiche Einrichtungen (Banken/Sparkassen, Firmen, Schulen, kirchliche und weltliche Vereine, Kindergärten, Künstler) durch Geld- und Sachspenden sowie konkrete Schöpfungen und Werke zur Finanzierung und Gestaltung beigetragen.
Holzkreuz erinnert an Zimmerer-Beruf Josefs
Start des 4,9 Kilometer langen Besinnungsweges mit (ursprünglich) zwölf Stationen ist an der Pfarrkirche St. Josef in Rappenbügl. Hingewiesen sei auf die Symbolik der Zahl „Zwölf“ (zwölf Apostel). Die erste Station hat das Thema „An Gottes Segen ist alles gelegen“, als Symbol dient hier das von Harald Schmidt geschaffene Gemeindemissionskreuz an der Außenwand des Gotteshauses. Daneben gibt es an einer Tafel allgemeine Informationen zur Entstehung des Besinnungsweges, zur Route und zu den wiederkehrenden Bildern. In der Kirche liegen auch die Broschüren auf, in denen meditative Texte zu den einzelnen Stationen enthalten sind. Diese Heftchen können bzw. sollen natürlich mitgenommen und benutzt und am Ende in der Zielkirche wieder abgegeben werden. Das Holzkreuz an der Ausgangsstation erinnert mit dem Material Holz an Jesu Nährvater Josef, der Zimmermann war und mit diesem Beruf den Lebensunterhalt für seine Familie verdient. Nicht ausgeschlossen ist, dass auch Jesus selbst vor seinem in den Evangelien beschriebenen Wirken von Josef in diesem Handwerk ausgebildet wurde und er dieser Tätigkeit nachging. „Menschliche Arbeit kann zu einem Instrument des Segens werden“, heißt es im meditativen Text zu dieser Station.
Kunstwerke unterschiedlicher Art
Inzwischen wurde der Besinnungsweg mit einer Station 1.b zum Thema „Ethisch und nachhaltig arbeiten mit Künstlicher Intelligenz (KI)“ erweitert. Dazu – auch aufgrund des besonderen Bezugs von Professor Popp zu eben dieser Thematik – später mehr. Begeben wir uns zu den weiteren Stationen. Die flächenmäßig größte ist die zweite Station mit dem Teilaspekt „Arbeit und Überforderung“. Visuell dargestellt wird dies in einem Labyrinth, das die Künstler Mario Wagner und Josef Hochmuth in Zusammenarbeit mit dem Obst- und Gartenbauverein Meßnerskreith gestaltet haben. „Das Abschreiten des Labyrinths kann als Symbol für unsere verschlungenen Arbeitswege verstanden werden und fordert uns zum Überdenken des eigenen Arbeitslebens auf“, heißt es unter anderem in der Meditation dazu. Am Dierldrathsee und in der Nähe eines Waldkindergartens befindet sich die dritte Station zum Thema „Formen der Arbeit“. Als Symbol dient hier ein Esel, der einen Wagen zieht, auf dem Formen der Arbeit, d.h. verschiedene Werkzeuge, liegen. Zusammen mit dem Kindergarten St. Josef Rappenbügl haben diese Station Gerhard Karl und Manfred Weiß gestaltet. Der Esel wie auch der Anhänger und die Arbeitsgeräte mussten – wohl auch wegen zu intensiver Nutzung - bereits öfter repariert oder sogar ersetzt werden.

Auch KAB mit einer Station beteiligt
Das KAB-Lied und das Symbol dieses Verbandes – Kreuz und Hammer – bilden die Inhalte der vom KAB-Ortsverband Rappenbügl in Kooperation mit der Werkstatt Klärwerk Regensburg gefertigten vierten Station zum Thema „Arbeit und Glaube“. Die Regel des Heiligen Benedikt „Ora et labora“ („Bete und arbeite“) und die Zusammengehörigkeit dieser zwei Elemente steht hier im Mittelpunkt. Eine Ruhebank und im Hintergrund aus einem Rohr plätscherndes Wasser laden dann zur fünften Station „Arbeit und Freizeit“ ein. Besonders wird dabei auf den (arbeits)freien Sonntag und die Bedeutung des Feierabends im Tagesablauf hingewiesen.
Arbeit versus Familie bzw. Gesundheit
Der Zahn der Zeit hat inzwischen am Symbol der sechsten Station genagt: eine aus Metall gefertigte Stele am Dorfweiher in Verau, auf der eine Tretmühle und ein Roboter dargestellt sind. Erstellt haben dieses Opus zum Stationsthema „Arbeit – Segen oder Fluch“ der Metallbaumeister Andreas Beer und der Maschinenbaumeister Gerhard Schmid. Die Tretmühle steht für den Fluch der Arbeit und der Roboter für Arbeitserleichterungen. Wobei – wie dem Meditationstext zu entnehmen ist – natürlich eine differenziertere Betrachtung angebracht ist. Das anzustrebende Gleichgewicht von „Arbeit und Familie“ symbolisiert die Waage der siebten Station, realisiert von den Fachbereichen Bau- und Metalltechnik des beruflichen Schulzentrums Schwandorf. Unter dem Schlagwort „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ ist dies ein stets wiederkehrendes Thema in der gesellschaftlichen und politischen Diskussion.
