News Bild Menschenwürde und Menschenrechte aus der Sicht der Katholischen Kirche

Menschenwürde und Menschenrechte aus der Sicht der Katholischen Kirche

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Zum zweiten Mal reiste Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller, als Vorsitzender der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, zu Gesprächen mit der Russischen Orthodoxen Kirche nach Moskau. Vom 17. bis 19. April nahm er dort an der Tagung „Menschenrechte und nationale Identität“, organisiert von der Konrad-Adenauer-Stiftung, teil.

Die Konferenz leitete Metropolit Kyrill (Gundjajev) von Smolensk und Kaliningrad, Leiter des Kirchlichen Außenamtes des Moskauer Patriarchats. Bischof Prof. Dr. Gerhard Ludwig Müller legte aufgrund der Aussagen des kirchlichen Lehramtes, vor allem des II. Vatikanischen Konzils und der päpstlichen Enzykliken zu diesem Thema die katholische Sicht von Menschwürde und Menschenrechte dar.

Bereits Papst Johannes XXIII. habe in seiner Enzyklika „Pacem in terris“ eine eigene Charta der Menschenrechte vorgelegt und übertraf dabei die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ durch den deutlichen Akzent, der mit der christlichen Durchdringung der Fragestellung gegeben sei: Der Mensch als Person ist Ausgangspunkt seiner Würde, hob Bischof Dr. Gerhard Ludwig hervor. „Damit überwindet die Kirche gerade den horizontalen Begründungsrahmen, der sich jederzeit schnell ändern kann, und führt die Diskussion auf den eigentlichen Kern: Mit Vernunft und Willensfreiheit ausgestattet, hat die Person – seine Personalität – Rechte und Pflichten, die ihr von Natur aus eigen sind“, so der Bischof weiter.

Grußworte sprachen Erzbischof Antonio Mennini, päpstlicher Nuntius und Vertreter des Vatikans in Moskau, und Dr. Walter Jürgen Schmid, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Russischen Föderation. Metropolit Kyrill betonte in seinem Referat, dass die Menschenrechte eines jeden Volkes und jeder einzelnen Person immer auch begrenzt werden durch die Rechte der anderen, besonders auch der Schwächeren. Vor allem aber sei die christliche Ethik mit einzubeziehen, die einer allzu liberalistischen Auslegung der Menschenrechte auch Grenzen aufzeigen muss.

Für die evangelische Theologie referierte Bischof Martin Schindehütte aus Hannover, der Leiter der Hauptabteilung „Ökumene und Auslandarbeit“. Der Vorsitzende des Kirchlichen Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Kyrill, lud Bischof Gerhard Ludwig und seinen Begleiter, Prälat Dr. Albert Rauch, zum Essen in seine Diensträume ein, zusammen mit dem Referenten für die Kontakte zur Katholischen Kirche, Erzpriester Igor Vyžanov. In dem sehr persönlichen und herzlichen Gespräch erinnerte der Metropolit daran, dass er schon als junger Priester in Regensburg war, als Begleiter des damaligen Leiters des Kirchlichen Außenamtes, Metropolit Nikodim, der den damaligen Beauftragten für die Kontakte zur Orthodoxie, Bischof Dr. Rudolf Graber, am 9. September 1969 besuchte.

Im Gespräch wurde deutlich, dass die katholische und die orthodoxe Kirche nicht als Konfessionen gesehen werden sollen, sondern als Schwesterkirchen innerhalb der einen Kirche, die universal, allumfassend, katholisch und orthodox ist. Dabei wurde festgestellt, dass auf die Probleme und Herausforderungen der heutigen Zeit gemeinsame Antworten gesucht und gegeben werden müssen. Dies geschehe auf der Basis gemeinsamer dogmatischer und ethischer Grundprinzipien. In der Glaubenslehre, wie auch in der sakramentalen und apostolischen Verfassung der Kirche besteht weitgehend Einigkeit.

Der Metropolit sprach mit großer Hochachtung von Papst Benedikt XVI, zu dessen Einführung er in Rom anwesend war und dem er dabei ganz persönlich begegnen konnte. Ein liturgischer Höhepunkt war die Verehrung der Reliquien des heiligen Bischofs Spyridon, der in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts Bischof auf Zypern war und dessen Gebeine später nach Korfu übertragen wurden.