Gruppenfoto

Info-Veranstaltung der KEB Regensburg-Land zur Pastoralen Entwicklung 2034

„Der Prozess ist dialogisch“


Werdenfels, 18. September 2026

Im Rahmen des für die nächsten Jahre angelegten Prozesses „Pastorale Entwicklung 2034“ (PE 34) werden im Bistum Regensburg die 631 rechtlich selbstständigen Pfarreien in 139 Pfarreiengemeinschaften zusammengefasst. Die Planungen für das Gebiet des Landkreises Regensburg und besonders die sich daraus ergebenden Chancen standen am letzten Freitag im Haus Werdenfels bei einer Info-Veranstaltung der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Regensburg-Land im Mittelpunkt.

Dass das Thema und dieser Prozess auf reges Interesse stoßen, zeigt das Feedback von 65 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die auch aus weiteren Landkreisen kamen. Das Publikum war gut gemischt: Priester, Mitglieder von Pfarrgremien (Kirchenverwaltungen und Pfarrgemeinderäte) sowie von Vereinen, Gruppen und Verbänden. Das KEB-Team hatte der Veranstaltung einen langen Titel gegeben: „Glauben auf dem Land. Wie geht’s weiter mit Kirche vor Ort? Wir reden darüber! Motto: ‚Keep the fire burning‘“.

Musikalischer Input von Hubert Treml

Mit einer bayerischen Version dieses 1982er Rockklassikers von REO Speedwagon gab der überregional bekannte Songwriter, Entertainer und Kabarettist Hubert Treml - übrigens in Religionspädagogik promoviert - nach den einführenden Worten des KEB-Geschäftsführers Thomas Albertin und der Moderatorin Agnes Eisenreich (Mitglied im KEB-Bildungsrat) einen ersten Impuls bzw. Input. „Wir wollen uns seitens der KEB an dieser Diskussion beteiligen“, begründete Eisenreich die Veranstaltung. Aber auch die Tatsache, dass das Thema vielfach bei den Menschen noch nicht richtig angekommen sei, nannte sie als Grund.

Teamarbeit und Netzwerke werden wichtig

Einen Überblick über die Konzeption und den aktuellen Stand gab Wolfgang Stöckl, der Beauftragte des Bistums zur PE 34. „Der Prozess ist dialogisch. Es ist ein Strukturplan, aber kein Plan für die Seelsorge. Dies ist in den Pfarreien gemeinsam zu erarbeiten“, gab er einleitend zu bedenken. Die Pfarreien blieben rechtlich mit den Kirchenstiftungen und -verwaltungen bestehen, ein Pfarrer und ein Vikar seien als Priester fest in den künftigen Pfarreiengemeinschaften gesetzt, dazu ggf. – je nach Struktur – ein weiterer Vikar und Ruhestandspfarrer. Im Teilprojekt „Struktur“ stünden vor allem die Kirchenstiftungen zur Bearbeitung. „Verschiedene Modelle sind in Überlegung“, erklärte Stöckl. Das Teilprojekt „Immobilien“ befasse sich mit den Liegenschaften. „Den heutigen Bestand werden wir uns 2034 nicht mehr leisten können“, blickte Stöckl ans Prozessende. Er empfahl, möglichst einen Schwerpunkte-Plan für die Pfarreiengemeinschaften zu erstellen, um den Bedarf an Räumen zu ermitteln. Das Teilprojekt „Pastoral“ blicke auf die Einsatzfelder vor allem der hauptamtlichen Mitarbeiter, etwa in der Sakramentenvorbereitung. In dem mit dem Begriff „Rahmung“ umschriebenen Bereich stünden zum Beispiel Hilfen für Pfarrgemeinderäte, die Übersicht über Einrichtungen und Gruppen – auch hinsichtlich Kooperation und Ökumene – und die „pastorale Orientierung“ (Schwerpunkte, was wegzulassen und was bewusst zu machen ist) im Zentrum. Wichtig sei vor allem Teamarbeit, die bereits jetzt beginnen könne.

„Wir müssen die Veränderung wahrnehmen und akzeptieren“

Wissenschaftliche Daten und Erfahrungen aus dem Bistum Passau brachte Dr. Anna Hennersperger ein. „Ich habe hier in einem Pfarrverband von sechs Pfarreien gearbeitet. Es war wunderbar“, schilderte sie. „Der Zusammenhang von Religion und Kirchlichkeit hat sich aufgelöst“, konkretisierte sie und nannte Zahlen für die Diözese Regensburg von 1960 bis 2025. Demnach ist in diesem Zeitraum die Teilnahme am Sonntagsgottesdienst von 57,10 auf 10,30 Prozent gesunken. Die Zahl der Kirchenaustritte stieg hingegen von 403 auf 10.978. „Es geht nicht mit der Kirche zu Ende. Es ist vielmehr eine Chance, Neues wachsen zu lassen, es zuzulassen und ihm Raum zu geben. Wir müssen die Veränderung wahrnehmen und akzeptieren. (…) Wir befinden uns als Kirche nicht auf einem sinkenden Schiff, sondern auf der Sandbank der Erneuerung“, riet die Theologin. Eine Pfarreiengemeinschaft könne den Blick öffnen und weiten und das Kirchturmdenken überwinden. „Pfarreiengemeinschaften bergen zudem die Chance, dass sich langfristig Schwerpunkte profilieren, die der Entlastung der kleineren Orte dienen“, verdeutlichte sie. Wichtig seien niederschwellige Angebote, Netzwerkdenken, Durchlässigkeit und damit letztlich Zugehörigkeit. Weiter empfahl sie: „Das Evangelium mit dem Leben der Menschen verknüpfen. Welche Angebote braucht es im Blick auf die Aspekte, welche die Menschen bewegen und umtreiben?“ Aber auch für Hennerperger bleibt der Nahbereich, die eigene Pfarrei, die Basis zur Beheimatung. Abschließend verwies sie auf die Förderung der Taufberufung eines jeden Christen. Als zentrale Zukunftsaufgabe sieht sie, junge Menschen zu gewinnen und zu begleiten, dass sie ihre Berufung erkennen.

