Kirche in Armenien leidet unter Verfolgung

Nicht nur die Türken, nicht nur Aseris


Jerewan / Regensburg, 16. Februar 2026. 

„Derzeit eskaliert die Lage, weil seitens der Regierung Paschinjan gezielt eskaliert wird.“ Das sagt Pfarrer Peter Fuchs, der Geschäftsführer von „Christian Solidarity International“ (CSI) Deutschland. Er hat Armenien besucht, und er hat beobachtet, wie nicht mit Rom unierte Armenische Apostolische Kirche unter gezielter staatlicher Verfolgung leidet: „Vier Bischöfe sitzen im Gefängnis. Das erinnert an die schlimmsten Zeiten des Kommunismus.“

Die Armenische Apostolische Kirche sieht sich als eine Institution, die die Identität aller Armenier schützen und verteidigen will. „Sie hat schon in der Zeit des Kommunismus – und nun neuerlich – erlebt, dass das Religiöse vom Staat bedrängt wird und der Staat die armenische Identität leichtfertig aufgibt“, gibt Fuchs zu bedenken. Nikol Paschinjan, seit 2018 Premierminister von Armenien, hat den Verlust des gesamten armenischen Südostens – Bergkarabach – zu verantworten. Seit Jahrtausenden lebten dort Armenier, sie gaben dieser Region ihr Gesicht und ihre Kirchen, aber nun zerstört Aserbaidschan all dies mit Hochdruck. Der Hintergrund ist ein Krieg der beiden Staaten im Jahr 2020 und ein daraufhin unterzeichnetes Waffenstillstandsabkommen.

„Ich konnte Erzbischof Bagrat Galstanyan, der für Wahrheit, Gerechtigkeit und Versöhnung eintrat, im Gefängnis besuchen“, führte der Pfarrer in der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ (aktuelle Ausgabe) aus. „Ich denke, jetzt muss Druck von außen kommen, um eine Korrektur des Wegs von Paschinjan zu erwirken.“ Erzbischof Galstanyan habe eine Bewegung begründet, „weil die Regierung Paschinjan vier armenische Dörfer in der Region Tavush an Aserbaidschan übergab. Der Erzbischof kann in keiner Weise akzeptieren, dass armenisches Kernland an Aserbaidschan übergeben wird. Die Kirche sieht, dass es weiterhin keine Gerechtigkeit gibt, dass die Karabach-Armenier nicht nach Hause zurückkehren dürfen, dass etwa 23 armenische Geiseln weiter in Baku festgehalten werden.“

Über die Spannungen zwischen der Armenischen Apostolischen Kirche und der Regierung sagte der Geschäftsführer von CSI Deutschland: „Das Oberhaupt der Kirche, Katholikos Karekin II., den ich treffen und sprechen konnte, liebt seine Nation und leidet unter der aktuellen Situation. Paschinjan hat mit zehn Bischöfen eine Art ‚Reformgruppe‘ gebildet, die das Ziel hat, den Katholikos durch einen der Regierung genehmen Bischof zu ersetzen. Der Regierungschef hat angeordnet, dass für den Katholikos in der Liturgie nicht mehr gebetet werden soll, und er hat dafür gesorgt, dass Personalentscheidungen des Katholikos nicht mehr umgesetzt werden können.“ 

Die armenisch-apostolische Bischofskonferenz plant indessen im Februar in St. Pölten, zu tagen, weil die Voraussetzungen dafür in Armenien nicht mehr gegeben sind. Doch Fuchs ist alarmiert: „Die Regierung Armeniens hat gerade gegen sechs Bischöfe Ausreisesperren verhängt und verhindert somit deren Teilnahme an der Konferenz.“ Das sind schlimme Vorzeichen für die weitere Entwicklung innerhalb Armeniens, wo sich ein fataler Effekt, der oft schon – in vielen Ländern – zu beobachten war, einstellen könnte: Aggression von außen, Verlust von Landesteilen, die Vertreibung eigener Leute sorgt dafür, dass im Land der Leidtragenden der innere Druck steigt. Für Armenien, das erst im vorletzten Herbst in Bergkarabach eine Katatstrophe größten Ausmaßes erlebte, könnte exakt das zutreffen.

Text: CNA Deutsch / sig

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