Westjordanland

Krieg im Nahen Osten – religiöse Minderheiten in Gefahr

Droht erneute Vertreibung?


Regensburg, 3. März 2026

Angesichts der erneuten Militärschläge im Iran und den Nachbarländern, mit denen das aggressive Mullah-Regime in Teheran an der Bedrohung Israels gehindert werden soll, warnt das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) vor einem Flächenbrand in der gesamten Region. Dies hätte unabsehbare Folgen für die christliche Minderheit, erklärte Florian Ripka, Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland: „Eine weitere Eskalation könnte das Aus für die Christen im Nahen Osten bedeuten.“

Auch im Iran leben nach wie vor einige tausend Christen, und je radikaler das schiitisch-islamische Regime auch innerhalb des Landes um sich schlägt, desto größer wird speziell für sie die Gafahr. „Besonders Konvertiten waren unter dem Mullah-Regime verfolgt. Allein über die Christen im Iran zu reden, ist mitunter schon gefährlich für sie.“ Zu begrüßen sei, so Ripka, wenn der Ruf nach Freiheit im Iran jetzt endlich auch im Leben der Menschen ankomme. „Aber der Preis eines erneuten Krieges wäre hoch, zumal er auch Zivilisten trifft und viele Christen zu den schutzlosesten Gruppen im Iran zählen.“

Auch unter den Christen im Irak, Syrien und im Libanon und im Heiligen Land sei die Angst hoch. „Ja, der militante Islamismus verursacht Leid und Terror. Aber viele Christen fragen sich: Wird ein Krieg nicht zu noch mehr Hass und Extremismus führen?“ Gerade im Irak, das an Iran grenzt, seien christliche Dörfer gerade wieder instandgesetzt. „Die Christen würden eine erneute Zerstörung kaum verkraften“, sagte Ripka. Zudem verstärken erneute Kriege die Zukunftsangst: „Es sind so viele Christen ins Ausland gegangen. Die kommen nicht zurück. Aber was soll mit denen werden, die geblieben sind – es sind oft arme und ältere Menschen.“

Rückschlag für die Pilgerstätten

Auch im Heiligen Land sei die erneute Eskalation ein schwerer Rückschlag: „In Gaza ist die humanitäre Lage verheerend. Wenn jetzt Hilfslieferungen eingeschränkt werden sollten, kann die einzige verbleibende katholische Gemeinde nicht überleben – und tausende Menschen in der Nachbarschaft nicht mehr versorgen.“ Die Christen im Westjordanland hätten jetzt, kurz vor Ostern, auf wieder mehr Pilger und Touristen gehofft. „Diese Hoffnung ist jetzt zerstört“, sagte Ripka. „Das bedeutet für viele Christen: Keine Einkünfte, keine Existenzgrundlage.“

Trotz dieser prekären Lage würden Pfarreien und Klöster ihre Arbeit nicht stoppen: „Sie geben Lebensmittel aus, betreiben Schulen, beherbergen Flüchtlinge, treten für Aussöhnung ein – so lange wie möglich.“ Ripka betonte, „Kirche in Not“ habe sich seit Jahrzehnten für die Christen im Nahen Osten eingesetzt, und werde das weiterhin tun: „Wir rufen zu Gebet und Spenden auf. Was auch immer die Zukunft bringt: Die christliche Präsenz und die Arbeit der Kirche im Nahen Osten muss weitergehen.“

In Syrien sei nicht abzuschätzen, wie die neue Regierung auf die Vorgänge reagiere. „Bedrohlicher ist, dass in der Zivilbevölkerung nach wie vor viele Islamisten leben. Das macht sie unkontrollierbar und zur ernsten Bedrohung für Minderheiten, die wie die Christen als vermeintlich ,westlich‘ gelten“, befürchtete Ripka. Im Süden des Libanon seien Christen in den vergangenen Jahren von Militärschlägen gegen die Hisbollah betroffen gewesen. „Sie wollen Frieden und sind unschuldig – und werden dennoch zu Opfern im Krieg – das wäre auch jetzt nicht anders“, erklärte Ripka.

Text: CNA Deutsch

(sig)



Nachrichten