Erfahrungen aus der Pfarreiengemeinschaft Wenzenbach-Bernhardswald ...

In einem mit weiteren Personen ergänzten Podium ging es um konkrete Erfahrungen. Im Dekanat Laaber-Regenstauf werden die 39 Pfarreien in acht Pfarreiengemeinschaften (aktuell 67.967 Katholiken) gebündelt, im Dekanat Donaustauf-Schierling 34 Pfarreien in ebenfalls acht Pfarreiengemeinschaften (54.878 Katholiken). Die Sitze der leitenden Pfarrer und der Pfarrvikare werden, so Stöckl, heuer noch bekanntgegeben. Die Festlegung der Namen der Pfarreiengemeinschaften erfolgt vor Ort. Die Pfarrgemeinderatssprecherin von Wenzenbach Ortrun Herzog schilderte das ab 2022/23 gestartete Procedere der Schaffung der Pfarreiengemeinschaft Wenzenbach-Bernhardswald mit fünf Pfarreien und einem Benefiziat. Der künftige Sitz des Pfarrers und die Nutzung der weiteren Pfarrhöfe seien die ersten offenen Fragen gewesen, dann die Struktur des Pfarrgemeinderates. Nach der Bestimmung des Pfarrersitzes habe man auch beim Namen der Pfarreiengemeinschaft Einigkeit erzielt. Mit Blick auf den im Juli überraschend verstorbenen Pfarrer Josef Schießl sprach Herzog von „viel Arbeit“, die oft an die Grenzen gehe. Hier verwies Stöckl auf die dezentralen Anlaufstellen, an die Kirchenverwaltungsarbeiten abgegeben werden können.

… und aus der Pfarreiengemeinschaft St. Nepomuk Unteres Naabtal 

Als Pilotprojekt dient aktuell die seit kurzem gestartete Pfarreiengemeinschaft St. Nepomuk Unteres Naabtal mit den fünf Pfarreien Duggendorf, Kallmünz, Pettendorf, Pielenhofen und Wolfsegg. „Wichtig ist, dass die Gemeinden vor Ort ihr Leben aufrechterhalten“, stellte Pfarrer Andreas Giehrl fest. „Die Gremien sind gut aufgestellt, das Kirchenjahr ist durchgeplant. Wir versuchen, das Angebot aufrechtzuerhalten wie bisher“, schilderte er. Seiner Meinung nach müsste „die Verantwortung von Laien bei Gottesdiensten auf eine höhere Ebene gestellt werden“. Ebenso hält er die Kirche vor Ort für wichtig, auch wegen des emotionalen Bezugs.

„Die Leute tun lassen, sie ermutigen und wertschätzen“, lautet das Motto von Pfarrer Josef Weindl, Geistlicher Beirat der KEB, Dekan und Seelsorger in Neutraubling. „Wir leben momentan in den christlichsten Zeiten, die es je gab“, analysierte er angesichts vielfachen sozialen und karitativen Engagements auch über die Kirche hinaus. Denn dies beruhe auf den christlichen Werten.

„Wir müssen alle miteinander Kirche sein!“

Aus dem Publikum gab es Fragen zu den künftigen Strukturen der Verbandsarbeit und der Kirchenmusik, die manchmal landkreisübergreifend organisiert ist bzw. von Personen im Haupt-, Neben- oder Ehrenamt ausgeübt wird. Angesprochen wurden spirituelle Angebote wie „MAISL“ (Modernes Abendgebet im Scheinwerferlicht). Fritz Wallner aus Schierling regte an, nicht nur die Gremien einzubeziehen, sondern alle Pfarrangehörigen. „Es ist unser Anliegen, unsere Kirche! Der Prozess bietet auch die Chance, dass man wieder etwas Neues aufbaut. Wir müssen alle miteinander Kirche sein!“ „Wir müssen uns alle bewegen. Es soll optimistisch weitergehen mit unserer Kirche. Wir packen es an!“ Mit diesen Worten zog Moderatorin Eisenreich ein positives Fazit der Veranstaltung, die aufgezeichnet wurde und in Kürze auch auf Youtube abrufbar sein wird.

Mit einem gut halbstündigen Konzert von Hubert Treml, der in seinen Texten und Liedern auch religiöse und spirituelle Inhalte und Themen verarbeitet oder einbaut und humorvoll verpackt, endete die Veranstaltung, die zum Ziel hatte, das Feuer des Glaubens am Brennen zu halten, die pastoralen Chancen zu sehen und zu motivieren, sich aktiv in diesen Prozess einzubringen.

Text: Markus Bauer

(kw)



Nachrichten