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Krippen – nicht nur zur Weihnachtszeit!

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Es war ein herrlicher Ausklang des Weihnachtsfestkreises: die Eröffnung der Krippenausstellung in Sankt Johannes Dingolfing. Dazu war auch Bischof Rudolf Voderholzer aus Regensburg als Schirmherr gekommen. Stadtpfarrer Martin J. Martlreiter, gleichzeitig Präsident des bayerischen Krippenverbandes, erläuterte zwei Gründe für die Entstehung der Ausstellung. Zum einen wurde 1467 der Grundstein für die Pfarrkirche Sankt Johannes gelegt und die Krippe gelte als Symbol für die Aufnahme Gottes in der Zeit und Welt, also auch symbolisch für den Kirchenbau. Zum anderen hat der Verband der Bayerischen Krippenfreunde im Jahr 2017 den 100. Geburtstag feiern können.

Jahreskrippen: Krippe ist nicht nur an Weihnachten ein Thema

 

"Was könnte es schöneres an diesem Vorabend der Epiphanie des Herrn geben, als diese Ausstellung miteröffnen zu können?" betonte Bischof Rudolf Voderholzer zu Beginn seines Grußwortes. Die vielfältige Verkündigung dieses Festes gebe den Krippen nochmal eine Bereicherung. Bischof Rudolf zeigte sich immer wieder fasziniert über den Einfallsreichtum der Krippenbauer. Und in keinem kirchlichen Bereich seien so viele Männer aktiv. "Eine Krippe ist viel mehr als eine Weihnachtsdekoration. Sie regt zum Glauben und zum darüber sprechen an" resümierte der Bischof und erinnerte, dass die Menschen vom Schauen leben. Er sei dankbar für die vielen Initiativen im Bistum, die sich mit Krippen beschäftigen. Hier werde ein großer Reichtum an Gestaltungskraft, sehr viel Kunstfertigkeit bei der Herstellung weitergegeben. "Krippe ist nicht nur an Weihnachten ein Thema" erklärte Bischof Rudolf und verwies auf die wunderbaren Jahreskrippen sowie auf das neuerschiene Buch der Krippenfreunde zu diesem Thema. Eindrucksvoll schilderte der Bischof einige Szenen der Jahreskrippen, die oftmals das Sonntagsevangelium darstellen. "Fromme Herzen und fleißige Hände pflegen die Jahreskrippen" lobte der diözesane Oberhirte. Abschließend wünschte er der Krippenausstellung viele Besucher und dass sie die vermittelte Freude der Weihnacht mit nach Hause nehmen können.

Fachvortrag: Krippen - gestern - heute - morgen

In einem informativen und umfangreichen Vortrag beleuchtete Guido Scharrer viele Facetten der Krippengeschichte. "Krippen - gestern - heute - morgen" lautete der vielversprechende Titel, in dem die spannende, aber komplizierte  Krippengeschichte in seinem Auf und Ab durchleuchtet wurde. Schon die Frage nach dem Beginn sei nicht einfach zu beantworten. Das Weihnachtsfest werde seit Anfang des 4. Jahrhunderts gefeiert. Bildlich dargestellt wurde die Geburt Christi zuerst auf Wandfresken, Sarkophagen oder liturgischen Geräten. Gezeigt wurde das meist gewickelte Kind - in Bayern als Fatschnkindl bekannt - oft nur mit Ochs und Esel, später mit Maria noch ohne Joseph. Als nächste Etappe nannte Scharrer den ersten Nachbau der Geburtsgrotte im Abendland in der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom im 7. Jahrhundert. Berühmt wurde die Feier der Heiligen Nacht im Jahr 1223 durch Franz von Assisi im Wald von Greccio, als die Weihnachtsliturgie mit einem Krippentrog und lebendigem Ochs und Esel veranschaulicht wurde.

