Abschied am Sarg

Mehr als 10.000 Menschen nahmen Abschied von Pfarrer Josef Renner

Wenn die Saat des Glaubens reiche Frucht trägt


Regensburg/Chamba/Diözese Yendi (Nordghana), 26. Oktober 2026 

Drei Tage lang gedachten mehr als 10.000 Menschen im nordghanaischen Chamba des verstorbenen Missionars Pfarrer Josef Renner. Der aus Bayern stammende Priester hatte sich über Jahrzehnte für Bildung, medizinische Versorgung und die Entwicklung der Region eingesetzt. Mit Gottesdiensten, Gesängen und traditionellen Tänzen verabschiedeten sich die Menschen von ihrem „Father Josef“.

Die katholische Kirche in Nordghana und das Bistum Regensburg trauern um einen ihrer profilierten Brückenbauer und Missionare. Am Wochenende vom 2. bis 4. Oktober 2026 wurde der gebürtige bayerische Priester Father Josef Renner, den die Menschen in seiner afrikanischen Heimat ehrfurchtsvoll zum Maligu Naa (Häuptling für Entwicklung) ernannt hatten, im Holy Spirit School Complex in Chamba unter unvorstellbarer Anteilnahme zur letzten Ruhe gebettet. Vorausgegangen war sein Tod am 2. August 2026 im Alter von 83 Jahren nach kurzer Krankheit im Tamale Teaching Hospital. Die Beisetzung markierte den Höhepunkt einer dreitägigen, farbenfrohen Feier von historischen Ausmaßen, bei der weit über 10.000 Menschen zusammenkamen, um das erfüllte Leben des Verstorbenen zu würdigen. Was sich auf dem Transportweg und in den Ortschaften abspielte, glich weniger einem Trauerzug als einem Triumphzug für das ewige Leben. Getragen von den rhythmischen Klängen afrikanischer Chöre, unaufhörlichem Trommeln und innigen Tänzen verschiedenster Stämme feierte die riesige Gemeinschaft drei Tage und Nächte lang lautstark ihre tiefe, gläubige Freude darüber, dass ihr „Father Josef“ das Ziel des Himmels erreicht habe. Die Diözese Yendi vereinte unter der Leitung ihres Bischofs die Liturgie der römisch-katholischen Kirche mit den traditionellen Riten der einheimischen Stämme.

Ein lebendiges Vermächtnis aus Menschen statt Zement

Den Auftakt der feierlichen Liturgien bildete die Vigilmesse am geöffneten Sarg, zelebriert von Bischof Matthew Yitiereh, dem Oberhirten der Diözese Yendi. Auf die praktizierte Nächstenliebe ging Schulleiter Father Dr. Dr. Camillo Bonsuuri in seiner Predigt ein. In Anlehnung an das Matthäusevangelium wies er darauf hin, dass die von Pater Renner errichteten Schulen, Brunnen und Kliniken Zeugnisse praktizierter Nächstenliebe seien. Das große Vermächtnis von Pater Renner bestehe jedoch nicht aus Ziegelsteinen und Zement, sondern aus den Menschen selbst, da er nicht einfach nur Strukturen, sondern Menschen aufgebaut habe. Aus diesem lebendigen Weinberg seien mittlerweile unzählige Akademiker, Dozenten, Lehrkräfte, medizinische Fachkräfte sowie fünf Priesterberufungen aus der Pfarrei hervorgegangen. Die fünf Priester waren zum Abschied aus Rom und den USA angereist. Die ganze Nacht über wurden das irdische Leben, das Vermächtnis und die guten Taten des Verstorbenen lautstark gefeiert.