Dass Arbeit mitunter krank machen kann – auch dieser Gesichtspunkt hat nichts von seiner Bedeutung verloren und findet sich daher auch im Besinnungsweg, in der achten Station. Eine von der Künstlerin Tanja Fleischmann gestaltete Asklepios-Schlange verweist auf das Standessymbol der Mediziner, hingewiesen wird neben den körperlichen Gebrechen, die infolge von Arbeit entstehen können, auch auf psychische und psychosomatische Erkrankungen. Eine Lore, also ein Wagen zum Transport von Braunkohle oder Eisenerz bzw. zum Abraum, steht beim Tennisplatz als Symbol der neunten Station „Arbeit und Lebensunterhalt“. Die Firma Thyssen Dück hat diese gestiftet, Johannes Würdinger und der örtliche Tennisclub haben die Station aufgebaut. Inhaltlich geht es um Beschäftigung, Lohn und die Arbeitsbedingungen. Dass der Faktor „Bildung“ für jede Arbeit wichtig ist, macht Station zehn deutlich. Ein Windspiel, platziert vor dem Seniorenheim „Evergreen“ und gestaltet von Schülern der Mittelschule in Zusammenarbeit mit Auszubildenden der Firma Läpple, symbolisiert das Miteinander der verschiedenen Generationen und gewissermaßen auch das lebenslange Lernen.
Relikte der früheren Maxhütte als Symbole von Stationen
Den Kontext „Arbeit und Sinn des Lebens“ beleuchtet schließlich die elfte Station in Form einer großen Grubenlampe, vor der alten Pfarrkirche St. Barbara in Szene gesetzt von Schlossermeister Siegfried Drexler aus Schwandorf und dem Bergknappenverein Ponholz. Erinnert wird damit an den Bergbau, über viele Jahrzehnte haben Bergknappen mit dieser Tätigkeit ihrem Leben einen Sinn gegeben. Dies war aber auch mit Mühsal und Leid sowie mit Verantwortungsbewusstsein und dem Dienst an den Mitmenschen verbunden. Überaus umfangreich sind hier die erläuternden meditativen Gedanken.
Abschluss bei einem „politischen Kreuz“
Für den ökumenischen Aspekt steht die letzte, zwölfte Station an der evangelischen Segenskirche, bei der das Thema der ersten Station „An Gottes Segen ist alles gelegen“ erneut aufgenommen wird. Als Symbol findet sich hier das Kreuz, das die Schreiner der Maxhütte angesichts der drohenden Schließung des Werks angefertigt hatten und das bei Protesten und Demonstrationen mitgeführt wurde – später auch beim Widerstand gegen die Atomkraft und den Bau der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf.

Künstliche Intelligenz als aktuelles und ergänztes Thema
Eine Ergänzung bzw. Erweiterung bekam der Besinnungsweg im Jahr 2025 mit der Station 1.b auf dem Dorfplatz in Rappenbügl zum Thema Künstliche Intelligenz (KI). Bereits vor 41 Jahren hat Popp seine Dissertation diesem Thema gewidmet, es begleitet ihn sozusagen sein gesamtes Leben. Da lag es angesichts der Bedeutungszunahme der KI-Thematik in den vergangenen Jahren nahe, diese auch in den Besinnungsweg aufzunehmen. Zwar hat er noch keinen passenden Symbol-Roboter gefunden, dafür aber die Infotafel mit reichlich Inhalt allgemein zu KI, zum Verhältnis KI und Ethik und zum KI-Act der EU ausgestattet. Die Quintessenz: KI kann vor allem auch für Umwelt und Nachhaltigkeit positiv sein. Ein von KI (ChatGPT) erzeugtes Gebet über „ethisch und nachhaltig arbeiten mit KI“ lädt hier abschließend zum Beten und Nachdenken ein.
Interesse bei vielen Gruppen, Vereinen und Verbänden
Ganz unterschiedliche Gruppen – was das Alter und die Hintergründe betrifft – sind in den vergangenen Jahren den Besinnungsweg gegangen: Kinder aus Kindergärten und von Schulklassen (von der Grundschule bis zum Gymnasium), Kommunionkinder, Pfarreien, Vereine, Verbände und Parteien (KAB, Kolping, OGV, Gospelchor, DGB, SPD) bis hin zu Priestern und Theologen oder zum KI-Professor an der TH Deggendorf Dr. Patrick Glauner. Natürlich steht der Initiator Prof. DDr Heribert Popp für Führungen zur Verfügung. Weitere Informationen zum Besinnungsweg – und auch zu anderen Projekten von ihm – gibt es auf seiner Homepage: https://www.heribert-popp.de/besinnungsweg
Text und Fotos: Markus Bauer
(jas)









