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Märtyrerin des Monats Oktober: Chorsängerin Sarah Yohanna Madaki

Opfer des Terrors von Boko Haram

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Regensburg, 24. Oktober 2022

Jeden Monat stellt die "Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen" Märtyrer und Märtyrerinnen unserer Zeit in Porträts vor. Diesmal ist es die 17-jährige Sarah Yohanna Madaki, die am 28. Oktober 2012 Opfer der Terrorgruppe Boko Haram wurde.

Das Martyrium liegt in diesem Monat zehn Jahre zurück: Sarah Yohanna Madaki war 17 Jahre alt und ein aktives Mitglied der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Rita in der nordnigerianischen Stadt Kaduna. Bei der Sonntagsmesse am 28. Oktober 2012 sang sie wie immer im Chor ihrer Gemeinde. Mehrere hundert Menschen waren in der Kirche versammelt. Kurz vor der Austeilung der Kommunion durchbrach ein Wagen den Zaun vor dem Gotteshaus. Ein Selbstmordattentäter drang damit bis an die Seite des Chores vor. Das Auto kam dort zur Explosion.

Sarah und drei weitere Chormitglieder wurden getötet. Mehr als 200 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Bei der Beerdigung bezeichnete Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso von Kaduna die Opfer des Anschlags als Märtyrer. Das Attentat wurde der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram zugeschrieben. Die Kirche wurde wieder aufgebaut und der Chor singt wie früher bei den Messen, oft in Erinnerung an die Opfer von 2012. Medienberichten zufolge appellierte der Erzbischof an die Christen, dem Täter zu vergeben und für ihn und seine Hintermänner zu beten.

Die radikalislamische Organisation Boko Haram startete ihren Feldzug mit dem Ziel der Errichtung eines islamischen „Gottesstaates“ 2009 im Norden Nigerias. Ihr Name steht für die Ablehnung westlicher Einflüsse. „Bok“ heißt übersetzt Bildung und „haram“ bedeutet „sündig“ oder „schlecht“. Wenn ein junger Mensch eine Schule besucht, ist das für sie gleichbedeutend mit einer Sünde, die sich gegen die islamische Kultur wendet. Mehr als die Hälfte der Schulen im Nordosten Nigerias mussten geschlossen werden, wenn sie nicht durch Attentate zerstört worden waren.

Mitte des vorigen Jahrzehntes galt Boko Haram dem „Globalen Terrorismus Index“ zufolge als die gefährlichste und blutrünstigste Terrorgruppe weltweit. Zehntausende Menschen sind ihr zum Opfer gefallen, Sicherheitskräfte wie Zivilisten, darunter viele Kinder; fast 2,4 Millionen Menschen waren gezwungen, infolge der Gewalt ihre Heimat hinter sich zu lassen, während weitere sieben Millionen Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt wurden. Im Jahr 2021 starb ihr langjähriger Anführer Abubakar Shekau bei einer selbst herbeigeführten Detonation. Im April 2022 ermahnte der Generalstaatsanwalt des Internationalen Strafgerichtshofs Nigeria, die Verantwortlichen des Terrors endlich zur Rechenschaft zu ziehen. Durch die Gewalt und die Straflosigkeit entstand vor allem Druck auf die Christen im Land zur Auswanderung.

Text und Bild: Stephanus-Stiftung für verfolgte Christen (Walter Flick und Michaela Koller)/kw