News Bild Mehr als 1500 Gläubige feiern mit Bischof Gerhard Ludwig Pontifikalamt zum Hochfest der Auferstehung des Herrn –„Der Herr ist wahrhaft auferstanden, Halleluja!“

Mehr als 1500 Gläubige feiern mit Bischof Gerhard Ludwig Pontifikalamt zum Hochfest der Auferstehung des Herrn –„Der Herr ist wahrhaft auferstanden, Halleluja!“

Home / News

Im übervoll besetzten Hohen Dom St. Peter in Regensburg haben mehr als 1500 Gläubige gemeinsam mit Bischof Gerhard Ludwig Müller am Ostersonntag das Hochfest der Auferstehung des Herrn gefeiert.
Nach dem feierlichen Pontifikalamt segnete der Bischof die mitgebrachten Speisen der Gläubigen und spendete den Päpstlichen Ostersegen.

Lesen Sie nachfolgend die Predigt von Bischof Gerhard Ludwig Müller im Wortlaut:

„Frühmorgens, als es noch dunkel war, kam Maria von Magdala an das Grab Jesu und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war“ (Joh 20,1), mit diesen Worten berichtet uns das Johannesevangelium vom Ostermorgen. Die anderen Evangelisten erwähnen bei diesem Gang zum Grab auch die anderen Frauen, die unter dem Kreuz Jesu bis zum bitteren Ende ausgeharrt hatten. Johannes hatte uns überliefert, dass bei dem Kreuz Jesu seine Mutter stand zusammen mit ihrer Schwester, mit Maria, der Frau des Klopas, und mit Maria von Magdala. Vom Kreuz herab hatte Jesus seiner Mutter den Jünger, den er liebte, als Sohn anempfohlen und damit auch der Kirche in der Gestalt dieses Lieblingsjüngers zur Mutter gegeben (vgl. Joh 19,25ff.).

Maria Magdalena verbürgt die Kontinuität des Geschehens vom Kreuzestod Jesu am Karfreitag mit dem Grab, in das Jesu gelegt worden war noch vor dem Anbruch des Sabbats, der ein großer Festtag war. So lag der Leichnam Jesu vom Karfreitag über Karsamstag bis zur Morgenfrühe jenes ersten Tages der Woche im Grab – nach jüdischer Zählung ist das unser Sonntag –, als die Frauen entdeckten, dass das Grab leer war.

Noch bevor sich Jesus den Frauen und dann seinen Jüngern, dem Petrus und den anderen Apostel als der auferstandene und verherrlichte Herr offenbarte, ruft Maria von Magdala Simon Petrus und den Jünger, den Jesus liebte, in all ihrer Ratlosigkeit zum Grab. Sie konnten sich die Tatsache, dass der Leichnam, den sie doch selbst ins Grab gelegt hatten, nicht mehr da war, nur ganz natürlich erklären: nämlich dass man ihn an einen anderen Ort gebracht hatte. Petrus und Johannes – wie die Tradition den Jünger, den Jesus liebte, benennt – kommen zum Grab. Als die beiden nach einem ersten Blick in das leere Grab in die Felsenhöhle hineingehen, sehen sie, dass der Leichnam Jesu nicht mehr gegenwärtig ist. Lediglich die Leinenbinden sind noch da. Spuren eines gewaltsamen Fortbringens des Toten aber gibt es nicht. Die Leinenbinden sind vielmehr sorgfältig zusammengebunden und das Schweißtuch, das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte, liegt an einer anderen Stelle.

Von Johannes heißt es, dass „er sah und glaubte“ (Joh 20,8) – eine Formulierung, die der auferstandene Jesus bei seiner Selbstoffenbarung gegenüber dem zweifelnden Thomas wieder aufgreifen wird: „Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29).

Nachdem die beiden Jünger wieder nach Hause gegangen waren, beugt sich die weinende Maria Magdalena noch einmal ins Grab und sieht zwei Engel in weißen Gewändern als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zur himmlischen Welt Gottes an jenen beiden Stellen stehen, wo der Kopf und die Füße des Leichnams gelegen hatten. So wird die Wirklichkeit des Todes Jesu in seiner irdischen Existenz bezeichnet. Die weinende und trauernde Frau fragt die Engel, wohin man den Leichnam gebracht haben mag. Als sie sich umwendet, sieht sie Jesus dastehen, ohne ihn identifizieren zu können. Auf seine Frage, wen sie denn suche, reagiert Maria noch im Konnexus der natürlichen Ursachen und Wirkungen. Erst als sie von Jesus mit ihrem Namen anredet wird, erkennt sie seine Stimme, die Stimme des guten Hirten, den die Seinen an seinem Wort erkennen. Ihr gehen Sinne und Verstand auf und sie erkennt den, den die Jünger zu recht ihren „Meister und Herrn“ (Joh 13,13) genannt hatten.

Jesus kann nicht unter den Bedingungen der natürlichen, an die sinnliche Welterfahrung gebundenen menschlichen Erkenntnis erkannt werden, sondern nur aufgrund seiner Selbstoffenbarung vom Vater her, von dem er ausgegangen und durch die Menschwerdung in diese Welt gekommen ist. Er ist einer von uns geworden, gehorsam bis zum Tod am Kreuz (vgl. Phil 2,8). Darum ist sein Gott und Vater auch unser Gott und Vater. Durch die Auferstehung von den Toten ist Christus der Erstgeborene von den Toten, dem wir alle folgen werden, weil wir durch die Teilhabe an seiner Sohnesbeziehung zum Vater seine Brüder und Schwestern sind. So kann Maria von Magdala als Zeugin des Kreuzestodes, der Grablegung und des leeren Grabes den Jüngern, die der Herr „meine Brüder“ (Joh 20,17) nennt, verkünden: „Ich habe den Herrn gesehen“ (Joh 20,18).
Maria richtet aus, was der Herr ihr gesagt hat. Aus dem Markusevangelium erfahren wir, dass Maria von Magdala und den anderen Frauen gesagt wurde: „Geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat“ (Mk 16,17). Darum verbürgen die Ostererscheinungen vor Petrus und den Zwölf, dem Apostelkreis die Identität des irdischen und des erhöhten Herrn.