Ehrfürchtige Stille beim gesungenen Evangelium und ein tiefes Geheimnis

Am nächsten Morgen begann das Requiem unter der Leitung von Bischof Matthew Yitiereh mit Tausenden von Menschen. Als Diakon Johann Hofmann das Evangelium (Mt 5,1–20) zu singen begann – eine in Ghana völlig unübliche Praxis –, breitete sich unter den Tausenden Trauergästen ehrfürchtige Stille aus, während die Worte der Bergpredigt und ihre Seligpreisungen wie eine Würdigung des Lebenswerks des Verstorbenen erklangen. In seiner Predigt zog der Bischof eine historische Parallele, die das gesamte pastoral-missionarische Wirken des Verstorbenen umriss: Man könne Pfarrer Renner als einen großen Apostel der Konkomba bezeichnen, so wie der heilige Paulus ein Apostel der Heiden gewesen sei. Bischof Matthew hob die theologische Tiefe einer ganzheitlichen Evangelisierung hervor und erklärte, Pater Renner habe stets begriffen, dass die Rettung der Seele und die praktische Sorge um den menschlichen Körper untrennbar zusammengehörten. Seine tiefe Verwurzelung in Westafrika zeigte sich auch in einer persönlichen Entscheidung, die der Bischof sichtlich bewegt als ein Geheimnis lüftete, das ihm im Vorjahr bei seinem Besuch im Bistum Regensburg offenbart worden war: Obwohl Pfarrer Renner an seiner langjährigen Wirkungsstätte in Kollnburg bereits zu Lebzeiten ein farbenfrohes Priestergrab hatte errichten lassen, war es sein sehnlichster Wunsch, im roten Sand von Chamba, inmitten seiner Herde, begraben zu werden. Bischof Matthew richtete mahnende Worte an die Hinterbliebenen vor Ort: Das große Erbe des Verstorbenen dürfe nicht durch egoistische Interessen zerredet werden. Vielmehr müsse sein Vermächtnis im Sinne der Seligpreisungen Jesu – der Demut, der Ehrlichkeit und des Friedensstiftens – in Chamba weiterleben.

Vom armen Schüler zum Minister – ein Appell an die Jugend

Zu den besonderen Momenten der Trauerfeier gehörte die Ansprache des ghanaischen Parlamentsmitglieds und langjährigen Verteidigungsministers Dominic Nitiwul, der einst selbst ein armer Schüler von Pfarrer Renner gewesen und mit zahlreichen früheren Weggefährten gekommen war. Sichtlich ergriffen fand Nitiwul auf der großen Bühne Worte des Dankes und betonte, dass keiner von ihnen heute in diesen Positionen stehen würde, wenn sie nicht durch Pfarrer Renner überhaupt erst die Möglichkeit zum Schulbesuch erhalten hätten. Er schrieb seinen persönlichen Lebenserfolg sowie den seiner Begleiter den unermüdlichen Bemühungen des Missionars zu und nutzte den Moment für einen eindringlichen Appell an die Jugend, die Finger von harten Drogen und Alkohol zu lassen, um zu verantwortungsvollen Führungskräften heranzuwachsen. Als Zeichen seiner Dankbarkeit versprach der Politiker, die aufgebauten Einrichtungen auch in Zukunft tatkräftig zu unterstützen, und rief alle Wohlgesinnten dazu auf, das Erbe gemeinsam zu bewahren.

Eine brennende Begeisterung und die Gedenkkerze aus Bayern

Wie eng die Brücke des Glaubens zwischen Bayern und Ghana gespannt ist, kam in der Würdigung durch Irmgard Hilmer, die erste Vorsitzende des Vereins Ghana-Hilfe Pfarrer Renner e. V., zum Ausdruck. Sie war gemeinsam mit Rosi Heininger und Diakon Johann Hofmann angereist und sprach im Namen aller deutschen Unterstützer. Hilmer schilderte direkt am Sarg, wie Pfarrer Renner 1972 als junger Diakon in Atting ihre eigene Firmung vorbereitet hatte: „Er hat das Evangelium nicht nur gepredigt – er hat es gelebt. Und er hat uns Kindern beigebracht, dass Glaube nicht aus leeren Worten besteht, sondern aus lebendigen Taten.“ Durch seine ansteckende Begeisterung für Afrika sei eine lebenslange Verbindung entstanden. Im Jahr 2014 mündete diese Verbundenheit in die Gründung des Hilfsvereins, um Renners Vision von Deutschland aus materiell und im Gebet zu begleiten. Hilmer würdigte den Verstorbenen als einen Brückenbauer, der die Frohe Botschaft ganz praktisch mit Ziegelsteinen, Brunnen, Medikamenten und Bildung verkündet habe und auch in Deutschland als ein Häuptling der Liebe, ein Häuptling des Fortschritts und als ein zutiefst treuer Diener Gottes gesehen worden sei. Inmitten der Trauer dankte sie der ghanaischen Familie von Eunice und Gordon, die den Missionar im Ruhestand in ihr Haus aufgenommen und ihm als Ehren-Großvater familiäre Wärme geschenkt hatte. Als greifbares Symbol dieser Verbindung zwischen den Kontinenten wurde eine mitgebrachte Gedenkkerze überreicht, die als „Licht Christi“ am Sarg brannte. Abschließend versprach die Vorsitzende des Vereins Ghana-Hilfe Pfarrer Renner, die Saat, die Pfarrer Renner mit so viel Liebe für das Schulzentrum in Chamba mit über 1.000 Kindern gesät habe, so lange wie möglich weiter zu pflegen, zu beschützen und wachsen zu lassen. „Vergelt’s God für ois und Pfiade God Sepp“ waren ihre Schlussworte.

