Klosterkirche Windberg Innenansicht

Kloster Windberg begeht Gedenktag des heiligen Norbert von Xanten

Die norbertinische Freiheit


Windberg, 7. Juni 2026 

Mit einem großartigen und geistlich geprägten Fest ist im Klosterdorf Windberg (Landkreis Straubing-Bogen) der Gedenktag des heiligen Norbert von Xanten begangen worden. Der Gedenktag des Ordensgründers der Prämonstratenser stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der Besinnung auf die spirituellen Wurzeln und die Aktualität des ordenschristlichen Auftrags. Dabei standen die Suche nach Gott und der lebendige Glaube im Mittelpunkt. Für die Klostergemeinschaft und die geladenen Gäste gab es zudem einen weiteren mit dem Fest verbundenen Grund zur Dankbarkeit: Prior Pater Martin Müller, der Stadtpfarrer der Basilika Sankt Jakob in Straubing,  feierte sein silbernes Priesterjubiläum. Er hatte vor 25 Jahren, am 2. Juni 2001, in der Windberger Pfarr- und Klosterkirche Mariä Himmelfahrt die Priesterweihe empfangen.

Herzlicher Empfang in der vollen Klosterkirche

Abt Petrus-Adrian Lerchenmüller zeigte sich sichtlich bewegt über das voll besetzte Gotteshaus. In seiner Begrüßung hieß er die gesamte Festgemeinde, die Mitglieder des Konvents, Vertreterinnen der Ordensgemeinschaften, aber auch zahlreiche Freundinnen und Freunde des Klosters, Wegbegleiter sowie die Pfarrgemeinderäte aus den vom Orden betreuten Pfarreien willkommen. Ein besonderer Gruß des Abtes galt Marianne Müller, der Mutter des Jubilars, dem Dekan des Dekanates Straubing, Johannes Plank, sowie dem ehemaligen Elisabethszeller Pfarrer Herbert Meier, der den heutigen Prior einst getauft hatte.

Der Abt blickte auf den gemeinsamen Weg des Ordens und des Jubilars zurück. Als Prämonstratenser gelinge es Pater Martin seit jeher, den anspruchsvollen Spagat zwischen dem klösterlichen Ordensleben im Geiste des heiligen Norbert und einer lebendigen, den Menschen zugewandten Pastoral zu meistern. Besonders hob der Abt den Primizspruch des Priors hervor, der die Brücke zum Norbertusfest schlug: „Die Freude an Gott ist unsere Kraft.“ Dieses Bibelwort sei eine täglich gelebte Haltung, die der Gemeinschaft und den Gläubigen wertvolle Inspiration schenke.

Predigt über Brüche und die „norbertinische Freiheit“

Nach dem feierlichen Norbertuslied übernahm Pater Martin die Leitung der Heiligen Messe und stellte die Eucharistie als den Ort in den Mittelpunkt, an dem alle Bitten, Sorgen, Hoffnungen und Freuden der Kirche vor Gott getragen werden. Die Festpredigt hielt der Prior auf Wunsch seiner Mitbrüder selbst – und überraschte mit einem zutiefst menschlichen Blick auf den Ordensgründer. Der heilige Norbert von Xanten sei keineswegs ein fehlerfreier „Heiliger aus Marmor“ gewesen, sondern eine schillernde Persönlichkeit voller Brüche und Widersprüche im Lebenslauf: vom Reformer zum Einsiedler, vom Wanderprediger zum Erzbischof mit genau jener Macht, von der er die Kirche eigentlich befreien wollte. „Norbert war ein Suchender, nie fertig“, erklärte der Prediger. Genau darin zeige sich die zeitlose Relevanz des Heiligen. Auch heutige Glaubenswege seien nicht geradlinig; es gebe Begeisterung, aber auch das Loslassen-Müssen, Enttäuschungen und Zeiten des Suchens. Was an Norbert bis heute fasziniere, sei dessen unermüdliche Begeisterung und die sogenannte „Libertas Norbertina“ – die norbertinische Freiheit. Diese bedeute nicht Unabhängigkeit, sondern die Bereitschaft, sich von Christus immer neu in Bewegung setzen zu lassen, anstatt in Gewohnheiten zu erstarren oder nur zu verwalten, was schon da ist.

Das Evangelium als Kraftquelle gegen die Mutlosigkeit

Mit Blick auf die aktuellen Veränderungen und Sorgen in Kirche und Welt betonte der Prior, dass spirituelle Fragen nach der Weitergabe des Evangeliums tiefer gehen als bloße Reformforderungen. Die Freude am Herrn sei keine oberflächliche Fröhlichkeit, sondern das feste Vertrauen, dass Gott auch in unklaren Zeiten da ist. Ein Satz aus der Vita des heiligen Norbert, den ihm Bischof Manfred Müller einst zur Priesterweihe mitgab, diene dabei als Lebensprogramm für den pastoralen Dienst: „Er war groß unter den Großen und klein unter den Kleinen. Zu allen aber liebenswert.“ Das sei wie ein Lebensprogramm: Menschen auf Augenhöhe begegnen. Dabei die Freundlichkeit nicht verlieren. Nicht über den Menschen zu stehen, sondern mit ihnen unterwegs zu sein. Mit den Fröhlichen Lachen zu können und die Sorgen der Belasteten auszuhalten. Dies bedeute, den Menschen stets auf Augenhöhe und mit unverrückbarer Freundlichkeit zu begegnen. Die Welt brauche Menschen, die Hoffnung ausstrahlen und zeigen, dass der Glaube keine Last, sondern eine Kraftquelle ist. Bezugnehmend auf seinen Primizspruch: „Macht euch keine Sorgen, denn die Freude am Herrn ist eure Stärke“ betonte er, dass ihn dieser Satz nun durch 25 Jahre getragen habe. Nicht weil es in diesen Jahren keine Sorgen gegeben hätte – im Gegenteil. Aber die Freude am Herrn hatte bisher das letzte Wort. „Hoffentlich bleibt es so“, betonte Pater Martin. Die Welt brauche Menschen, die Hoffnung ausstrahlen, die anderen Mut machen, die zeigen, dass der Glaube keine Last ist, sondern eine Kraftquelle. 

Glanzvoller liturgischer Rahmen und Ausklang

Der Festgottesdienst wurde musikalisch auf höchstem Niveau gestaltet und unterstrich die Würde des Norbertusfestes: Marius Herb überzeugte als Kantor, Peter Hilger glänzte an der Orgel, sowie die Trompeter Paul Windschüttl und Andreas Wagenschwanz. Am Altar versammelte sich eine große Konzelebrationsgemeinschaft, die die weltweite Verbundenheit des Ordens sichtbar machte. Neben Diakon Rupert Loichinger konzelebrierten Dekan Johannes Plank, Mitbrüder aus den Klöstern Windberg und Speinshart sowie indische Prämonstratenser aus den Bistümern Regensburg und München-Freising. Ein besonderer Moment war die Anwesenheit von Ruhestandspfarrer Hans Trimpl, einem langjährigen Freund, sowie von Taufpriester Herbert Meier. Nach dem feierlichen Auszug fand das Ordensfest in den Räumen der Jugendbildungsstätte seine Fortsetzung. Bei guten Gesprächen und Begegnungen ließen die Gäste und die Klostergemeinschaft den Abend ausklingen – ganz im Sinne des lebendigen, norbertinischen Geistes, der diesen Sonntagabend in Windberg so spürbar geprägt hatte.

Text und Fotos: Irmgard Hilmer
(jas)



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