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Investiturfeier der Heilig-Grab-Ritter in Regensburg

Einsatz für die Christen im Heiligen Land

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Regensburg, 29. September 2022. Von Freitag, 30. September, bis Sonntag, 2. Oktober, findet in Regensburg die diesjährige Herbstinvestitur der deutschen Statthalterei des Ordens der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem statt. Prof. Dr. Jutta Dresken-Weiland (im Porträtbild nebenan) steht der Komturei St. Wolfgang Regensburg als Leitende Komturdame vor.

Liebe Frau Prof. Dresken-Weiland, welches werden die Höhepunkte der Investitur in Regensburg sein?

Selbstverständlich die kirchlichen Feiern in St. Emmeram, der Alten Kapelle und im Dom. Wir freuen uns, in diesen wunderschönen Kirchen mit unseren Consorores und Confratres und mit den Kandidaten, die aufgenommen werden, mit deren Angehörigen und mit unseren Gästen eine Investitur feiern zu dürfen, und dies mit toller Kirchenmusik.

Was bedeutet es, dass die Investitur in Regensburg stattfindet?

In unserem Orden ist es üblich, dass jede Komturei einmal an der Reihe ist, eine Investitur auszurichten! Nach nunmehr 37 Jahren seit der letzten Investitur in Regensburg feiern wir hier die diesjährige Herbstinvestitur; die von uns für 2020 geplante ist ausgefallen. Als Motto haben wir in Erinnerung an den Besuch von Papst Benedikt XVI. in unserer Stadt ausgewählt: „Wer glaubt, ist nicht allein“.

Wie waren die Vorbereitungen?

Die Komturei St Wolfgang Regensburg hat von Anfang an zusammengehalten und steht gemeinsam für diese Investitur. Viele Mitglieder haben sich in der Planung und Umsetzung eingebracht. Besonders Bischof Rudolf, der Mitglied unseres Ordens ist, hat uns nach Kräften unterstützt und uns vieles erleichtert und ermöglicht. Dafür sind wir ihm sehr dankbar! Überhaupt war die Zusammenarbeit mit allen kirchlichen Stellen unkompliziert und angenehm. Der Prior unserer Komturei, Matthias Effhauser, hat die kirchlichen Feiern koordiniert und sich minutiös um alle die Details gekümmert, inklusive der Text- und Liedauswahl. Das war viel Arbeit und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Für die Koordinierung der verschiedenen Aufgaben übernimmt bei einer Investitur in der Regel ein Mitglied die Aufgabe des „Investiturbeauftragten“. In unserer Komturei hat dies freundlicherweise mein Mann, Dr. Albrecht Weiland getan, der jahrzehntelange Management-Erfahrung einbringen konnte. Ich bin den beiden sehr dankbar! Ein weiteres Ehepaar unserer Komturei hat die anfallenden Daten verarbeitet, auch ihm bin ich sehr zu Dank verpflichtet. Sie sehen, eine Investitur ist eine aufwendige Angelegenheit und braucht den Einsatz von Vielen! Unsere Komturei hat sich, wie bereits gesagt, dafür entschieden, die Investitur zu übernehmen, und trägt diese Aufgabe gemeinsam.

Welche Ziele verfolgt der Orden der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem?

Es sind drei: „Das Heilige Land unterstützen“, „den Glauben bekennen“, „Gesellschaft und Kirche dienen“. Anders formuliert: „Beten, opfern, pilgern“. Konkret: Besonders wichtig ist für uns – das betont auch die Satzung – aktiv am Ordensleben teilzunehmen, miteinander Gottesdienst zu feiern, den gemeinsamen Glauben an Jesus Christus und seine Botschaft als Grundlage unserer Gemeinschaft zu erleben. Aus dieser Überzeugung heraus unterstützen wir in unterschiedlicher Weise die Christen im Heiligen Land, damit sie dort leben können und eine Zukunft haben. Das heißt zum Beispiel: Ausbildungsunterstützung. Ein Projekt finanziert den Berufseinstieg junger Christen in Gaza; das „Job Creation Program“ ermöglicht es ihnen, nach ihrer Ausbildung Arbeitsplätze zu finden, und bezahlt zwei Jahre lang ihr Gehalt. Viele werden nach dieser Zeit von den Unternehmen übernommen und haben damit eine Lebensgrundlage. Ein anderes schönes Projekt hilft Frauen aus der Jerusalemer Altstadt dabei, in der Berufswelt Fuß zu fassen: 85 Prozent der Frauen besitzen keine Verdienstmöglichkeit. Das Projekt versucht also, ihnen bei der Gründung eines eigenen Unternehmens zu helfen. Wegen der durch Corona bedingten hohen Arbeitslosigkeit kommt humanitären Hilfen eine große Bedeutung zu, viele Familien können zum Beispiel das Schulgeld nicht mehr bezahlen. Die Schulen des Lateinische Patriarchats, die diese Kinder besuchen, nehmen auch muslimische Schüler auf, so dass diese Art der Friedensarbeit in ihrer Bedeutung nicht zu unterschätzen ist. Wir unterstützen auch die christlichen Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, die in Jordanien leben, und die Babys und Kinder von christlichen Migranten und Flüchtlingen in Israel.

„Pilgern“ ist ein weiterer Aspekt für die Mitglieder des Ritterordens: Regelmäßig werden Reisen in das Heilige Land angeboten, um die Christen vor Ort zu besuchen und ihnen dadurch zu zeigen, dass sie nicht allen sind. Wir schauen uns Projekte an, die vom Ritterorden unterstützt werden und freuen uns zu sehen, was an Gutem dort geschieht.

Schließlich spielt auch das „Opfern“ eine Rolle. Spenden werden vor der Aufnahme, zu Weihnachten, an Karfreitag und bei den Investituren erwartet. Wieviel der Einzelne spendet, entscheidet er selbst.

Von Anfang an nimmt der Orden auch Damen auf. Welche Bedeutung kommt dieser Tatsache heute zu?

Keine spezielle, sondern es ist einfach eine Selbstverständlichkeit. Im Übrigen waren Frauen schon seit der Spätantike im Heiligen Land aktiv. Ich erinnere nur an die Kaiserin Helena, die das Wahre Kreuz Christi aufgefunden hat, oder an die berühmte Egeria aus Spanien oder Gallien, die im späten 4. Jahrhundert das Heilige Land bereist und ihre Beobachtungen aufgeschrieben hat, die uns eine unverzichtbare Quelle sind. Interview: Prof. Dr. Veit Neumann