Bayerische Heimaterde im roten Sand von Chamba

Für einen bewegenden Moment sorgte Irmgard Hilmer, als sie dunkle Heimaterde aus dem Garten des Elternhauses von Pfarrer Renner als letzten Gruß in das offene Grab streute. Die tiefschwarze bayerische Erde bildete in dem ansonsten von rotem Sand geprägten Landstrich Nordghanas ein Sinnbild seines außergewöhnlichen Lebens. Auch den restlichen Tag und die ganze Nacht wurde gefeiert: Die Rhythmen der traditionellen Trommeln und die Tänze sollten rituell dazu beitragen, den Geist des Verstorbenen mit Freude und Würde in das Reich der Ahnen zu verabschieden und zu begleiten.

Das leuchtende Vorbild eines treuen Werkzeugs Gottes

Der Sonntagmorgen stand im Zeichen eines Dankgottesdienstes in der von Pfarrer Renner gegründeten Pfarrei Chamba. Hier würdigte ein weiterer hochrangiger Kirchenvertreter das geistliche Vermächtnis und Lebenswerk des Missionars. Father Jacob Yagri, Leiter des Priesterseminars in Tamale, sprach in seiner Ansprache über die priesterliche Identität und Berufung, die Pater Renner verkörpert habe. Er verdeutlichte, dass ein Missionar letztlich nur Werkzeug Gottes sei. Renner habe die Sakramente und das Wort Gottes nicht als sein Eigentum betrachtet, sondern sie den Menschen als sichtbare Zeichen der Liebe Gottes dargeboten. Seine Hingabe im Weinberg des Herrn bleibe ein Vorbild für die Ausbildung künftiger Priestergenerationen in ganz Ghana.

Selbst zu „Father Renner“ werden – das Licht des Glaubens weitertragen

Der Abschied von Pfarrer Josef Renner hinterließ eine tiefe Lücke, die von den Rednern im dörflichen Kontext mit dem Dagaaba-Begriff „Kuulanang“ beschrieben wurde, der besagt, dass der Tod Armut schafft. Die gemeinsame Botschaft aller Redner wies über den Schmerz hinaus: Ein Vermächtnis gehöre nicht in ein Museum, sondern müsse weitergeführt werden. Chamba und die Holy Spirit Parish dürften nicht in Unselbstständigkeit verharren, sondern seien aufgerufen, als eigenständige, lebendige Gemeinde das Erbe anzunehmen. Als der Sarg schließlich unter den rhythmischen Klängen afrikanischer Chöre beigesetzt wurde, weinte die riesige Trauergemeinde um ihren Vater. Über die Trauer hinaus blieb das Vermächtnis des „Maligu Naa“: Das Licht, das Pfarrer Josef Renner zu den Konkomba gebracht hatte, werde in der Klinik von Chamba, den Schulen und den Herzen der Menschen weiterleuchten. Die größte Ehre, die man dem Apostel der Konkomba nun erweisen könne, bestehe darin, das von ihm entzündete Licht des Glaubens und der Bildung weiterzutragen und tagtäglich füreinander „selbst zu Father Renner zu werden“.

Text und Fotos: Irmgard Hilmer
(SG/chb)

Weitere Infos

Spenden und Kontakt:

Wer das Lebenswerk von Pfarrer Josef Renner unterstützen möchte: Die Spenden an den Verein Ghana-Hilfe Pfarrer Renner e. V. fließen nach Angaben des Vereins zu 100 Prozent in den Erhalt von Schulen, Krankenstationen und in die Jugendförderung vor Ort.

Kontakt: Ghana-Hilfe Pfarrer Renner e. V., Irmgard Hilmer, Bergstraße 14, 94348 Atting. Telefon: 0170 3006831

E-Mail und Internet: info(at)ghana-hilfe.de | www.ghana-hilfe.de

Spendenkonto: LIGA Bank Regensburg | IBAN: DE02 7509 0300 0001 3102 67 | BIC: GENODEF1M05

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