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„Katholisch-sein heißt Marianisch-sein“

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„Katholisch-sein heißt Marianisch-sein“ – Worte, die Papst Benedikt XVI. einer Delegation der Marianischen Männercongregation (MMC) Regensburg während einer Audienz im Jahr 2011 ans Herz gelegt hatte. Für die Sodalen der Congregation waren sie „wie ein Gaspedal“, erinnert sich Zentralpräses Monsignore Thomas Schmid, und der Beginn intensiver Überlegungen, wie die Bedeutung marianischer Spiritualität für die Kirche wieder stärker herauszuheben sei. Als eine Frucht kann die kürzlich gegründete Europäische Föderation Marianischer Congregationen (EFMC) gesehen werden.

Bei der ersten Tagung der EFMC in Regenstauf-Diesenbach diskutierten am vergangenen Samstag Vertreter Marianischer Congregationen verschiedener Nationen – Frankreich, Italien (Südtirol), Deutschland – über zukünftige pastorale Wege. Entscheidender Anknüpfungspunkt stellte die Mariologie von Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. dar, der selbst Sodale der MMC Regensburg ist. Auf dieser Grundlage und mit Blick auf die vom Institut Papst Benedikt XVI. herausgegebene Schriftenreihe der Ratzinger-Studien, sprach der Präses der EFMC Thomas Schmid zum Thema „Maria stellt dar, was die Kirche ist und sein soll“, ein Zitat Ratzingers, der für die Kirche die Aufgabe erkennt, Gott in der Welt eine Wohnung zu werden, eben wie es Maria war. Marienverehrung sei deshalb keine „Nebenerscheinung“ des christlichen Glaubens, so Schmid, der anregte, bei aktuellen kirchlichen Herausforderungen, wie dem Priestermangel, vermehrt zu fragen, was „Maria der Kirche in einer konkreten Schwierigkeit sagen kann“, wie sie Vorbild sein könne. Innerhalb der marianischen Spiritualität gelte es, mit Ratzinger gesprochen, die rechte Balance zwischen Herz und Verstand, Rationalität und Affektivität zu finden, und Maria stets als Wegbegleiterin hin zum Zentrum, zu Christus, zu verstehen.

Mit Blick auf die anerkannten Marienerscheinungen der beiden vergangenen Jahrhunderte, wie in der Pariser Rue du Bac, La Salette, Lourdes, Fatima, hob Schmid „unsere Zeit als reich beschenkt“ hervor. Die großen Marienwallfahrtsorte seien „Geschenke des Himmels zur Erneuerung des Glaubens“. Gründe, warum die Heiligtümer in solcher Art und Weise Faszination und Anziehung auf Menschen aus der ganzen Welt ausüben, gebe es viele. Wesentlich sei, dass sie „Kraftquelle unbeschreiblicher Art“ sind, Orte, an denen abzulesen sei, was „lebendige Kirche“ bedeutet. Die Wehmut komme bei der Heimreise, zurück in das alltägliche Leben. Gerade hier gelte es, pastoral anzusetzen und das Marianische mit in den Alltag hineinzunehmen: „Entweder das Marianische berührt alles, oder es stimmt etwas nicht.“ Viele Gläubige seien müde und ängstlich geworden, ihren Glauben öffentlich zu leben und zu bezeugen, man sei hier „eher zurückhaltend“. Marianisch sein bedeute aber, sich Gott zu öffnen, in der Liturgie, im alltäglichen Leben.

Einen Weg hierzu würden Geistliche Gemeinschaften aufzeigen, in jüngerer Zeit die „Neuen Geistlichen Gemeinschaften“ wie die Legio Mariae, das Opus Dei oder die Schönstatt-Bewegung mit ihrer je eigenen marianischen Spiritualität. Im historischen Rückblick auf die Entstehung der Marianischen Congregationen strich Schmid die Ursprünge der MC als „Erneuerungsbewegung“ heraus, die „wie die Neuen Geistlichen Gemeinschaften heute über die Pfarrei hinaus gesamtkirchlich“ ausgerichtet war und ist, „nicht einzuordnen in konservativ oder progressiv, um dort zu sein, wo es notwendig ist.“ Maiandachten, Rosenkranz, die Meditation des Lebens Mariens, eucharistische Formen – nach Schmid sei es segensreich, „dieses urtypisch congregationsbezogene Leben“ zu erneuern: „Wir müssen beginnen, das Marianisch-sein interessant, ja unentbehrlich zu machen. Jetzt ist es an der Zeit – und hoffentlich ist es noch nicht zu spät, denn ich glaube, dass Kirche in Zukunft bedeutend kleiner wird. Aber bei denen, die begreifen, dass Kirche etwas Lebendiges ist, etwas, das mich betrifft, das mein Leben formt, bei denen wird der Glaube und das kirchliche Leben wieder stark.“

 

Die Europäische Föderation Marianischer Congregationen

...ist am 30. Juni 2017 durch Congregationen aus Deutschland, Österreich, Südtirol und Polen gegründet worden. Ihr Ziel ist es unter anderem, im Dienst der Gottesmutter, die internationale Zusammenarbeit der Congregationen zu fördern, bestehende Congregationen zu unterstützen sowie ein internationales Forum zur Förderung einer gemeinsamen Entwicklung marianischer Spiritualität zu bilden. Ausgangspunkt der Neugründung war das im Rahmen einer bayerischen Arbeitsgemeinschaft der Marianischen Congregationen erkannte Bedürfnis nach vermehrtem deutschlandweiten Austausch und internationaler Unterstützung. Die neugegründete Föderation, mit Sitz in Regensburg, versteht sich als Arbeitsgemeinschaft. Mitglied werden kann jede Marianische Congregation, die in der römisch-katholischen Kirche vom jeweils zuständigen Diözesanbischof anerkannt ist und ihr Congregationsleben entsprechend der kirchenrechtlich gültigen Satzung gestaltet. Dabei behalten die Marianischen Congregationen ihre Eigenständigkeit und arbeiten gleichberechtigt zusammen. Der Vorstand der Föderation setzt sich zusammen aus dem Präses Monsignore Thomas Schmid aus Regensburg sowie dem Präfekten Wilfried Becher aus Köln. Zweimal jährlich ist eine Föderationsversammlung vorgesehen; die nächste soll im Frühjahr in Mariazell stattfinden.