News Bild Mit Köpfchen gegen Vorurteile – Nestroys „Talismann“ als Theaterstück in den Marienschulen

Mit Köpfchen gegen Vorurteile – Nestroys „Talismann“ als Theaterstück in den Marienschulen

Home / News

Johann Nepomuk Nestroys 1840 erschienene Posse „Der Talismann“ ist am 14. und 15. Juli im Festsaal der St. Marien-Schulen aufgeführt worden. Schülerinnen der Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe des St. Marien-Gymnasiums boten ein spektakuläres, buntes und abwechslungsreiches Schauspiel um den rothaarigen Friseurgesellen Titus Feuerkopf (Maria Sporer), den seine Haarfarbe zum Außenseiter macht.

.„So kopflos urteilt die Welt … Das Vorurteil is eine Mauer, von der sich noch alle Köpf', die gegen sie ang'rennt sind, mit blutige Köpf' zurückgezogen haben“, klagt der Held in Nestroys gesellschaftskritischer Komödie – bis heute das meistgespielte Stück des Wiener Autors.

Dass man mit roten Haaren keine Chancen hat, muss auch die Gänsemagd Salome (Adriana Krenz) erfahren, die den Feuerkopf liebt und ihm die Treue hält. Doch Titus macht rasant Karriere in der großen Welt. Sein neuer Talisman, eine elegante schwarze Perücke, sichert ihm die Gunst dreier Witwen, die ihn heftig umwerben; zunächst wegen seiner attraktiven Erscheinung, später wegen seiner mindestens ebenso attraktiven Erbaussichten. Am Ende entscheidet sich Titus jedoch nicht für die exaltierte schriftstellernde Witwe, Frau von Cypressenburg (Rebekka Spitzenberg), sondern für die feurige Salome, mit der er eine Dynastie von Rothaarigen begründen will.

 

"Profis" am Theater: Die Englischen Schulschwestern

„Eine grandiose schauspielerische Leistung“, lobte ein sichtlich stolzer Gesamtschulleiter Dr. Hans Lindner die Schülerinnen. In seiner Begrüßung betonte er die besondere musische Tradition der St. Marien-Schulen: „Theaterarbeit ist bei den Englischen Schulschwestern immer schon höchst professionell gewesen. Schließlich hat eine der wichtigsten deutschen Dramatikerinnen, Marieluise Fleißer, 1920 bei den Englischen das Abitur abgelegt.“

Spielleiterin Monika Liebl sieht sich dieser Tradition verpflichtet. „Jedes neue Stück wird bei den Theatertagen in Schloss Alteglofsheim intensiv besprochen und eingeübt. Die Schauspielerinnen müssen sehr viel Text lernen. Deshalb sind manche Rollen mit zwei Schülerinnen besetzt. Doch alle sprechen und spielen exzellent.“

Siebzehn Theatertutorinnen unterstützen die Inszenierung. „Ohne Probenplan geht gar nichts. Mehr als drei Stunden nimmt allein das Schminken in Anspruch“, informiert Kunsterzieherin Sabine Wild, die für die vielfältigen Masken, opulenten Kostüme und das originelle Bühnenbild im Biedermeierstil zuständig ist. Ihr Team schwingt auch während der Aufführung noch Nadel und Faden, um Kleidersäume und abgerissene Blumen anzunähen. „Gerade an den vielen liebevoll ausgewählten Details erkennt man die Besonderheit der Theaterarbeit an dieser Schule“, würdigt ein Schülervater die Vorstellung.

 

 

Musik wurde eigens für das Stück komponiert

Langanhaltenden Applaus gab es für die Musiklehrkräfte Thomas Humbs und Angelika Wimmer. Wie schon so oft kommentierte ihre selbstkomponierte Begleitung das Geschehen auf der Bühne. Geige, Klavier und Cembalo sorgten für eine unaufdringliche Untermalung im Stil der Wiener Salonmusik. Zugleich setzte die Musik während des Stücks einen deutlichen Akzent gegen das Vorspiel: Dessen Discomusik diente den Schülerinnen der sechsten Klassen zu einer aufregenden Choreographie. „Es geht um rote Haare, also um Vorurteile, die bis heute gelten“, so Lichtregisseur Michael Faltermeier. Er freute sich vor allem über die Wirkung der neu angeschafften Schwarzlichtlampen.

Am Ende zollten alle großen und kleinen Besucher begeistert Beifall. „Kurzweiliges, witziges und exzellent präsentiertes Theater mit Tiefgang“, urteilte Fotograf Immo Holvan.