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Kaplan Skorczyk für die Beibehaltung des zweiten Feiertags

Ostermontag beinahe wichtiger als Ostersonntag

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Die Frage, ob es einen zweiten Feiertag an Ostern überhaupt braucht, ist hoch aktuell. Gerade auch deswegen, weil das Bewusstsein für christliche Feiertage in der Gesellschaft schwindet. Kaplan Leonard Skorczyk kann das verstehen, wirbt allerdings auch bei nichtreligiösen Menschen für einen zweiten freien Tag. Der 25-jährige wurde letztes Jahr im Juni von Bischof Rudolf Voderholzer im Regensburger Dom zum Priester geweiht. Derzeit dient er als Kaplan in der Pfarrei Herz Marien in Regensburg.

 

Am Ostersonntag feiern wir die Auferstehung Jesu – das ist offensichtlich, aber passiert am Ostermontag überhaupt nochmal was Neues?

Auf jeden Fall. Wir haben dort das wunderbare Emmausgeschehen. Ein Großteil der Jünger ist immer noch in Trauer und Angst verstrickt und die Emmauserzählung holt sie da komplett raus. Zwei Jünger gehen fort von Jerusalem. Plötzlich finden sie Begleitung von jemanden und es stellt sich heraus, dass es Jesus persönlich ist. Jesus zeigt sich hier als jemand, der mit uns auf den Weg geht. Er ist jemand, der, wie sie später sagen, den Leuten das Herz in Brand versetzt. Daraus geschieht dann, dass sie gesendet werden und voller Freude wieder nach Jerusalem zurückkehren können. Raus aus ihrer Angst und raus aus ihrem Trauma. Deshalb ist es fast wichtiger den Ostermontag biblisch mitzubekommen, als den Ostersonntag, weil er uns zeigt, wie wir auf Ostern reagieren sollen.

 

Jetzt sind die heiligen drei Tage um Ostern herum liturgisch schon ziemlich anspruchsvoll.  Wird mit einem weiteren Feiertag, dem Ostermontag, nicht ein bisschen zu viel verlangt von den Gläubigen?

Ich beglückwünsche jeden Christen, der es geschafft hat den Marathon an Messen mitzumachen. Es stimmt, es ist einiges, aber ich würde jeden Christen einladen, diese wunderbare Reihe nicht unterbrechen zu lassen, sondern sich noch einmal Kraft zu holen. Für uns sind diese Gottesdienste keine Verpflichtung oder etwas Unangenehmes, was uns nervt, sondern etwas Wunderbares, das uns Kraft gibt. Wir hören immer wieder die Formulierung aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil: „Die heilige Messe ist Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens“ – und das sollte sie auch wirklich sein.

 

Warum ist die Messe „Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens“?

In der Messe kommt alles zusammen, was das christliche Leben prägen sollte. Wir beginnen, indem wir uns bekreuzigen und wir bereuen auch die kleinen Sachen, die wir falsch gemacht haben. Wir stärken unseren Glauben durch die Heilige Schrift, die wir durch wunderbare Lesungen hören. Wir lassen uns bekräftigen durch die Predigt des Priesters. Und wir begegnen Jesus Christus persönlich in der Eucharistie. Obwohl ich jetzt bereits ein dreiviertel Jahr geweiht bin, ist es jedes Mal ehrlich gesagt ein kleiner „Flash“, wenn ich im Hochgebet die Worte spreche, die Jesus selbst den Aposteln am Gründonnerstag mitgegeben hat. Lassen Sie die Feier nicht als leere Worte des Priesters vorne verklingen, sondern seien sie mit dem ganzen Herzen dabei. Wenn sie so aktiv partizipieren, dann wird schnell klar, warum die heilige Messe Höhepunkt des christlichen Lebens ist.

 

Für einen Christen ist der Ostermontag also von hoher Bedeutung, aber was ist mit denen, die damit nicht so viel anfangen können?

Ich verstehe, dass jemand mit einem religiös motivierten Feiertag an sich nicht viel anfangen kann, wenn er sich als nichtreligiös identifiziert. Trotzdem sollte jeder Mensch in dieser Gesellschaft darüber nachdenken, warum wir diese Feiertage haben. Es gibt viele Gesellschaften, die diese Feiertage nicht haben. Jesus sagt einmal, der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat. Das bedeutet, dass die Erholung, die Gott uns schenkt, an diesen besonderen Feiertagen für uns Menschen ganz wichtig ist. Wir sind nicht geschaffen, um wie eine Arbeiterbiene oder eine Arbeiterameise ein Leben lang zu arbeiten und irgendwann tot umzufallen. Wir sind geschaffen, um uns am Leben und aneinander und an unserer wunderbaren Schöpfung zu freuen. Ich finde, das ist eine Botschaft, die wir Christen auch nichtreligiösen Menschen gerne aktiv mitgeben sollen.

 

Feiertage haben also auch was mit der Würde des Menschen zu tun. Trotzdem stoßen christliche Feiertage in der heutigen Gesellschaft auf immer weniger Verständnis…

Unsere Generation und die Generation davor, kennt das Thema „Burnout“ nur zu gut. Wir wissen, dass wir auf uns selbst achten müssen und das ist etwas, was aus dem christlichen Menschenbild kommt. Die Feiertage sind eine Bewegung gegen den Arbeitswahn, wenn wir den Ostermontag beispielsweise nochmal als Stopp reinsetzen. Nichtreligiösen Menschen möchte ich mitgeben, dass wir, auch wenn wir diesen Tag komplett ohne religiösen Bezug begehen, so Zeit für unsere Familie haben. Es ist etwas, was wir uns immer wieder erkämpfen müssen, dass wir für unsere Familie Zeit haben. Die Psychologie zeigt uns, wie wichtig es ist, diese Kraftorte der Liebe, Bindung und Gemeinschaft zu pflegen. Ich finde, selbst für einen reflektierten Atheisten zeigt ein weiterer Tag, der frei ist, dass wir uns dafür Zeit nehmen sollten.