Katastrophenschutzübung der Malteser

Malteser: Zivilschutz wird zum Wettbewerbsfaktor

Resilienz muss Chefsache werden


München / Regensburg, 17. September 2026

Geopolitische Spannungen, Cyberangriffe, fragile Lieferketten und die Gefahr von Ausfällen kritischer Infrastrukturen stellen kleine und mittlere Unternehmen (KMU), also den sogenannten Mittelstand, vor immense neue Herausforderungen. Der Malteser Hilfsdienst rät dringend zu besserer innerbetireblicher Vorsorge. 

Nach Einschätzung der Malteser wird Zivil- und Selbstschutz zunehmend zu einer zentralen Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität und unternehmerischen Erfolg. Dies geht aus dem Fachbeitrag Zivil- und Selbstschutz als kritische Säule in KMU von Thomas Haas hervor. „Viele Unternehmen betrachten Sicherheit noch immer als Randthema. Tatsächlich ist sie längst zu einer betriebswirtschaftlichen Kernfrage geworden. Die Frage ist nicht mehr, ob eine Krise eintritt, sondern ob ein Unternehmen dann noch handlungsfähig ist“, sagt Thomas Haas, Leiter Einsatzdienste der Malteser in Bayern und Geschäftsführer der BayZBE gGmbH.

Krisen treffen Unternehmen direkter und schneller

Moderne Krisen entstehen oft aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren. Ein Cyberangriff, ein längerfristiger Stromausfall oder ein gezielter Angriff auf kritische Infrastruktur können innerhalb weniger Stunden Produktion, Kommunikation und Lieferketten beeinträchtigen. Der Anschlag auf eine Kabelbrücke in Berlin-Marzahn Anfang 2026 mit Folgen für Tausende Unternehmen und Haushalte verdeutlicht die Verletzlichkeit moderner Wirtschaftsstrukturen. „Unternehmen müssen lernen, in Wirkungsketten zu denken. Fällt der Strom aus, sind nicht nur Maschinen und IT betroffen. Binnen kürzester Zeit geraten Logistik, Personalplanung, Kundenkommunikation und Lieferfähigkeit unter Druck“, erklärt Haas.

Mit dem KRITIS-Dachgesetz und dem Operationsplan Deutschland rücken Unternehmen stärker in den Fokus der nationalen Resilienz- und Sicherheitsplanung. Zwar sind viele Mittelständler nicht direkt von gesetzlichen Regelungen betroffen, über Liefer- und Dienstleistungsketten geraten sie jedoch zunehmend in entsprechende Verantwortung. „Der Mittelstand ist nicht nur wirtschaftliches Rückgrat unseres Landes. Handwerksbetriebe, Logistiker, Pflegeeinrichtungen oder IT-Dienstleister sind zugleich entscheidende Stabilitätsfaktoren für unsere Gesellschaft. Ihre Handlungsfähigkeit ist im Krisenfall von öffentlichem Interesse“, betont Haas.

Malteser empfehlen konkrete Vorsorgemaßnahmen

Die Malteser raten Unternehmen, Resilienz systematisch aufzubauen und als Führungsaufgabe zu verstehen. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:

• Kritische Abhängigkeiten bei Energieversorgung, IT-Systemen, Lieferanten und Dienstleistern identifizieren und bewerten. 
• Vertretungsregelungen für Schlüsselpositionen schaffen und regelmäßig überprüfen. 
• Die tatsächliche Verfügbarkeit von Mitarbeitenden in Krisenlagen realistisch einschätzen, etwa bei Betreuungsverpflichtungen oder möglichen Reservisteneinsätzen. 
• Stromausfälle, Lieferkettenunterbrechungen, Cyberangriffe oder Personalausfälle in Krisenübungen und Planspielen regelmäßig durchspielen. 
• Notfall- und Kommunikationspläne erstellen sowie analoge Ausweichverfahren für den Ausfall digitaler Systeme vorhalten. 
• Kooperationen mit Hilfsorganisationen, Kammern, Feuerwehren und weiteren Akteuren des Bevölkerungsschutzes aufbauen. 
• Mitarbeitende in Selbstschutz, Notfallvorsorge und Krisenbewusstsein schulen.

Haas: „Resilienz entsteht nicht durch dicke Handbücher. Sie entsteht durch Vorbereitung, Übung und klare Verantwortlichkeiten. Unternehmen sollten sich schon heute fragen: Was passiert, wenn zentrale Annahmen morgen nicht mehr gelten?

Resilienz schafft Wettbewerbsvorteile

Nach Auffassung der Malteser bietet eine vorausschauende Krisenvorsorge nicht nur Schutz vor Schäden. Sie kann auch ein Wettbewerbsvorteil sein. Kunden, Banken, Versicherungen und öffentliche Auftraggeber achten zunehmend darauf, wie belastbar Unternehmen gegenüber Störungen aufgestellt sind. „Wer Resilienz frühzeitig aufbaut, schützt nicht nur sein Unternehmen. Er stärkt seine Marktposition. Krisenfestigkeit entwickelt sich zu einem Qualitätsmerkmal, das künftig ähnlich wichtig sein wird wie Produktqualität oder Liefertreue“, so Haas.

Text: Pressereferat Malteser Bayern

(sig)



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