News Bild Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. em. als junger Konzilstheologe - Bischof Rudolf Voderholzer spricht in Akademie des Bistums Mainz

Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. em. als junger Konzilstheologe - Bischof Rudolf Voderholzer spricht in Akademie des Bistums Mainz

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Bischof Rudolf Voderholzer sprach am 22. Mai 2013 im Erbacher Hof, der Akademie des Bistums Mainz, über Joseph Ratzinger als jungen Konzilstheologen. Der Vortrag war Teil der Reihe „Wegweiser in die Zukunft. Theologen des Zweiten Vatikansichen Konzils“. Unter den ca. 90 Zuhörern waren u.a. Kardinal Karl Lehmann, Weihbischof Dr. Ulrich Neymeyr, Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann und Domdekan Prälat Heinz Heckwolf.

Mit Hilfe von teils historischen Bild- und Tondokumenten führte Bischof Voderholzer die Hörer in die Zeit des beginnenden Konzils zurück. Der „Teenager-Theologe“ Joseph Ratzinger, der bei Konzilsbeginn gerade mal auf eine vierjährige Lehrtätigkeit in der Theologie zurückblicken konnte, war durch seine Doktorarbeit über den Volk-Gottes-Begriff bei Augustinus und durch seine Habilitationsarbeit über das Offenbarungsverständnis Spezialist für die beiden zentralen Themen des Konzils. Bischof Voderholzer konnte den Zuhörern zeigen, in welchem Ausmaß der junge Bonner Fundamentaltheologe den Konzilsvater Josef Kardinal Frings in den zentralen Themen des Zweiten Vatikanischen Konzils beraten hatte.
Schon die „Bewährungsprobe“ für den theologischen Berater des Kölner Kardinals, ein Entwurf für dessen Rede „Das Konzil und die moderne Gedankenwelt“ (1961 in Genua gehalten) stellt eine bemerkenswerte Arbeit dar, könne sie doch als Konkretisierung des Begriffs „aggiornamento“ verstanden werden. So lobte Johannes XXIII. Kardinal Frings auch in einer Privataudienz mit den Worten: „Lieber Cardinale, Sie haben all das gesagt, was ich gedacht habe und sagen wollte, selbst aber nicht sagen konnte.“ (Zitiert nach Joseph Ratzinger, Aus meinem Leben, in: Karl Wagner / Albert Hermann Ruf (Hg.), Kardinal Ratzinger. Der Erzbischof von München und Freising in Wort und Bild, München 1977, 54–67, hier: 66.)

In den zentralen Fragen des Konzils (Offenbarung, Schriftverständnis, Kirchenverständnis, Religionsfreiheit und Mission) konnte Joseph Ratzinger aus seinen theologischen Vorarbeiten schöpfen und durch seine Beratung von Kardinal Frings und seine Mitarbeit in Konzilskommissionen, in denen die Texte bearbeitet wurden, Entscheidendes bewirken. An diese Zeit, in der Joseph Ratzinger auch Vieles gemeinsam mit anderen Theologen, wie z.B. Karl Rahner und Otto Semmelroth, erarbeitet hat, hätte sich Papst Benedikt XVI. offensichtlich gerne zurückerinnert, wie seine Ansprache vom 9. Juli 2012 im Zentrum „Ad gentes“ der Steyler Missionare in Nemi zeige, so Bischof Voderholzer. Zudem zeige ein Blick auf die Äußerungen des Papstes, z. B. hinsichtlich der Religionsfreiheit, dass er sich in all diesen Fragen absolut treu geblieben sei. Als Direktor des Instituts Papst Benedikt XVI. machte Bischof Voderholzer auch aufmerksam auf den Band 7 der Gesammelten Schriften Joseph Ratzingers, der alle Texte „Zur Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils“ von der Vorbereitung über die Mitarbeit bis hin zur Kommentierung und Rezeption enthalte. Auf über 1000 Seiten könne der Leser darin viele bisher unveröffentlichte oder unzugängliche Texte Ratzingers lesen, deren Aktualität auch nach bis zu 52 Jahren ungebrochen ist.

Am Ende seines Vortrages schenkte Bischof Rudolf Voderholzer jedem Zuhörer eine Sonderbriefmarke der Deutschen Post zum 50-jährigen Jubiläum des Konzilsbeginns. Diese stelle nämlich einen sehr gelungenen Versuch dar, das Konzil „auf den Punkt“ zu bringen. Das Erkennungszeichen des Christentums schlechthin, das Kreuz, werde geformt aus den Buchstaben der vier Konstitutionen und ihren als Benennung dienenden programmatischen Anfangsworten. So zeige der „Buchstabe“ des Konzils seinen wahren „Geist“.
Mit seinem Vortrag hoffte Bischof Voderholzer auch, seine These zu untermauern, die er beim Papstforum in der katholischen Akademie in München am 19. April vertreten hatte:

Papst Benedikt XVI. wird zunehmend als einer der Päpste des Zweiten Vatikanischen Konzils erkannt werden, der in einem Atemzug mit Johannes XXIII. und Paul VI. genannt werden muss und gegen den das Zweite Vatikanische Konzil nicht etwa verteidigt werden muss, sondern wo sich zeigen wird, dass es allein mit ihm und im Licht seiner Texte richtig verstanden werden kann.