 

Bis Ende des 15. Jahrhunderts wurde an die Geburt des Heilands meist nur durch Gemälde oder Reliefs in einem Altar erinnert, auch Krippenaltäre oder eigene Andachtsräume entstanden mit oft lebensgroßen Figuren. Eine wichtige Erscheinungsform seien im Mittelalter die weihnachlichen Klerikerspiele oder religiösen Volksschauspiele zur Geburt Christ aufgeführt worden. Das "Kindlwiegen" wurde vor allem in Nonnenklöstern gepflegt und die Novizinnen erhalten ein Jesuskind als "Trösterlein". Krippen wie wir sie kennen habe es damals noch nicht gegeben. Bald entstanden selbständige Figurengruppen, mit denen eine wechselnde Szenenfolge aufgebaut werden konnte, die sich am liturgischen Jahresablauf und der religiösen Aussage orientierten. Im kirchlichen Bereich wurde die Krippenidee besonders von den Jesuiten verbreitet, um pädagogische Möglichkeiten zur katholischen Reformation wirkungsvoll nutzen zu können. Die älteste Jesuitenkrippe wurde 1560 in Portugal aufgestellt, um die Jahrhundertwende folgten dann verschiedene Städte in Deutschland, darunter 1650 in Regensburg. Adelige in Italien hatten die ersten privaten Krippen und in Palermo und Neapel entwickelten sich künstlerische Spitzenleistungen im 17. und 18. Jahrhundert.

Verbot der öffentlichen Krippen

Im Zeitalter der Aufklärung um 1800 wurden vom Staat und der Amtskirche die öffentliche Aufstellung von Krippen verboten: man setzte auf Vernunft, verdrängte die Gefühlswelt und Brauchtum sowie weltliche Vielfalt und Pracht wurden bekämpft. Zahlreiche Kirchenkrippen wurden aufgelöst, zerstört oder verschwanden. Manche tauchten über Antiquitätenhändler bei Privatleuten auf. Und so verbreitete sich vor rund 200 Jahren die Tradition der bürgerlichen Hauskrippen. Quantität und Qualität der Krippenfiguren steigerten sich. Von der Künstlergruppe der Nazarener wurde die orientalisch gestaltete Krippe geschaffen. Hier bemerkte Scharrer: "Oder besser gesagt: Was man damals mit viel Phantasie als orientalisch verstand". Holz, Ton oder Wachs waren damals die vorwiegenden Materialien. Später kamen Papier oder Papiermache dazu. Um 1930 gab es eine Fräsmaschine, die den Bronzeguss einer Schnitzfigur in einem Arbeitsgang nachbildete. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreiteten sich mehr Kunststoff-Figuren oder preiswerte Krippen aus Entwicklungsländern. Parallel dazu entstanden individuell gefertigte Krippen in gewerblichen Werkstätten, Schulen, Künstlerateliers oder privaten Hobbyräumen.

 

Guido Scharrer, Schriftleiter der Bayerischen Krippenfreunde, erinnerte aber auch an die Gründung des Bayerischen Krippenverbandes im Jahr 1917, bei dem mittlerweile 5000 Mitglieder viel zur Pflege und Verbreitung der Krippen beitrugen. Bezugnehmend zum Veranstaltungsort Dingolfing erzählte Guido Scharrer, dass in einem Hausbuch von 1730 bereits eine Krippe erwähnt wird. Das Museum Dingolfing besitze unter anderem eine Loichinger Krippe der einheimischen Wachszieher- und Lebzelterfamilie mit 130 Figuren aus dem späten 19. Jahrhundert. Vor allem seit 2010 habe sich in der Stadtpfarrkirche Sankt Johannes eine Jahreskrippe entwickelt, die teilweise von Oberammergauer Krippenkünstlern geschaffen wurden. "Die Szenen der Dingolfinger Jahreskrippen bilden im geistlichen Jahr einen lebendigen Strom, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufscheinen lässt" betonte Scharrer.