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“In dankbarer Erinnerung an den Widerstand”

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(pdr) 63 Jahre nach seiner Hinrichtung durch die Nationalsozialisten haben die Regensburger Gläubigen mit einer Messe und anschließendem Schweigemarsch des Dompredigers Dr. Johann Maier gedacht.
„In dankbarer Erinnerung feiern wir hier die heilige Messe für Domprediger Maier. Unser Gebet gilt aber auch all den vielen, deren Namen nicht in Stein gehauen sind, doch ebenso Widerstand im Dritten Reich geleistet haben“, so Stadtdekan Prälat Alois Möstl. Nach der Eucharistiefeier im Hohen Dom St. Peter, konzelebriert von Prälat Josef Grabmeier sowie Monsignore Dr. Paul Mai, formierte sich ein Schweigezug zum Dachauplatz, dem sich viele Gläubige sowie Katholische Verbände und Geistliche Gemeinschaften mit Fahnendelegationen anschlossen.

Am Mahnmal gedachten Vertreter verschiedener Konfessionen der Opfer des Naziregimes. Für die jüdische Gemeinde in Regensburg sprach Rabbiner Dannyel Morrag und für die Evangelische Kirche Dekanin Dr. Bärbel Mayer-Schärtel.

Diözesan-Archivdirektor und Historiker Monsignore Dr. Paul Mai erinnerte in seiner Gedenkrede an die vielen Menschen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer gefallen sind. Er stellte die Frage, wie so viele auf den „Rattenfänger aus Braunau“ hätten hereinfallen können. „Es macht mich betreten und traurig“, so Dr. Mai, „dass viele damalige Mitbrüder so wenig gegen das Unrecht haben ausrichten können“. Dennoch habe es viele gegeben, die sich beispielhaft für den Widerstand einsetzten - so wie Domprediger Dr. Johann Maier. „Es gab viele, die den Mut hatten, und derer gedenken wir. Nicht nur, weil sie Gegner des Regimes waren, sondern weil sie sich für das Wohl und das Weiterleben der Stadt eingesetzt haben“, so Monsignore Mai. Die Nazi-Diktatur sei mit keiner anderen Diktatur, wie etwa der Stalinistischen Terrorherrschaft, gleichzusetzen. Daher sei es wichtig, die Erinnerung vor allem an die junge Generation weiterzugeben, damit ein „Terror dieser Art“ nie wieder geschehen könne. „In Dankbarkeit gedenken wir derer, die dazu beigetragen haben, dass wir in dieser wunderschönen Stadt leben können“, so Dr. Mai abschließend.

Stadtdekan Prälat Alois Möstl appellierte an die Gläubigen, gerade in Zeiten von Gleichgültigkeit, Trägheit und Hinwegsehen das alljährliche Gedenken aufrecht zu erhalten. „Gedenken und Erinnerung sind Teil unserer Kultur. Sie gehören zur Menschlichkeit und tragen dazu bei, Geschichte zu bewältigen und aufzuarbeiten“, so der Stadtdekan.

Domprediger Dr. Johann Maier hatte sich kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges dafür eingesetzt, den vor Regensburg stehenden US-Truppen die Stadt kampflos zu überlassen. In der Nacht zum 24. April 1945 wurde er deshalb zusammen mit Michael Lottner, Josef Zirkl und Johann Igl von den Nationalsozialisten festgenommen und noch am selben Abend von einem Standgericht wegen angeblicher „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. In der Krypta des Regensburger Doms St. Peter ist neben dem Grab des Dompredigers ein Buch aufgestellt, in das sich die Regensburger eintragen können um für eine rasche Einleitung des Seligsprechungsverfahrens zu bitten.