News Bild Landshut: Diözesankomitee spricht über Herausforderungen der Kirche im 21. Jahrhundert

Landshut: Diözesankomitee spricht über Herausforderungen der Kirche im 21. Jahrhundert

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Wenn bei einer kirchlichen Veranstaltung die Organisatoren beinahe das Schild „wegen Überfüllung geschlossen“ anbringen wollen, dann ist das schon bemerkenswert. Die Frage, wie die katholische Kirche im 21. Jahrhundert aussehen kann, bewegt die Menschen. Aus diesem Anlass veranstaltete das Diözesankomitee in Kooperation mit der Pfarrei Landshut-St. Wolfgang und dem CBW Landshut am 12.10.2016 in der Reihe „Diözesankomitee vor Ort“ einen Gesprächsabend zum Thema „Kirche im 21. Jahrhundert – Bausteine einer lebendigen Kirche sein“. Nach einem Abendlob unter der Leitung von Pfarrer Wolfgang Hierl konnte der stellvertretende Vorsitzende des Diözesankomitees im Bistum Regensburg, Thomas Andonie, die Teilnehmer im überfüllten Pfarrsaal von St. Wolfgang begrüßen.

 

„Kirche ist wie ein Orchester“

In einem Impulsreferat verglich Präfekt Gerhard Pöpperl, Direktor der Berufungspastoral im Bistum Regensburg, die Kirche des 21. Jahrhunderts mit einem Orchester. Dabei werde oft vergessen, wie groß und vielfältig es sei. Die wahre Klangfülle des Orchesters entstehe erst durch die verschiedenen Instrumente. Ähnlich sei es mit dem Glauben: auch in der Kirche des 21. Jahrhunderts gebe es zu Recht und zu ihrem Gewinn unterschiedlichste Formen wie Glaube gefeiert werde. In vier Themenbereichen skizzierte Direktor Pöpperl verschiedene Fragestellungen. Bei den Strukturen der Kirche nannte er als Sinnbild für den Wandel den Umbau des Priesterseminars. Wo es früher Schlafsäle und Duschen auf dem Gang gegeben habe, gebe es heute Einzelzimmer mit Nasszellen. Auch in den Familien sei der Umbau zu beobachte. Wo früher sich mehrere Geschwister ein Zimmer teilten, hätte heute oft jedes Kind ein eigenes Zimmer. Die Veränderungen seien Ausdruck der veränderten Bedürfnisse.

 

Jugend lebt Glauben anders aber nicht schlechter

Auch bei den Pfarreiengemeinschaften, die entstanden sind, sei dies so zu verstehen. Freiheit dürfe nicht in Einsamkeit münden. Für den Bereich „Schöpfung“ merkte er an, dass die Kirche mit dem Paukenschlag der Umweltenzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus ein Zeichen gesetzt habe, die Kirche aber noch viele unausgeschöpfte Stärken in ihren Gliedern wie in ihrer Tradition habe. Zum Thema „Jugend und junge Erwachsene“ merkte er an, dass die Jugendlichen nicht erst in 10 Jahren zur Kirche gehörten, sondern bereits jetzt ihren Glauben leben würden. Sie würden ihn nicht schlechter, sondern nur anders leben. Für den Bereich der Glaubenskommunikation merkte Direktor Pöpperl an, dass diese zunehmend aus dem breiten öffentlichen Raum verschwinde und auch im privaten viele nicht mehr über den Glauben reden können oder wollten.

 

Elternhaus immer noch Grundlage für Glauben

Nach dem Impuls hatten die Anwesenden die Möglichkeit in fünf verschiedenen Kleingruppen über die Ergebnisse zu diskutieren. Am Ende wurden die Ergebnisse von Thomas Andonie dem Plenum vorgestellt. Zu den kirchlichen Strukturen merkten die Diskutanten an, dass die Nähe zu den Lebensräumen wichtig sei. Auch seien Kooperationen der Pfarreien wichtig, die von gegenseitiger Wertschätzung getragen werden müsse. Die Nachbarpfarrei dürfe nicht als Konkurrenz gesehen werden. Grundsätzlich sei es wichtig, den Laiendienst in der Kirche zu stärken, um den Glauben lebendig zu halten. Für den Aspekt der Ökologie wurde angeregt, das Bewusstsein für die Nachhaltigkeit vor Ort zu fördern, da dies auch gegen soziale Ungerechtigkeit helfe.

 

Auch eine liturgische Betrachtung des Themas sei nötig. Oft werde bemängelt, dass sich die Jugend für die Kirche nicht mehr interessiere. Der Vorbildcharakter durch einen glaubwürdig gelebten Glauben solle aber nicht unterschätzt werden. Gleichzeitig dürfe die Jugendarbeit, die vielerorts geleistet wird, nicht instrumentalisiert werden. Zum Thema Glaubenskommunikation wurde angemerkt, dass das Elternhaus immer noch die Grundlage für den Glauben darstelle. Auch könnte man sich die Kultur in Afrika zum Vorbild nehmen, indem man auf die Menschen zugehe, zuhöre, Geduld und Ausdauer zeige. Die Priester wurden aufgefordert, allgemeinverständlicher zu predigen. Auch solle die Rolle der Frau in der Kirche zentraler gesehen werden und mehr ernst genommen werden. In der Ökumene gebe es im Jahr 2017 aus Anlass des Reformationsgedenken die Chance, Gemeinsamkeiten zu feiern und die Unterschiede in den Konfessionen zuzulassen.