News Bild „Lebenswelten Jugendlicher vs. Kirchliche Jugendarbeit!? - Studientagung für Jugendseelsorge informiert sich über Sinus-Milieu-Studie

„Lebenswelten Jugendlicher vs. Kirchliche Jugendarbeit!? - Studientagung für Jugendseelsorge informiert sich über Sinus-Milieu-Studie

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„Wie ticken Jugendliche?“ – Dieser Frage stellte sich die diesjährige Studientagung für Jugendseelsorge, zu der sich rund 75 Jugendarbeiter im November in der Jugendbildungsstätte Windberg einfanden.
„Ticken“ will sagen: wie denken, leben, handeln Jugendliche?, wie sind sie eingestellt?, welchen Hobbys gehen sie nach?, ...

Dafür sollten die Ergebnisse der Sinus-Milieu-Studie U 27 – gemeinsam herausgegeben vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend und Misereor - eine wichtige Grundlage bilden. Als Autor der Studie präsentierte Dr. Marc Calmbach von Sinus Sociovision Heidelberg die U 27-Studie, und Markus Etscheid von der BDKJ-Bundesstelle in Düsseldorf begleitete als Vertreter der Auftraggeber der Studie und als Fachmann die Studientagung von Anfang bis zum Ende.

Jugendliche Milieus
Dr. Calmbach gab einen Überblick über die Anlage der Studie bzw. der Stichprobe und informierte ausführlich und lebendig über die einzelnen Milieus. Ein Ergebnis der Studie war es, dass kirchliche Jugendarbeit fast ausschließlich in nur drei der sieben Milieus Resonanz findet, nämlich bei traditionellen und bürgerlichen Jugendlichen in erster Linie und teilweise auch bei postmateriellen Jugendlichen. Diese drei Milieu machen bei den Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren lediglich einen Anteil von 24% aus. Dagegen trifft man jugendliche Performer (25%) und konsum-materialistische Jugendliche (11%) weniger in der kirchlichen Jugendarbeit an, hedonistische (26%) und experimentalistische Jugendliche (14%) so gut wie gar nicht.

Open Space und Milieu-Gruppen
Den Einstieg am zweiten Tag bildete eine Präsentation, wie kirchliche Jugendarbeit von Jugendlichen wahrgenommen wird. Schüler wurden hierzu befragt. In der sich anschließenden Open-Space-Phase wurden Fragen besprochen, die den Teilnehmenden nach der Präsentation der Studie „auf den Nägeln brannten“: „Ist kirchliche Jugendarbeit überhaupt offen für notwendige Veränderungen?“, Will kirchliche Jugendarbeit überhaupt andere Zielgruppen erreichen?“ „Müssten nicht auch die Hauptberuflichen in der Jugendarbeit aus verschiedenen Milieus kommen?“ oder „Wie erreicht kirchliche Jugendarbeit die Aufmerksamkeit der Jugendlichen?“.

Am Nachmittag teilten sich die Teilnehmenden in Milieu-Gruppen auf und überlegten unter Beratung eines in dem jeweiligen Milieu kundigen Fachmannes, wie kirchliche Jugendarbeit eben dort agieren könnte (ohne sich anzubiedern),um mit dieser Zielgruppe in Berührung und in Austausch kommen zu können. Konkrete Ideen und Aktionsvorschläge wurden dabei ausgearbeitet.

Der Abend stand unter dem Jubiläumsvorzeichen „70 Jahre Bischöfliches Jugendamt Regensburg“ – beginnend mit einer Eucharistiefeier, bei der Jugendpfarrer und BDKJ-Diözesanpräses Thomas Pinzer in seiner Predigt darauf einging, dass kirchliche Jugendarbeit im Laufe ihrer Geschichte auch in schwierigen Situationen es immer wieder geschafft habe, beweglich zu bleiben und mit neuen Ideen und viel Mut junge Menschen anzusprechen und sie für die Sache Jesu zu begeistern. Was die Milieus betrifft, so sei es wesentlich, die Trennungslinien zwischen den Milieus nicht zu zementieren, sondern aufzubrechen. Gegenseitige Achtsamkeit, Wertschätzung und Friedfertigkeit können dabei einen möglichen Weg aufzeigen. Die „StuJu-Band“ umrahmte den Gottesdienst musikalisch. Die Gruppe b.o.s.s. rundete anschließend mit ihrem bunten Musikkabarett bei mitreißenden Liedern und dabei doch tiefsinnigen Texten den festlichen Abend ab.

Nach den Milieugruppenberichten fasste Markus Etscheid am Mittwoch die Chancen und Grenzen der Sinus-Milieu-Studie griffig zusammen, indem er ein Wort von Kurt Marti entfaltete: „Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und niemand ginge, um zu sehen, wohin man käme, wenn man ginge.“ Dabei wurde deutlich, dass das Thema der Studientagung geradezu eine Weiterarbeit auf allen Ebenen herausfordert. Die Teilnehmenden wollen deshalb in ihrem jeweiligen Arbeitsfeld konsequent an diesem Thema weiter arbeiten. Im kommenden Jahr wird sich die Studientagung für Jugendseelsorge mit dem Thema „Liturgie mit jungen Menschen“ beschäftigen.