Das ursprüngliche Bekenntnis, aus dem die Kirche hervorgeht und aus dem sie allezeit lebt, wurde von Paulus in seinem 1. Brief an die Korinther so aufgeschrieben, wie er es von der Urkirche zu Jerusalem empfangen hatte: „Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas (dem Simon Petrus), dann den Zwölf“ (1 Kor 15,3ff.).

Gegen die Botschaft von der Auferstehung Jesu von den Toten und in ihrer Folge von der leiblichen Auferweckung eines jeden Menschen aus dem Tod erhebt sich von Anfang an der Widerspruch der idealistischen und der materialistischen Philosophen. Die einen meinen, der Mensch sei eigentlich nur Geist, der in diese materielle Welt verbannt sei. Darum müsse die Seele aus der Herrschaft des verweslichen Fleisches befreit werden, das nur Ekel hervorrufe, wenn man nur an die verkrüppelten oder die alten Menschen denke, die nicht dem Ideal des Schönen entsprechen.

Auf der anderen Seite sind es die Materialisten, die heute besonders den Ton bestimmen. Der Mensch sei lediglich ein etwas komplexer aufgebauter Organismus. Was man die Seele nenne, sei eigentlich nichts anders als ein Steuerungsprozess des Organismus. Der Sinn des Lebens bestehe darum im sinnlichen Lebensgenuss. Wo er nicht mehr möglich ist, da sei es doch eine Erlösung für den Betroffenen und seine Umgebung, wenn er sich von seinem Leiden selbst erlöst, uns den Ekel vor ihm erspart und nicht finanziell noch den Lebensgenießern auf der Tasche liegt.

In Wirklichkeit sind Idealismus und Materialismus nur die Vereinseitigung von zwei konstitutiven Seinsprinzipien, aus denen der Mensch aufgebaut ist. Der Mensch ist in der Tat ein weltliches, leibliches und damit materielles Wesen, das aber innerlich geeint wird von der geistigen Seele, die das Ganze des Menschen durch Vernunft und freien Willen leitet. Darum ist der Mensch auf die Erkenntnis der Wahrheit hingeordnet und vermag Gut und Böse seiner Handlungen zu unterscheiden. Der Mensch kann auch über die sinnenhafte Welt hinausfragen nach dem Urgrund und Ursprung allen Seins und Lebens. Der Mensch ist transzendenzfähig und dadurch offen für das Wort Gottes, das ihn anspricht und befähigt, Gott in Jesus Christus, dem Mensch gewordenen Sohn, dem fleischgewordenen WORT zu begegnen.
Als Zweifler die Auferstehung von den Toten ad absurdum führen wollten, weil sie doch gar nicht möglich sei und dem nüchternen Verstand widerspreche – schließlich sei noch niemand aus dem Grab zurückgekehrt, was von den Möglichkeiten der Materie her ohnehin a priori ausgeschlossen sei –, entgegnete Jesus: „Ihr irrt euch; ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes (…) Er ist doch nicht der Gott der Toten, sondern der Gott der Lebenden“ (Mt 22,29ff.). Selbst wenn einer von den Toten auferstehen würde, würden sie nicht glauben; nicht etwa, weil sie sich auch durch Fakten nicht von ihrem vorgefassten Urteil abbringen lassen, sondern weil sie nicht an Gott glauben. Wer nicht an Gott glaubt, will auch nicht glauben, dass Gott ihn nicht zum Tode in diese Welt hineinverbannt hat, sondern zum ewigen Leben. Der Mensch ist berufen zur „Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21).

Laut einer Umfrage glauben in Deutschland auch viele Getaufte nicht an die leibliche und reale Auferstehung des Menschen aufgrund der wirklichen Auferstehung Jesu von den Toten. Das ist aber nur die Konsequenz eines mangelnden Vertrautseins mit dem Wort Gottes und seiner Verkündigung und Bezeugung durch die Kirche Christi.

Als Bischof und Nachfolger der Apostel, jener Erstzeugen der Auferstehung von den Toten, bete ich mit aller Hirtenliebe, dass jeder seine Berufung zur Erkenntnis Christi und zum ewigen Leben erkennt. Der Zweifel auch unter den Jüngern ist sehr menschlich, wie uns die Gestalt des Thomas Didymus zeigt. Gott aber kommt unserer Schwachheit zu Hilfe.
Wenn Jesus mich bei meinem Namen anspricht und sagt: „Sei doch nicht ungläubig, sondern gläubig“ (Joh 20,27), wie könnte ich mich dann stur stellen? Wie könnte ich mich dann nicht froh und gewiss auf ihn verlassen, der mir und dir – uns allen – verheißt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29)?

Auf das Zeugnis der Apostel hin bekennt die ganze Kirche in jeder Eucharistiefeier nach der heiligen Wandlung: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“. Das ist unsere Botschaft und unser Glaubensbekenntnis: Der Herr ist wahrhaft auferstanden. Amen.