Weihbischof Dominikus Schwaderlapp

Marsch für das Leben: Kölner Weihbischof Schwaderlapp warnt

„Keine politische Vereinnahmung!“


Köln / Regensburg, 11. September 2026

Knapp eine Woche vor dem Marsch für das Leben in Köln hat Weihbischof Dominikus Schwaderlapp seine erneute Teilnahme angekündigt und sich gegen eine parteipolitische Vereinnahmung des Lebensschutzes gewandt. Das Engagement für das Leben speise sich „aus dem Evangelium – nicht aus einer politischen Agenda“, teilte der Kölner Weihbischof CNA Deutsch mit.

„Dabei ist mir wichtig zu betonen: Wer das berechtigte Anliegen des Lebensschutzes für parteipolitische oder rechtspopulistische Zwecke zu instrumentalisieren versucht, dem widerspreche ich entschieden“, schrieb Schwaderlapp in seinen Antworten auf Fragen von CNA Deutsch. „Gemeinsam mit der Deutschen Bischofskonferenz lehnt das Erzbistum Köln jede Vereinnahmung des Marsches durch Parteien oder radikale Gruppierungen ab.“

„Ich plane, auch in diesem Jahr wieder am Marsch für das Leben teilzunehmen“, so der Weihbischof. „Es ist mir ein Herzensanliegen, hier vor allem die unverlierbare Würde jedes Menschen zu betonen – vom ersten Augenblick seines Lebens an bis zum natürlichen Tod.“ Dabei gehe es ihm nicht um eine Verurteilung von Menschen, sondern um ein solidarisches Zeugnis: für den Schutz der Schwächsten, für eine Kultur des Hinschauens statt Wegschauens und für eine Gesellschaft, in der niemand das Gefühl haben muss, eine Last oder überflüssig zu sein.

„Die Perspektive der Betroffenen möchte ich helfen, stark zu machen: Frauen und Männer, die unter einem Schwangerschaftskonflikt leiden, Menschen mit Behinderung, ihre Familien, aber auch alle, die im Gesundheitswesen und in der Beratung Verantwortung tragen“, sagte er. „Der Marsch soll aus meiner Sicht kein Signal der Polarisierung sein, sondern ein Zeichen des Dialogs und der Ermutigung: Wir stehen an der Seite des Lebens, aber ebenso an der Seite der Menschen in schwierigen Situationen.“

Der Marsch für das Leben beginnt am Samstag, 19. September, um 13 Uhr gleichzeitig in Köln und Berlin. Treffpunkt in Köln ist der Neumarkt, in Berlin der Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof. Nach Angaben des Bundesverbands Lebensrecht endet die Veranstaltung gegen 16:30 Uhr. In Köln findet der Marsch zum vierten Mal statt, in Berlin zum 22. Mal. Der Verband wirbt unter dem Motto „Lebensrecht ist Menschenrecht. Ein Schritt für das Leben – sei dabei!“.

„Wer Frauen in Schwangerschaftskonflikten unterstützen will, sollte mehr tun, als nur rechtliche Rahmenbedingungen zu diskutieren“, schrieb der Weihbischof. Als ersten Schritt nannte er die „Stärkung der Beratungs- und Hilfsangebote: Flächendeckend zugängliche, qualifizierte Beratung, die nicht unter Zeitdruck steht und die Optionen fair darlegt. Dazu gehören auch finanzielle und psychosoziale Hilfen, damit eine Frau nicht aus wirtschaftlicher Not oder sozialem Druck heraus eine Entscheidung trifft, die sie später belastet.“

Bei den sozialen Rahmenbedingungen für Familien zählte Schwaderlapp „eine familienfreundliche Arbeitswelt, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, verlässliche Kinderbetreuung sowie gezielte Unterstützung für Alleinerziehende“ auf. „Wenn wir vom Schutz ungeborenen Lebens sprechen, müssen wir auch die Lebensbedingungen der Familien in den Blick nehmen“, betonte er.

„Politik wie Kirche sind gefordert, Strukturen zu schaffen, in denen Familien mit einem behinderten Kind nicht allein gelassen werden: durch Entlastungsangebote, Inklusion in Bildung und Arbeitswelt sowie durch eine öffentliche Sprache, die nicht Defizite betont, sondern die Würde und Begabungen dieser Menschen“, forderte er.

„Die Kirche muss ein verlässlicher Ort der Barmherzigkeit sein – für alle Beteiligten“, so der Weihbischof. Dazu gehören für ihn drei Punkte: „Unterstützung und Ausbau kirchlicher Beratungseinrichtungen, praktische Hilfe in den Gemeinden für werdende Mütter und Familien in Not, geistliche Begleitung und seelsorgliche Angebote für alle, die in solchen Lebenssituationen Orientierung, Trost oder Versöhnung suchen.“

Nach Veranstalterangaben nahmen 2025 rund 7.000 Menschen an den beiden Märschen teil, davon rund 4.000 in Berlin und etwa 3.000 in Köln. Rechtlich hat sich an der aktuellen Lage nichts geändert. Vorgeburtliche Kindstötungen sind in Deutschland grundsätzlich rechtswidrig, bleiben aber innerhalb der ersten zwölf Wochen nach der Empfängnis straffrei, wenn eine Beratung stattgefunden hat. Im Jahr 2025 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 106.000 Abtreibungen gemeldet. Zwischen 1996 und 2023 wurden Schätzungen zufolge rund 1,8 Millionen Kinder abgetrieben.

Menschliches Leben steht nach kirchlicher Lehre von der Empfängnis an unter dem besonderen Schutz Gottes. Papst Johannes Paul II. bekräftigte in Evangelium vitae (1995) mit päpstlicher Lehrautorität: „Mit der Petrus und seinen Nachfolgern von Christus verliehenen Autorität bestätige ich daher in Gemeinschaft mit den Bischöfen der katholischen Kirche, daß die direkte und freiwillige Tötung eines unschuldigen Menschen immer ein schweres sittliches Vergehen ist.“

„Gerade angesichts der aktuellen politischen Debatte um den Schutz des ungeborenen Lebens halte ich es für wichtig, dass wir als Kirche mit einer klaren und zugleich einladenden Stimme sprechen – und dass wir sichtbar werden für das, woran wir glauben“, forderte Schwaderlapp „Mein Wunsch ist, dass jede Frau in einer Notlage spürt: Du bist nicht allein – es gibt Menschen und Institutionen, die an deiner Seite stehen und dir helfen, Wege für das Leben zu finden.“

Text: CNA Deutsch

(sig)



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