Libanon: Außenminister wendet sich an Vatikan

Christen bitten Papst um Hilfe


Beirut / Rom, 11. März 2026

Libanons Außenminister hat sich an den Heiligen Stuhl mit der Bitte um Hilfe für die Christen im Süden des Landes gewandt. Sein dringendes Anliegen brachte er in einem Telefonat mit Erzbischof Gallagher vor, wie der libanesische Politiker selbst in einem Beitrag auf X mitteilte.

Der Libanon bittet den Heiligen Stuhl um Hilfe und Schutz, um die Präsenz der Christen im Süden des Landes, an der Grenze zu Israel, zu bewahren, die von neuen Gewaltausbrüchen im Nahen Osten, unaufhörlichen Bombardierungen und Evakuierungsbefehlen betroffen sind, die eine massive humanitäre Krise verursacht haben. Youssef Raggi, Außenminister des Landes der Zedern, gab über seinen Account im sozialen Netzwerk X bekannt, dass er an diesem Dienstag ein Telefongespräch mit Erzbischof Paul Richard Gallagher, dem vatikanischen Sekretär für die Beziehungen zu Staaten und internationalen Organisationen, geführt ath. Der Dialog zwischen den beiden wurde auch vom Direktor der Pressestelle des Heiligen Stuhls, Matteo Bruni, bestätigt.

Die Worte des Papstes in Beirut

Gallagher und Raggi, so der libanesische Außenminister, hätten „sich über die jüngsten Entwicklungen im Libanon und die schwierige Lage der Grenzdörfer im Süden ausgetauscht. Ich habe den Heiligen Stuhl gebeten, zu intervenieren und zu vermitteln, um zur Erhaltung der christlichen Präsenz in diesen Dörfern beizutragen, deren Bewohner stets den libanesischen Staat und seine offiziellen militärischen Institutionen unterstützt haben und diesem Engagement nie untreu geworden sind“. Monsignore Gallagher habe laut Angaben des libanesischen Politikers „erklärt, dass der Heilige Stuhl alle notwendigen diplomatischen Kontakte knüpft, um die Eskalation im Libanon zu stoppen und die Vertreibung der Bürger aus ihrem Land zu verhindern“. Er habe auch versichert, dass „der Libanon immer in den Gebeten Seiner Heiligkeit des Papstes gewesen sei und weiterhin sei“.

Der Libanon war neben der Türkei das Ziel, das Leo XIV. für seine erste internationale Apostolische Reise im vergangenen Dezember ausgewählt hatte. Während dieser Reise sprach der Papst in verschiedenen öffentlichen Erklärungen unter anderem auch das Thema des Bevölkerungsrückgangs der Christen im Land der Zedern an, das die größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten beherbergt, die hauptsächlich aus Maroniten, aber auch aus griechisch-orthodoxen, melkitischen und armenischen Christen besteht. Der Papst hatte den Verbleib der Christen als Mission zur Entwicklung einer „Zivilisation der Liebe und des Friedens” bezeichnet. Und Präsident Joseph Aoun selbst erklärte bei der Begrüßung des Papstes in Beirut: „Wenn die Christen im Libanon verschwinden würden, würde das empfindliche Gleichgewicht zusammenbrechen und mit ihm die Gerechtigkeit”.

Schmerz über Vorgänge im Nahen Osten

Am Montag hat der Papst – laut einer Mitteilung der Pressestelle des Heiligen Stuhls – sein Beileid für die Ereignisse im Nahen Osten ausgedrückt, insbesondere für die vielen „Unschuldigen“, vor allem Kinder, die Opfer der Bombardierungen geworden sind. Unter ihnen ist auch der maronitische Priester Pater Pierre El Raii, der gestern in Qlaya getötet wurde, als er versuchte, einem seiner Gemeindemitglieder zu helfen, das bei einem Angriff auf ein Haus in seiner Gemeinde in den Bergen verletzt worden war.

Zu diesem Vorfall äußerte sich am Abend auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und erklärte, dass auch die Kirche dem Leiden der Bevölkerung nicht ausgenommen sei. Der Kardinal bekräftigte auch die Bedeutung der Instrumente der Diplomatie, „Instrumente des Wortes, der Vernunft, der Weisheit“, die jedoch nicht immer angenommen werden. „Wir haben keine Zwangsmittel, um unsere Sicht der Dinge durchzusetzen”, sagte er und versicherte, dass der Heilige Stuhl weiterhin „auf den Grundprinzipien besteht, die das zivile und friedliche Zusammenleben der Völker regeln müssen”, und dass er weiterhin „mit allen spricht”. Was die Gefahr betrifft, dass es keine christliche Präsenz mehr im Heiligen Land und im Nahen Osten im Allgemeinen geben könnte, erklärte Parolin, dass dies ein Risiko sei, das vom Heiligen Stuhl immer wieder angeprangert werde: „Sicherlich sind Krieg, Destabilisierung, Konflikte und zunehmender Hass der Präsenz von Christen nicht förderlich, daher ist dies ein Grund zur noch größeren Sorge.“

Nähe und Gebet

Seitens des Heiligen Stuhls wurde dem Libanon in den letzten Tagen auch die Nähe von Kardinal Michael Czerny, dem Präfekten des Dikasteriums für den Dienst der ganzheitlichen menschlichen Entwicklung, bekundet, der vor genau einem Jahr, im Februar 2024, im Auftrag des Papstes (damals Franziskus) den Libanon besucht hatte, der gerade den Krieg zwischen Israel und der Hisbollah hinter sich hatte. Der Kardinal begab sich in den Süden des Landes, besuchte das Dorf Alma al-Shaab und sah mit eigenen Augen die Zerstörung durch die Bombardierungen, die weder Häuser noch Kirchen verschont hatten. Czerny bekundete den Bewohnern des Dorfes Alma al-Shaab, aber auch denen von Rmeish, Ein Ebel, Debel und anderen benachbarten Gebieten seine Nähe und versicherte ihnen, in dieser dramatischen Zeit für sie zu beten.

Text: Vatican News

(sig)



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