News Bild „In der Stunde der Wahrheit hat er die Wahrheit bezeugt“ – Gedenken in Konnersreuth: Vor 80 Jahren wurde der Konvertit und Publizist Fritz Gerlich von den Nationalsozialisten ermordet

„In der Stunde der Wahrheit hat er die Wahrheit bezeugt“ – Gedenken in Konnersreuth: Vor 80 Jahren wurde der Konvertit und Publizist Fritz Gerlich von den Nationalsozialisten ermordet

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Am vergangenen Montag hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer in der Pfarrkirche von Konnersreuth anlässlich des 80. Todestages des Journalisten Dr. Fritz Gerlich einen Gottesdienst gefeiert und über den sehr frühen katholischen Märtyrer des Nationalsozialismus gesprochen. Es war das erste Mal, dass Dr. Voderholzer als Bischof von Regensburg in Konnersreuth weilte. In der Vergangenheit aber, versicherte Voderholzer, sei er immer wieder hier gewesen. Am selben Abend wurde auch in München St. Bonifaz mit einem Gottesdienst des großen Konvertiten und katholischen Journalisten gedacht, der sich mit allen ihm damals zur Verfügung stehenden publizistischen Mitteln gegen Hitler und den Nationalsozialismus gewendet hatte. In München auch wurde zu diesem Zeitpunkt der diesjährige Fritz-Gerlich-Filmpreis vergeben.

Gerlich gehörte wie zahlreiche weitere katholische Gläubige aus Bayern und weit darüber hinaus zum sogenannten Konnersreuther Kreis um Therese Neumann. Nicht wenige seiner Mitglieder sind während der Zeit des Nationalsozialismus ums Leben gekommen. Vor dem Geburtshaus der Resl von Konnersreuth segnete der Regensburger Bischof einen neu aufgestellten Gedenkstein, der 16 Namen aus dem Widerstandskreis trägt, die um den Namen der Therese Neumann herum gruppiert sind. Genannt sind unter anderem der Kapuzinerpater Ingbert Naab, Erwein von Aretin, Erich Fürst zu Waldburg-Zeil, die heilige Edith Stein sowie der Karmelit Titus Brandsma, der ebenfalls im Konzentrationslager Dachau ums Leben gekommen ist.

Bischof Voderholzer, der sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem überzeugten und überzeugenden katholischen Laien Gerlich beschäftigt, forderte dazu auf, „dem Herr-gott für die großartige Gestalt dieses Märtyrers zu danken, der in der Stunde der Wahrheit ebendiese Wahrheit bezeugt hat“. Im vergangenen Mai hat in München der Informativprozess bezüglich der Person Gerlichs begonnen. Offensichtlich gebe es eine hinreichend große Verehrung im Volk für Gerlich. Einem Seligsprechungsprozess durch Gebet und Verehrung näherzukommen, das sei die Aufgabe der Laien, sagte Bischof Voderholzer zu den Gläubigen.

Gerlich (1883-1934) hatte in den 1920 Jahren durch Therese von Konnersreuth zum katholischen Glauben gefunden. Zunächst war er nach Konnersreuth gefahren, um den „Schwindel“ aufzudecken, war aber aufgrund eingehender Studien zu der Überzeugung gelangt, dass die Phänomene echt sind. Seit jener Zeit pflegte er ein inniges Verhältnis zur stigmatisierten Therese Neumann, die ihn sowie die weiteren Gefährten des Kreises in ihrem Einsatz gegen den aufkommenden Nationalsozialismus unterstützte und ermutigte. Gerlich war der geistige Kopf der Zeitschrift „Der gerade Weg“, in die er sein gesamtes Vermögen investierte und in der er die falsche und menschenverachtende Ideologie des Nationalismus hellsichtig entlarvte. Auch geißelte er die Lauheit der bürgerlichen Parteien im Kampf gegen diese Ideologie in der Wochenschrift, die er, zusammen mit der Umbenennung in „Der gerade Weg“ Anfang 1932, in einer journalistischen Meisterleistung aus einem nichtssagenden Presseorgan („Illustrierter Sonntag“) geschickt in ein publizistisches Schlachtschiff des Anti-Nationalsozialismus umwandelte. Erich von Waldburg-Zeil setzte dazu ebenfalls sein Vermögen ein. In der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1934 wurde Gerlich von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Dachau kaltblütig erschossen. Zuvor hatte er über ein Jahr lang im Polizeigefängnis im Zentrum von München in „Schutzhaft“ verbringen müssen. Dort auch war er gefoltert worden. Seine sehr frühe Gegnerschaft zu Hitler und dessen Ideologie, die er vom Boden des katholischen Glaubens aus gestaltete, waren Hitler von früh an ein Dorn im Auge gewesen.

Nach dem Pontifikalamt hielt Bischof Voderholzer den Vortrag, in dem er ein umfassendes Lebensbild Gerlichs anhand verschiedener Quellen zeichnete. Auch verhehlte er nicht, dass der mutige Publizist, der in Stettin kalvinistisch aufgewachsen war, eine durchaus schwierige Persönlichkeit war und in den Jahren während des Ersten Weltkriegs sowie im Anschluss daran teilweise sogar nationalistische Ansichten vertrat. Als aufrichtig nach der Wahrheit suchender Mensch habe er allerdings im Leben den „geraden Weg“ gefunden. Unter der ansehnlichen Zahl von Gläubigen befanden sich auch zahlreiche Vertreter der regionalen sowie der lokalen Politik. Noch vor dem Kirchenzug zum Haus der Therese Neumann hatte sich Bischof Rudolf in das Goldene Buch der Marktgemeinde eingetragen.