News Bild Monsignore Rudolf Salzer: 103 Jahre alt - und seit 80 Jahren Priester

Monsignore Rudolf Salzer: 103 Jahre alt - und seit 80 Jahren Priester

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Für ein 80-jähriges Jubiläum, egal in welchem Bereich, scheint es keine spezielle Bezeichnung zu geben. Fakt ist aber: Seit acht Jahrzehnten arbeitet Rudolf Salzer im „Weinberg des Herrn“. Denn am 16. Juni 1935 hat er im St.-Veits-Dom zu Prag vom damaligen Prager Erzbischof Karel Boromejský Kašpar, der dann im Dezember 1935 Kardinal wurde, die Priesterweihe erhalten. Ein einschneidendes Erlebnis für Salzer war natürlich die Vertreibung im Jahr 1946, die ihn letztlich ins Bistum Regensburg brachte, wo der Geistliche auch heute noch lebt. „Priester zu sein, ist meine Lebensaufgabe“ lautet der Wahlspruch des dienstältesten Geistlichen der Diözese Regensburg.

Vom böhmischen Fleischersohn zum Priester 

 

Die Wiege von Monsignore Rudolf Salzer steht im böhmischen Erzgebirge. In Neugeschrei, einem Ortsteil von Weipert im mittleren Erzgebirge, erblickte er am 8. November 1911 das Licht der Welt. Sein Vater gleichen Namens war Fleischer und betrieb mit seiner Frau Marie – wie es damals üblich war – auch eine kleine Landwirtschaft. Ein harter Schlag für die Familie war der Tod des Vaters bereits im November 1914 auf dem Kriegsfeld in Galizien. Die Mutter musste fortan alleine für die Familie – neben Rudolf waren es noch zwei Schwestern und ein Bruder – sorgen.

 

Nach der Grundschule, im Jahr 1922, veranlasste der örtliche Kaplan und spätere Bürgermeister von Weipert Rudolf Hacker (nach der Vertreibung Flüchtlingsseelsorger in der Diözese Augsburg, einer der Mitbegründer des „Volksboten“, einer Wochenzeitung der Vertriebenen, sowie aktiv in der sudetendeutschen Ackermann-Gemeinde), dass Rudolf Salzer seine Schulausbildung am Erzbischöflichen Konvikt in Mies fortsetzte. „Mit einer ausgezeichneten Matura“, so Salzer im Rückblick, schloss er 1930 das Gymnasium ab, und schon im Oktober begann er, gefördert von der Kirche, an der Theologischen Fakultät der Prager Karls-Universität das Theologiestudium, zugleich trat er ins dortige Priesterseminar ein. Das tiefe religiöse Leben in der Familie und der aus Neugeschrei stammende Theologieprofessor und spätere Kardinal von Wien Dr. Theodor Innitzer waren mitentscheidend für diesen Weg. Die Priesterweihe zusammen mit mehreren deutschen und tschechischen Kollegen erfolgte am 16. Juni 1935 im Prager Veits-Dom, am 23. Juni war die feierliche Primiz in Neugeschrei.

Von der Region Karlsbad ins Bistum Regensburg

 

Das seelsorgliche Wirken des Neupriesters begann im Herbst 1935 als Kaplan in St. Joachimsthal, einer alten Bergstadt in der Region Karlsbad. Drei Jahre später – im denkwürdigen Jahr 1938 („Münchner Abkommen“) - übernahm er eine Tätigkeit als Religionslehrer und Administrator in Schlackenwerth, ebenfalls in der Nähe von Karlsbad. Für die Unterrichtstätigkeit in der Schule wurde er im September 1938 noch auf die tschechoslowakische Verfassung vereidigt, einen Monat später marschierte die Wehrmacht ein. Salzer fühlte sich als Deutscher, mochte aber die Nationalsozialisten nicht. Ein Spagat für ihn in den kommenden Jahren. Aufgrund eines Beinbruchs im Jahr 1939 musste er (zum Glück) nicht in den Krieg.

 

Im September 1946 wurde er mit dem letzten Transport aus seiner Heimat ausgewiesen und landete zunächst in Parsberg/Opf. Er meldete sich beim Ordinariat des Bistums Regensburg als Priester und wurde sehr schnell in Wallersdorf bei Landau a.d Isar als Kooperator (heute Kaplan) eingesetzt, wo er bis 1952 wirkte. „Mein Haushalt bestand aus lauter geliehenen Sachen. Einmal habe ich bei einem Bauern ein Butterbrot bekommen, das war damals geradezu ein Erlebnis“, berichtete er bei seinem 70. Geburtstag über diese schwere Zeit. Ebenfalls Kooperator war er dann bis 1958 in Oberwinkling im Landkreis Bogen. Seine Lebensstelle fand Salzer schließlich in Reicheneibach (Landkreis Rottal-Inn), wo er bis zum August 2001 – noch im Alter von 89 Jahren und 43 Jahre lang – die Seelsorge innehatte, verbunden mit der Pfarradministration in den Nachbarpfarreien Staudach bzw. Obertrennbach. Und dort hat er zum Teil schon Jahre vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil moderne Elemente wie die Mitarbeit von Laien oder volksnahe Gottesdienste praktiziert.

 

Natürlich erhielt er auch diverse Auszeichnungen und Ernennungen: So im Jahr 1979 zum Bischöflich Geistlichen Rat, 2005 zum Päpstlichen Ehrenkaplan „Monsignore“ und 2010 die Ehrenbürgerschaft des Marktes Wallersdorf, wo er seit 2001 seinen Ruhestand verbringt. In Verbindung blieb er lange mit seiner einstigen Pfarrei Schlackenwerth. Sein Bemühen um das Wiederfinden der Pfarrangehörigen und das Organisieren von Heimattreffen mit Gottesdiensten in den neuen Wohngebieten trug ihm die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch Bundespräsident Richard von Weizsäcker ein. Seinen Geburtsort Neugeschrei hat er nach der Wende auch mehrmals besucht, letztmals im Juni 2011.