Frau sitzt nachdenklich am Laptop, überlegt, Schreibblockade

KI in der Pastoral

Wenn der Satz stimmt und trotzdem nicht ankommt


Regensburg, 14. August 2026

Wo Beziehung im Spiel ist, kann fertige Sprache Distanz schaffen. Eine neue Arbeitshilfe aus der Hauptabteilung Seelsorge rund um KI in der Pastoral zieht dort eine Grenze, wo es um Menschen geht, und zeigt zugleich, woran sich maschinell erzeugte Sprache erkennen lässt.

Auf dem Schreibtisch liegt eine Karte. Jemand ist verstorben, die Angehörigen erwarten ein Wort des Trostes, und der Satz, der jetzt gebraucht wird, will nicht kommen. Im Fenster daneben wartet ein KI-Werkzeug, das ihn in nur wenigen Sekunden liefert.

Die Absage nach dem Bewerbungsgespräch, der Newsletter des Vereins, die Antwort des Kundenservice, der Beitrag im Nachrichtenportal: In vielen Formen schriftlicher Kommunikation arbeitet inzwischen ein Sprachmodell mit. Meist fällt das nicht auf. Manchmal schon.

Zwei Texte, ein Unterschied

Für genau diese Situation stellt die Arbeitshilfe „KI in der Pastoral", die die Fachstelle Medien & Digitalpastoral jetzt veröffentlicht hat, zwei Kondolenztexte nebeneinander. Der erste könnte so auch aus einem KI-Werkzeug stammen:

„In dieser schweren Zeit des Abschieds möchte ich mein herzliches Beileid aussprechen. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Trost für die kommenden Tage. Möge Gott Sie in diesen Stunden begleiten."

Der zweite lautet:

„Als Sie mir vorhin über den Verstorbenen erzählten, musste ich an die Zeile aus dem Psalm denken: ‚Meine Zeit steht in deinen Händen.‘ Ich habe gespürt, wie schwer es ist, diese Hände jetzt loszulassen. Umso schwerer ist es, jetzt die richtigen Worte zu finden. Meine Tür steht für Sie offen."

An Text eins ist nichts falsch. Zum Kondolieren hat sich ein tragfähiges Sprachregister entwickelt, und es hilft in solchen Situationen weiter. Text zwei kann etwas anderes: Er verrät, dass jemand zugehört hat, er nennt den Moment, in dem der Psalmvers kam, und er gibt zu, dass die Worte fehlen. Sein Schluss ist ein Angebot, das nur ein Mensch machen kann: eine offene Tür.

Wo die Grenze verläuft

Die Arbeitshilfe, gemeinsam verfasst von Praktiker/-innen aus den Pfarreien und Stellen der Hauptabteilung Seelsorge, will mit dem Vergleich nicht vor der Technologie KI warnen. Markiert wird eine Grenze: Wo Beziehung im Spiel ist, kann maschinelle Sprache Distanz erzeugen und Vertrauen beschädigen.

In pastoralen Zusammenhängen ist diese Grenze am besten zu sehen. Angekommen ist Künstliche Intelligenz auch dort längst: bei der Vorbereitung von Gottesdiensten, in Konzepten, in der Organisation. Nach Beobachtung der Fachstelle Medien und Digitalpastoral wird mit der Technologie in der Pastoral sehr sorgfältig umgegangen: „Was mir in Fortbildungen begegnet, ist nicht Leichtfertigkeit. Es ist eher das Gegenteil: Menschen, die sehr genau abwägen, wo sie ein Werkzeug einsetzen und wo sie es lieber lassen. Diese Vorsicht wollen wir nicht ausbremsen, sondern ihr Handwerkszeug geben", so Tanja Matok, Leiterin der Fachstelle Medien & Digitalpastoral.

Was die Zahlen zeigen

Die Studie „Digitalisierung im Raum der Kirchen" (DiRK 2026) liefert dabei Zahlen zur KI-Nutzung in Kirche, die zwar nicht nur Pastoral umfassen, aber ein Indiz sind:

  • 58 Prozent der kirchlich Beschäftigten nutzen KI-Anwendungen oder planen es.
  • 20 Prozent haben bisher eine Fortbildung dazu besucht oder angeboten bekommen.
  • 4,8 von 5 Punkten: So deutlich fordern befragte Kirchenmitglieder, dass bei sensiblen Entscheidungen die Letztverantwortung beim Menschen bleibt.

Genau darauf zielt die entstandene Arbeitshilfe. Der Fokus in Bezug auf die eigene KI-Nutzung liegt auf der eigenen Urteilskraft: Nur weil KI genutzt werden kann, muss sie nicht genutzt werden. Und wo mehr Maschine als eigenes Denken im Ergebnis steckt, soll das kenntlich sein.

Woran sich maschinelle Sprache verrät

Für alle, die beruflich nichts mit Pastoral zu tun haben, ist ein anderer Teil des Hefts der nützlichste. Er listet auf, woran maschinell erzeugte Sprache zu erkennen ist:

  • geglättete Übergänge ohne Reibung
  • austauschbare Beispiele
  • Dreierreihen als Klangmuster
  • leere Schlussformeln
  • Vagheiten wie „ganzheitlich" oder „auf Augenhöhe", hinter denen oft keine überprüfbare Aussage steht

Dazu kommt ein fertiger Prüfauftrag, mit dem sich ein beliebiger Text gegenlesen lässt. Das funktioniert beim Elternbrief so gut wie beim Vereinsrundschreiben oder beim Angebot, das gerade im Postfach liegt. Wer einmal weiß, wonach er sucht, liest anders.

Was der Einsatz sonst noch kostet

Folgen hat die Entscheidung für oder gegen KI-Nutzung auch außerhalb des eigenen Schreibtischs. Rechenzentren verbrauchen Wasser und Strom. Menschen trainieren KI-Systeme unter prekären Bedingungen nach. Verzerrungen in den Daten können Vorurteile verstärken. Die praktische Empfehlung daraus ist unspektakulär und gilt überall: erst prüfen, ob eine einfache Suche die Frage auch löst.

Papst Leo XIV. hat seine erste Enzyklika „Magnifica humanitas" der Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz gewidmet, und sie richtet sich nicht nur an Fachleute. Die Menschheit stehe vor der Wahl zwischen einem neuen Turm von Babel und einer Ordnung, die dem Gemeinwohl dient; diese Entscheidung beginne im Herzen jedes einzelnen Menschen.

Sie fällt, sehr unfeierlich, auch an dem Schreibtisch, auf dem die Karte liegt.


Text: Tanja Matok, Fachstelle Medien und Digitalpastoral

(kw)

 


Quellen der Zahlen: Studie „Digitalisierung im Raum der Kirchen" (DiRK 2026), Versicherer im Raum der Kirchen mit der Macromedia University, vorgestellt am 11. Mai 2026.

Enzyklika „Magnifica humanitas", Leo XIV., unterzeichnet am 15. Mai 2026.

Weitere Infos

Unter diesem Link steht die Arbeitshilfe „KI in der Pastoral. Chancen, Grenzen und (persönliche) Verantwortung" zum Download bereit. Sie richtet sich an Haupt- und Ehrenamtliche, ist aber ohne Vorkenntnisse lesbar und frei zugänglich.

Rückmeldungen für eine nächste Fassung: medien-digitales(at)bistum-regensburg.de



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