bischof, priester und gläubige in der kirche in moosthann

Bischof Rudolf weiht neuen Volksaltar in der Pfarrkirche St. Jakobus in Moosthann

Christen sind Sonntagsmenschen


Moosthann, 12. April 2026

Am Weißen Sonntag weihte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Pfarrkirche St. Jakobus d. Ä. den neuen Volksaltar, Ambo und Weihwasserbecken. Mit der gesamten Pfarrgemeinde Moosthann, im Landkreis Landshut, feierte er zum Abschluss der Außen- und Innenrenovierung einen festlichen Pontifikalgottesdienst. 

Sehr herzlich begrüßte Pfarrer Gottlieb Matei den Bischof, seine Mitbrüder Msgr. Walter Wenninger und Pater Jakob von der Pfarrei Weng. Er freute sich über die große Gottesdienstgemeinschaft, darunter Landrat Peter Dreier, die Bürgermeister Johann Angstl und Michael Daffner, die Architektinnen Regina Schober vom Bischöflichen Baureferat, Silvia Brandstetter und Elisabeth Diewald vom Architekturbüro Brandstetter Altdorf, Bildhauer Alfred Kainz, Pfaffenberg, Kirchenrestaurator Hans Ertlmeier aus Siegenburg, Vertreter der Firmen und Zuschussgeber. Die hervorragende musikalische Gestaltung des Festgottesdienstes verantwortete Organist Alois Mühlbauer als Gesamtleiter des Chors und der Solisten mit Trompete, Geige und Gitarre.

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer dankte für die herzliche Begrüßung und bekundete seine Freude darüber, zu so einem schönen Anlass erstmals in der Pfarrei Moosthann sein zu dürfen. Er gratulierte der Pfarrgemeinde zur gelungenen Kirchenrenovierung mit der Altarraum-Neugestaltung.  Pfarrer Matei mit der Kirchenverwaltung, allen die geplant, ausgeführt, finanziert und Verantwortung getragen haben sagte er ein herzliches „Vergelts Gott“.  Alle die sich erstaunt fragen würden, warum in der Kirche nur eine einzige Kerze brenne, dürften sich auf eine sinnenfrohe Feier der Altarweihe freuen. „Wenn die Kirche einen Altar weiht, behandelt sie ihn wie eine menschliche Person bei der Aufnahme in die Kirche: gleichsam mit Taufe, Firmung und Erstkommunion, so kündigte Bischof Rudolf die feierliche Zeremonie an. Der Altar werde gewaschen, mit Chrisam gesalbt und dann darauf die erste Eucharistie gefeiert. Zunächst segnete er das neue Weihwasserbecken am Eingang der Kirche. Es wurde aus dem gleichen Steinblock wie der Altar geschaffen. Mit dem geschöpften Wasser schritt er durch das voll besetzte Kirchenschiff und besprengte die Gläubigen. Ehe die Lesungen vorgetragen wurden, segnete der Bischof den Ambo. Genau auf das Evangelium hin zu horchen, war sein Auftrag, weil er danach fragen werde. Selbstverständlich erkannten die Ministranten, dass vom „ersten Tag der Woche“ bei Joh 20,19-31die Rede war. 

Sonntag erster Tag der Woche

Gute Kirchgänger wüssten, dass der erste Tag der Woche der Sonntag ist, mit dem die Christen die Woche beginnen und das sei ganz bemerkenswert, sagte der Prediger. Der emeritierte Papst Benedikt XVI habe immer wieder auf dieses erstaunliche Phänomen hingewiesen. In der frühen Kirche, in der die Christen fast alle noch Juden waren, denen der Sabbat als göttliches Gebot ins Herz eingesenkt war, galt dieser als Tag, an dem Gott selbst geruht habe. Sogar Jesus sei zur Rede gestellt worden, als er am Sabbat heilte. Mit der Auferstehung Jesu müsse etwas absolut Unglaubliche geschehen sein, dass sich fortan die Jünger am ersten Tag der Woche, also am Tag nach dem Sabbat, versammelten. Mehrere Zeugnisse im Neuen Testament künden davon, dass sich die Apostel und die ersten Christen am ersten Tag der Woche zu ihrer gottesdienstlichen Versammlung, zum Brot brechen, trafen. Das erstaunlichste Zeugnis komme aus dem Johannesevangelium (Joh 20,19-31), das Pfarrer Matei vorgetragen habe. Hier sei zu hören, die Apostel hätten sich verängstigt zurückgezogen. Sie waren feige davongelaufen, Petrus habe Jesus am Karfreitag verleugnet, nur die Frauen und Johannes harrten unter dem Kreuz aus. So mögen die Apostel ob des Versagens bei ihrem Treffen gezittert haben, doch obwohl sie sich als unwürdig erwiesen hatten, kam Jesus mit dem Zuspruch der Vergebung: „Der Friede sei mit Euch“. Er schenkte ihnen seinen Geist und sendet sie als seine Boten aus. Aus Barmherzigkeit empfangen sie Vergebung. Und in der Kraft des Heiligen Geistes werden sie ihrerseits zu Zeugen der Auferstehung und der Barmherzigkeit. Bei dieser ersten Versammlung, in der sich schon die Praxis der frühen Kirche widerspiegelt, sich jeweils am ersten Wochentag zu versammeln, fehlte Thomas. 

