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Mariä Himmelfahrt

Mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen

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Regensburg, 13.08.2022

Am 15. August feiert die Kirche das Hochfest von der Aufnahme Mariens in den Himmel. Der Vorsitzende des Institutum Marianum Regensburg, Prof. Dr. Josef Kreiml, zeigt die Entstehung des Hochfestes auf und erklärt seine Bedeutung.

Die Verkündigung des Dogmas

Am 1. November 1950 hat Papst Pius XII. die in der Kirche schon lange verbreitete Glaubensüberzeugung, dass Maria mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen worden ist, als verbindliche Glaubenslehre (Dogma) verkündet und endgültig bestätigt. Diese Glaubenslehre ist im Römerbrief (vgl. Röm 8,30) grundgelegt. In Jerusalem wurde bereits im fünften Jahrhundert am 15. August das Fest der Entschlafung (dormitio) Marias gefeiert. Die Kirche des Westens übernahm dieses Fest als Feier der „Aufnahme der seligsten Jungfrau Maria“ in den Himmel mit Leib und Seele. Die Begriffe „Leib“ und „Seele“ stehen für den einen und ganzen Menschen, der als leibliches wie als geistiges Wesen existiert. Insofern ist auch das letzte Ziel des irdischen Pilgerweges als Ganzheit zu fassen: als Vollendung von Leib und Seele. Maria ist ganz und ungeteilt bei Christus (vgl. Thomas von Aquin).

Die Glaubensdefinition aus dem Jahr 1950

Die Glaubensaussage von der Aufnahme Marias in den Himmel, die Papst Pius XII. 1950 als verbindliche Glaubenslehre vorgelegt hat, beinhaltet Folgendes: Weil Maria in einzigartiger Weise mit der Erlösungstat Christi verbunden ist, nimmt sie auch an der Auferstehungsgestalt ihres Sohnes als die Ersterlöste und Vollerlöste teil. Maria ist aufgrund ihrer Gottesmutterschaft das bedeutendste Glied am Leib Christi, der Kirche, und Urbild der Kirche. Sie wurde „als Königin des Alls vom Herrn erhöht, um vollkommener ihrem Sohn gleichgestaltet zu sein“ (Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen Gentium, Nr. 59).

Am 1. Mai 1946 hat Papst Pius XII. im Hinblick auf diese Glaubensfrage alle Bischöfe der Weltkirche um ihr Votum gebeten. Durch das positive Echo ermutigt, vollzog der Papst am 1. November 1950 die Dogmatisierung in seiner Apostolischen Konstitution „Munificentissimus Deus“. Die zentrale Glaubensaussage darin lautet: „Es ist eine von Gott geoffenbarte Glaubenswahrheit, dass die unbefleckte, immer jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele zur himmlischen Herrlichkeit aufgenommen worden ist“ (Denzinger-Hünermann, Nr. 3903). Die Verkündigung dieses Dogmas diente vor allem – so Papst Pius XII. – der „Verherrlichung des allmächtigen Gottes“ und „der Ehre seines Sohnes“. Sie soll aber auch zur Freude der Gläubigen beitragen.

Eine gesteigerte Form des Marienlobes

Die dogmatische Definition von der Aufnahme Marias in den Himmel mit Leib und Seele ist Ausdruck einer gesteigerten Form des Marienlobes. Diese Glaubenslehre ist in erster Linie ein Akt der Verehrung jener Frau, die „bei Gott Gnade gefunden hat“ (Lk 1,30), „die geglaubt hat“ (Lk 1,45), an der sich deshalb das Ziel aller Jüngerschaft vollends erfüllt hat (vgl. Joh 12,26). Der Glaube, dass sie ihr endgültiges Ziel erreicht hat, stützt sich auf die Tatsache, dass Maria ihr Leben lang aufs Engste mit ihrem göttlichen Sohn verbunden war.

Glaubensaussage über Maria und Hoffnung für alle Glaubenden

Das Dogma von der Aufnahme Marias in den Himmel mit Leib und Seele enthält im Grunde zwei Botschaften: eine Glaubensaussage über die Gottesmutter und eine endzeitliche Hoffnung für alle Glaubenden. Die Formulierung „mit Leib und Seele“ meint die Überwindung des Todes in der höchsten, endzeitlichen Gestalt. Karl Rahner deutet diese verbindliche Glaubenslehre von der Aufnahme Marias in den Himmel so: „Wir bekennen von Maria, was wir als unsere Hoffnung für uns alle bekennen.“ Die Aufnahme Marias in den Himmel ist „die Vollendung der Heilstat Gottes an einem Menschen, die wir auch für uns erhoffen.“

Die Wahrheit von der Himmelfahrt Marias zeigt – so Papst Pius XII. – allen Menschen, „für welch erhabenes Ziel wir nach Leib und Seele bestimmt sind“. Der Papst äußerte in seiner Apostolischen Konstitution die Hoffnung, dass der Blick auf die verherrlichte Mutter Christi auch „den Glauben an unsere Auferstehung stärken und zu tatkräftigem Handeln führen“ (Munificentissimus Deus, Nr. 201) werde.

Mehr erfahren:

Josef Kreiml, Maria, die Vorerlöste und Vollerlöste – Über den Lebensbeginn und die Vollendung der Gottesmutter, 40 Seiten, 12 Abb., Format 13,6 x 19 cm, 1. Auflage 2020, Kunstverlag Josef Fink, ISBN 978-3-95976-307-3

 

Text: Josef Kreiml / (jw)

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