Lebensqualität und Unabhängigkeit im Alter

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Caritas bietet verstärkt Hilfe für ältere Menschen mit Suchtproblemen / Auch Angehörige und Pflegekräfte können Neues erfahren und lernen

Die 82-jährige Maria hortet in ihrem Küchenschrank Unmengen von Medikamenten. Ihr Leben dreht sich nur noch um die Einnahme ihrer Schmerz- und Schlafmittel. Die Schwester des ambulanten Pflegedienstes, die einmal am Tag bei ihr vorbeikommt, sieht das mit wachsender Besorgnis. Erich ist 76 Jahre alt. Seit er die Stufen zu seiner Wohnung im zweiten Stock nicht mehr so gut steigen kann, bittet er seine Nachbarin, ihm sein Bier und seinen Cognac vom Einkauf mitzubringen. Sie hilft ihm aus alter Freundschaft. Doch als er immer wieder in seiner Wohnung stürzt und sich dabei blaue Flecken und Prellungen zuzieht, macht sie sich Sorgen.

Solche und ähnliche Situationen wurden der Caritas-Suchtberaterin Monika Gerhardinger immer wieder geschildert. Daher hat sie mit ihren Kollegen von der Fachambulanz für Suchtprobleme das Projekt „Lebensqualität im Alter“ ins Leben gerufen. Dieses startet jetzt ab Herbst und wird vorerst für drei Jahre vom Bezirk Oberpfalz finanziert. Ziel des Projektes ist es, mit verschiedenen Angeboten der Suchthilfearbeit ältere Menschen mit Sucht- und Abhängigkeitsproblemen stärker in den Blick zu nehmen. Sie haben spezielle Bedürfnisse und brauchen entsprechende Angebote und Hilfestellungen. „Bei älteren Menschen ist die Hemmschwelle sehr hoch, eine professionelle Beratung wegen eines Sucht- oder Abhängigkeitsproblem in Anspruch zu nehmen“, sagt Gerhardinger. Die Statistik der Fachambulanzen im Caritas-Suchthilfeverbund Ostbayern weist in den letzten zehn Jahren bei der Altersgruppe ab 60 Jahren nur 2,2 bis maximal 3,4 Prozent aus. Damit ist diese Gruppe gerade angesichts der demographischen Entwicklung extrem unterrepräsentiert. Als weitere Gründe für das Fehlen der älteren Menschen bei der Suchthilfe sieht Monika Gerhardinger ausgeprägte Schuld- und Schamgefühle und die geringere Mobilität älterer Menschen. Dabei wirken Suchtmittel wie Alkohol und Tabletten bei älteren Menschen aufgrund des sich verändernden Stoffwechsels viel stärker und sind damit viel schädlicher. Stürze nach Alkoholkonsum können bei älteren Menschen schwerste Verletzungen hervorrufen.

 

Kooperation mit bestehenden ehrenamtlichen Aktionskreisen

Eine gute Ausgangsbasis für das Projekt sind verschiedenen Aktions- und Helferkreise, die sich in den letzten Jahren in Regensburg entwickelt haben. Allen voran sind Gerd Schmücker und sein Kreis ehrenamtlicher Helfer für die Caritas der erste und tatkräftigste Kooperationspartner, wenn es um Besuchs- und Holdienste aber auch um Einzelberatung und Aufklärung geht. Die professionelle Caritas-Suchtberatung wird in dem Projekt als Netzwerkpartner für die ehrenamtlichen Helfer vom Treffpunkt Seniorenbüro, den Selbsthilfegruppen Kreuzbund, Dali Polytox und den Anonymen Alkoholikern dienen und in regelmäßigen Treffen und Besprechungen, gemeinsame Ideen und Strategien entwickeln.

 

Aufklärung und Rat für Angehörige und Pflegekräfte

Aus ihrer langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit Angehörigen von Menschen mit Suchtproblemen weiß Gerhardinger, dass viele gegenüber der Abhängigkeit ihrer Verwandten, Partner und Freunde hilf- und ratlos sind. Daher sind Angehörige eine der wesentlichen Zielgruppen ihrer Arbeit. Aber auch Pflegekräfte, die die körperliche und psychische Entwicklung ihrer Patienten sehr gut beobachten können, sind wichtige Adressaten in diesem Projekt. Die Caritas wird für Pflegekräfte ein Schulungskonzept  entwickeln, damit bei den Pflegeprofis Handlungsorientierung wachsen kann. „Ich werde in den nächsten Jahren viel in Altenpflegeschulen und Altenhilfeeinrichtungen unterwegs sein, um dort für das Thema Sucht im Alter zu sensibilisieren und Fachleute als Sucht-Ansprechpartner weiterzubilden“, beschreibt Monika Gerhardinger ihre Pläne.

 

Einzelberatung und Gruppenarbeit

Intensiviert wird an der Regensburger Fachambulanz auch das Angebot der Einzelberatung für ältere Menschen und ihre Angehörigen. Ab Oktober gibt es jeden Donnerstag von 13.00 bis 15.00 Uhr eine spezielle Sprechstunde, zu der Interessierte aber einen Termin vereinbaren sollten, um Wartezeiten zu vermeiden. Auch Hausbesuche sind jederzeit nach Terminvereinbarung möglich. Denn so wird gerade älteren Menschen der Kontakt zur professionellen Beratung immens erleichtert.

Jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat von 15.00 bis 16.30 Uhr trifft sich eine offene Gruppe, in der sich Betroffene oder Angehörige in vertraulicher Atmosphäre informieren können. Eine Anmeldung dazu ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos. Die Gruppe wird von Monika Gerhardinger und ehrenamtlichen Helfern begleitet. Das erste Treffen ist bereits am Donnerstag, 17. Oktober in den Räumen der Fachambulanz in der Von-der-Tann-Straße 9.

Monika Gerhardinger ist froh, dass das auf drei Jahre angelegte Projekt vom Bezirk genehmigt wurde. Sie sieht darin die Chance, all die, die bereits auf diesem Gebiet tätig sind, stärker zu vernetzen und damit effektiver zu werden. Und sie hofft, dass viele ihr Angebot nutzen werden. Denn, so sagt sie: „Man ist nie zu alt, um seine Lebensqualität ohne die Suchtmittel und damit die persönliche Unabhängigkeit zu steigern.“

 

Kontakt und weitere Informationen:

Fachambulanz für Suchtprobleme, Von-der-Tann-Straße 9, 93047 Regensburg, Telefon 09 41/5021-119, suchtambulanz(at)caritas-regensburg.de oder im Internet unter www.suchtambulanz-regensburg.de