 

Glaubenszeuge Thomas

Der Grund dafür ist nicht bekannt, vielleicht war er so verzweifelt, dass er niemand sehen und hören wollte. Die anderen versuchten ihn zu gewinnen, aber er forderte: „wenn ich meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht“. Doch immerhin kam er und ließ sich darauf ein. „Er geht wieder am Sonntag in die Kirche (d.h. in die Gemeinschaft)“, zog der Bischof die Parallelen zur Gegenwart und erklärte weiter „wenn ich nicht in die Versammlung komme und etwas Wichtigeres zu tun habe, werde ich Jesus nicht begegnen können“. Niemand könne auf die Dauer wirklich Christ sein, ohne am ersten Tag der Woche und acht Tage darauf in die Versammlung der Schwestern und Brüder zu kommen, das Wort Gottes zu hören und Jesus im Brot des Lebens zu empfangen. Thomas legte das wunderbare Glaubenszeugnis ab „mein Herr und mein Gott“, er durfte Christus begegnen. Christen seien deshalb Menschen, die vom Sonntag her leben. 

Deshalb sei heute auch ein guter Festtag für die Weihe des neuen Altares. Auch das gehe aus den ältesten Quellen hervor. Von Anfang an versammelten sich die Christen an dem ganz besonderen Tisch, an dem sich beim Brechen des Brotes die Vergegenwärtigung des Leibes Christi darstelle. Auf dem neuen Altar mit der feinen Unterscheidung und Kombination von Opferstein und Tischplatte  wird das wahre, Himmel und Erde versöhnende, Lebensopfer Christi in der Feier der Eucharistie gegenwärtig. Bischof Rudolf bat die Pfarrgemeinde, sich wie Thomas, Kirchenpatron Jakobus und die anderen Apostel  in die große Tradition der Christen hinein zu stellen, sich am Sonntag und acht Tage danach, und immer wieder acht Tage danach zur Eucharistie zu versammeln, Gottes Wort zu hören und gemeinsam zu beten. „Nützen sie den wunderbaren Ort Ihrer schönen Kirche, Christen sind Sonntagsmenschen, holen Sie sich hier die Kraft für die ganze Woche“.

Beeindruckende Zeremonie der Altarkonsekration

Zu Beginn der Weihe des Altars setzte Bischof Rudolf die Reliquien vom Heiligen Wolfgang und der heiligen Anna Schäffer in das mittig eingearbeitete, vorne sichtbare Reliquiengrab ein. Der Künstler Alfred Kainz verschloss es durch die Bronze-Abdeckung in Form der Jakobsmuschel mit Kreuz als Symbol des Kirchenpatrons. Es folgte die Allerheiligenlitanei durch den Chor. Als Zeichen der Taufe wusch der Bischof den Altarblock mit reichlich Weihwasser, danach salbte er die Tischplatte mit Chrisam als Symbol für Christus, den Gesalbten. An den fünf mit einem Kreuz bezeichneten Stellen entflammte er ein Feuer mit aufgelegtem Weihrauch, zum Wohlgeruch und Zeichen des Gebetes. Kniend wurde um den Heiligen Geist gebetet, dann sprach der Bischof das Weihegebet. Der Mesner säuberte den Altar und Frauen bereiteten ihn mit Tüchern, dem Kreuz, Kerzen und Blumen für das erste heilige Messopfer vor. Dann erst durften die Apostelkerzen, die Hochaltarkerzen und die volle Beleuchtung in Erscheinung treten. Am Ende des festlichen Gottesdienstes wurde das ewige Licht entzündet. Bischof Rudolf verlas die Weiheurkunde und übergab sie Pfarrer Gottlieb Matei.

Die Geschichte der Pfarrei Moosthann

Moosthann wird schon 1326 als bedeutender Pfarrsitz erwähnt. Der Kirchenbau geht auf das Jahr 1740 zurück, allerdings weisen ältere Fundamente von Chor und Turm auf einen früheren Vorgängerbau hin. Der Innenraum wirkt wie eine ländliche Barockanlage. Der Hochaltar von 1630 stammt teilweise aus der 1810 abgebrochenen Dreifaltigkeitskirche von Landshut. Der Kirchenpatron St. Jakobus ist im Altarblatt und als Figur am oberen Aufsatz dargestellt. Bemerkenswert ist eine reich verzierte Kanzel. Im Rahmen der Außen- und Innenrenovierung mit einem Kostenaufwand von mehr als einer Million Euro fand eine Neugestaltung der liturgischen Orte statt. Der Zelebrationsaltar aus einem warm-grauen Naturstein mit gold-ocker-rötlichen Einschlüssen und Maserung kontrastiert zur üppigen Ausstattung des Chorraums. Aus dem gleichen Muschelkalk sind der Ambo und das Weihwasserbecken gehalten. Altarkreuz, Altar- und Osterleuchter sind aus heller Bronze gegossen. Neu gestaltet wurden auch der Priestersitz und die Zusatzsedilien. 

Text und Fotos: Agnes Wimmer
(jas)



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