News Bild Lieber Ramwold!

Lieber Ramwold!

Home / News

Lieber Ramwold,

um ehrlich zu sein: Ich kannte Dich nicht. Und um noch ehrlicher zu sein: Da bin ich nicht der einzige. Dein Name ist sehr selten. Wer heute nach einem Namen für ein Kind sucht, wird nur schwer auf Deinen stoßen. „Ramwold“ findet sich nicht gerade unter den beliebtesten Vornamen in Deutschland. Schade eigentlich.

Wir wissen leider sehr wenig von Dir. Vermutlich wurdest Du um das Jahr 900 herum geboren, wahrscheinlich in Trier. Du wurdest Mönch und hast in Trier Wolfgang kennengelernt, den heiligen Bischof von Regensburg, den Patron unseres Bistums. Damals war es üblich, dass der Regensburger Bischof zugleich immer auch Abt des Benediktinerklosters St. Emmeram war. Diese Personalunion wollte der heilige Wolfgang beenden und war auf der Suche nach einem geeigneten Mann, der an seiner Stelle das bedeutende Kloster führen konnte – und kam auf Dich. 975 wurdest Du Abt in Regensburg. 75 Jahre alt warst Du damals. Mit diesem Alter danken heute viele Benediktineräbte ab und ziehen sich von der Leitung ihres Klosters zurück. Du machtest Dich in diesem hohen Alter erst an die Arbeit.

Und das mit Erfolg: In St. Emmeram ließt du eine Hochkrypta errichten und hast Reformen im klösterlichen Leben angestrebt. Diese Reform war so erfolgreich, dass einige Deiner Mönche selbst als Äbte zu anderen Benediktinern gerufen wurden, nach Trier, Magdeburg, Merseburg, Lüttich und Prüll vor den Toren der Stadt Regensburg. Viele Adlige waren von Deiner frommen Lebensweise begeistert. Der heilige Heinrich scheint dich so sehr verehrt zu haben, dass er selbst zu den Sargträgern gehörte, als du starbst.

Ramwold, Deine Zeit ist uns heute fremd. Wir können es uns gar nicht mehr vorstellen, wie das Leben vor tausend Jahren gewesen sein mag. Sicher ist: Dein Kloster wurde zu einem wichtigen kulturellen Zentrum. In einer Zeit, in der viele Menschen weder lesen noch schreiben konnten, wart Ihr Mönche für das Kulturleben unverzichtbar. Ihr hattet Bücher – für den normalen Menschen ein unbezahlbares Vergnügen. So habt Ihr das Wissen der Menschheit durch die Zeiten getragen.

Als Du schon sehr alt warst, wurdest Du blind. Du konntest Deine Umwelt nicht mehr sehen. Eines Tages hast Du vor dem Altar gebetet. Du scheinst eingeschlafen zu sein. Im Traum stieg Christus vom Altar herab, nahm die Altarkerzen und öffnete Dir damit die Augen. Als du wieder aufgewacht bist, konntest Du wieder sehen. Wir verehren Dich unter anderem deshalb als Seligen und als Patron der Blinden. Vielleicht nicht nur derer, die kein Augenlicht mehr haben, sondern auch derer, die blind durch das Leben gehen, die Licht brauchen können.

Dein Benedikt