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Zur Neuigkeit
Magnifica Humanitas: Eine Enzyklika auch über KI
Macht KI uns menschlicher oder nur effizienter?
Regensburg, 11. Juni 2026
Mit „Magnifica humanitas“ hat Papst Leo XIV. seine erste Enzyklika vorgelegt. Doch was bedeutet diese aus Sicht der Digitalpastoral und welche Haltungen für den Umgang mit KI legt sie nahe?
„Sie [Anm. Künstliche Intelligenz] muss entwaffnet und lebensfreundlich gemacht werden.“ (Nr. 110). Mit diesem Satz bringt Papst Leo XIV. auf den Punkt, worum es in seiner ersten Enzyklika auch (aber nicht ausschließlich) geht. Magnifica humanitas – „die großartige Menschheit“ – erschien am Pfingstmontag, 25. Mai 2026, und trägt den Untertitel „Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz“.
KI ist nicht neutral
Die Enzyklika fragt gar nicht erst, ob KI gut oder schlecht ist; sie hält die Frage für zu kurz gegriffen (vgl. Nr. 4, 9 und 104). Stattdessen macht sie klar: Technik ist nie neutral. Sie trägt die Züge derer, die sie entwerfen, finanzieren und regulieren. Wer ein KI-System einsetzt, übernimmt damit Entscheidungen, die längst andere getroffen haben: darüber, was sichtbar wird, was als wertvoll gilt, was als Risiko und was als wichtig.
Leo XIV. arbeitet das in den biblischen Bildern vom Turmbau zu Babel (vgl. Gen 11,1-9) und dem Wiederaufbau der Mauern Jerusalems (vgl. Neh 2-6). Babel steht für eine Zivilisation, die Würde der Effizienz opfert, auf Uniformität statt Gemeinschaft setzt und die eigene menschliche Schöpfungskraft so überhöht, dass der Mensch sich selbst zu Gott macht. Jerusalem und Nehemia stehen für das Gegenteil: nämlich das gemeinsame Bauen, das Einbinden verschiedener Stimmen und die Ausrichtung des eigenen Handelns auf Gott. Welches Menschenbild – Babel oder Jerusalem – hinter einer technischen Anwendung steht, etwa hinter einem KI-Tool, ist eine Frage, die weit vor der konkreten Anwendung zu beantworten ist.
Was der Papst daraus ableitet, bündelt er in einem Bild: KI „entwaffnen“ (Nr. 110) und fordert damit, die selbstverständliche Gleichung „technische Macht ist gleich Herrschaftsrecht“ aufzubrechen. KI muss der Logik des wirtschaftlichen, militärischen und geistigen Wettstreits entzogen werden und sie soll dadurch hinterfragbar, anfechtbar und lebensfreundlich werden.
Wie also mit digitalen Werkzeugen umgehen?
Die Enzyklika richtet sich nicht nur an Politik und Konzerne. Sie spricht uns alle an als Menschen, die in digitalen Räumen handeln. Einige Haltungen, die sie nahelegt:
- Bewusst entscheiden, wann KI nicht zum Einsatz kommt (Nr. 100 und 140)
Nicht alles muss die KI übernehmen. Wenn sie uns das eigene Nachdenken abnimmt, lassen wir sie besser weg, auch wenn das schnelle Ergebnis lockt. Wenn sie Mitgefühl oder Rat nur vortäuscht, ersetzt sie kein echtes Gespräch. Und bei schwerwiegenden, unumkehrbaren Entscheidungen, die die Würde des Menschen berühren, sollte man sie ebenfalls weglassen. - Eine „Hygiene der Aufmerksamkeit“ pflegen (Nr. 146).
Das heißt: Sich bewusst Pausen vom ständigen Online-Sein gönnen. Mal still werden, sich in eine Sache vertiefen, nicht sofort auf jede Nachricht reagieren, beten. So bewahren wir uns eine innere Freiheit gegenüber der Dauerpräsenz digitaler Technologien. - Sich keine Beziehung vorspiegeln lassen (Nr. 99f.).
Ein Chatbot kann freundlich klingen, mitfühlend wirken, sogar fromm reden. Aber er fühlt nichts. Eine echte Umarmung, ein gemeinsames Essen, ein Mensch, der wirklich da ist, darin ist auch der Heilige Geist zu spüren. Das kann keine Technologie ersetzen. - Die eigene Sprache im Netz prüfen (Nr. 214).
Wie reden wir eigentlich im Netz? Welche Vorurteile, welche Schärfe schwingt mit? Jedes Wort ist eine Chance: die Wahrheit sagen, jemanden trösten, Unrecht ansprechen, jemandem eine Stimme geben, der sonst nicht gehört wird. Oder das Gegenteil. - Unterscheiden lernen (Nr. 132ff.)
Was stimmt, und was können wir getrost beiseitelassen? Im Netz vermischen sich Fakten, Meinungen und gezielte Falschinformation; gerade hier braucht es ein geübtes Urteil. - „Sich auf den Baustellen unserer Zeit die Hände schmutzig machen.“ (Nr. 16, Nr. 241)
So formuliert es der Papst. Also: nicht in der eigenen Blase bleiben, nicht weltfremd abseitsstehen, sondern anpacken. Beten, planen, mitarbeiten. Gott im Blick, den Menschen im Mittelpunkt. Für digitale Räume gilt das genauso wie für analoge.
Was das für die Digitalpastoral bedeutet
„Die Enzyklika liefert uns kein Programm. Aber sie liefert ein Beurteilungsraster, das wir jetzt auf konkrete pastorale Situationen anwenden können.“, sagt Tanja Matok, Leitung der Fachstelle Medien und Digitalpastoral. Für die Fachstelle kommt die Enzyklika zur richtigen Zeit. Künstliche Intelligenz in der pastoralen Praxis war in diesem Fachbereich von Anfang an ein Schwerpunkt, v.a. in der konkreten Anwendung in der Pastoral und im Religionsunterricht.
Text: Tanja Matok, Leitung der Fachstelle Medien und Digitalpastoral
(kw)
Weitere Infos
Zum deutschen Volltext der Enzyklika
Die Fachstelle Medien & Digitalpastoral trägt seit Januar 2026 den Fachbereich Digitalpastoral offiziell im Namen. Dies bedeutet, dass digitale Räume dort nicht nur in Form von Social-Media-Präsenz wahrgenommen, sondern als vielfältige Orte, an denen Glaube weitergegeben und gemeinsam gelebt wird.
Die Fachstelle arbeitet an praktischen Materialien für einen reflektierten Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Pastoral und Religionsunterricht – für Haupt- und Ehrenamtliche ebenso wie für Lehrkräfte. Demnächst erscheint zudem eine Arbeitshilfe zum konkreten Einsatz generativer KI in der Pastoral, entstanden in einer Arbeitsgruppe mit Menschen aus der pastoralen Praxis. Sie greift die Anliegen der Enzyklika auf und überträgt sie in die Praxis. Interesse an den Materialien? Schreiben Sie an medien-digitales(at)bistum-regensburg.de
Sie möchten einen ersten Einblick in den Umgang mit KI in der pastoralen Praxis erhalten? Über das Thema Bias/Datenverzerrungen bei KI-Systemen in der praktischen Anwendung in der Pastoral finden Sie hier eine Übersicht




