News Bild Immer wieder Aschermittwoch: Warum Aschekreuz und Fastenzeit zusammengehören

Immer wieder Aschermittwoch: Warum Aschekreuz und Fastenzeit zusammengehören

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Schon seit Ende des 1. Jahrtausends n. Chr.  beginnt im westlichen Christentum (im Gegensatz zum östlichen Christentum, dessen Fastenzeit bereits am Sonntagabend der siebten Woche vor Ostern losgeht) die vierzigtägige Fastenzeit vor Ostern mit dem Aschermittwoch sowie dem dazugehörigen Ritus des Ascheauflegens. 

Denn die Bezeichnung „Aschermittwoch“ kommt von dem Brauch, in Gottesdiensten am Aschermittwoch die Asche vom Verbrennen der Palmzweige des Vorjahres zu segnen und die Stirn der Gläubigen mit einem Kreuz aus dieser Asche zu bezeichnen. Mit diesem Ritual soll – wie es landläufig heißt - der Mensch an seine Vergänglichkeit erinnert und zur Umkehr aufgerufen werden. Dieses geht einher mit dem Ausruf des Priesters: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst“ (Gen 3,19) oder: „Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15)

 

Warum Aschermittwoch – warum fasten?

Manche Außenstehenden fragen sich aber möglicherweise: „Warum soll ich mich heutzutage noch diesem sicherlich ehrwürdigen, aber doch ziemlich überholt anmutenden Ritual unterziehen? Reicht es nicht vollkommen - wenn man sich denn überhaupt schon dafür entscheidet zu fasten -  am Aschermittwoch einfach mit einer guten Diät zu beginnen? Denn darum geht es doch eigentlich in der Fastenzeit - oder?“

Eine andere Frage - diesmal aus der vollkommen entgegengesetzten Perspektive gestellt - wäre: „Warum denn nur ein paar Wochen pro Jahr kurz vor Ostern fasten? Wäre es nicht besser, das ganze Jahr über „auf die Linie“ zu achten und nicht so ein Brimborium zu veranstalten wegen ein paar Wochen im Jahr vor Ostern?“

In der Tat ist es möglich, das ganze Jahr über auf seine Figur zu achten. Da kann niemand etwas dagegen haben ebenso wenig wie das ganze Jahr über „achtsam“ zu leben. Doch dieses stellt nicht den eigentlichen Inhalt der Fastenzeit dar. In der Fastenzeit geht es weder darum, die Pfunde purzeln zu lassen oder Wellness zu betreiben geschweige denn „bewusst“ zu leben. Vielmehr soll sich ganz konkret der Erfahrung der eigenen Vergänglichkeit ausgesetzt (symbolisiert durch das Aschekreuz am Aschermittwoch) sowie die Abhängigkeit von äußeren Dingen und inneren Zwängen (z.B. Schlaf, Nahrung, Gegenstände, Angewohnheiten, Geld etc.) realisiert werden. Nicht jedoch, um einfach „achtsam“ zu sein, sondern um mit Blick auf Ostern - dem wichtigsten christlichen Fest - die Beziehung zu Gott, den Mitmenschen und zu sich selbst zu stärken.

 

Alles hat seine Zeit

Warum vor allem in der Fastenzeit diese Dinge geschehen sollen, vermitteln sowohl die Heilige Schrift als auch das Kirchenjahr: Die Heilige Schrift sagt – vor allem im Buch Kohelet des Alten Testamentes – ganz grundsätzlich aus, dass sowohl der Lauf der Welt als auch der des Lebens nicht einfach statisch verläuft, sondern vielmehr voller Wandel und Abwechslung sind und unser gesamtes Dasein von Vergänglichkeit geprägt ist („Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.“ (Kohelet 3, 1-8))

Das Kirchenjahr wiederum trägt diesem mit seinen Rhythmen, Festen und Ausschmückungen Rechnung: Tage großer Freude (wie zum Beispiel Weihnachten und Ostern) gehen einher mit Tagen großer Trauer (wie zum Beispiel Karfreitag); festliche Stimmung wird abgelöst von Zeiten der Innerlichkeit und Nachdenklichkeit. Es deutet den Wandel der (Jahres-)Zeiten und des Lebens im Lichte der christlichen Heilsgeschichte. Großes Vorbild ist hierbei Jesus Christus selbst, der einerseits 40 Tage lang nach seiner Taufe im Jordan und bevor er sein öffentliches Wirken begann in der Wüste fastete, der aber auch dazu ermahnte, sich freiwillig auf das  Fasten einzulassen und dabei kein mürrisches Gesicht zu machen wie die Heuchler, denn diese „ geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass Du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (vgl. Mt 4,2) Genauso wenig sprach sich Jesus für ein wie auch immer geartetes ganzjähriges Dauerfasten aus (vgl. Mt 9, 15). Diese Weisungen Jesu hat die Kirche auch für ihr Kirchenjahr übernommen.

 

Weniger wird mehr

Die Fastenzeit ist deshalb eine ganz besondere Zeit. Sie ist zuerst eine geistliche Zeit. Die Kirche ist seit vielen Jahrhunderten der Ansicht, dass in der Fastenzeit sowohl die Erkenntnis der eigenen Schwächen als auch der freiwillige und bewusste Verzicht auf Dinge, die zur inneren Unfreiheit und einem zu engen Kreisen um sich selbst führen, letztendlich auf ein dreifaches „mehr“ hinauslaufen: einer engeren Beziehung zu Gott, zu den Mitmenschen und zu sich selbst. Denn neben dem Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel oder Dinge, die einem möglicherweise zu lieb geworden sind, stehen in der Fastenzeit neben dem Fasten auch das Gebet (für eine engere Beziehung mit Gott) sowie das Geben (Spenden für die Nächsten und Bedürftige) im Zentrum des Geschehens. Denn - so die paradoxe Logik dahinter: Wer weniger hat, kann auch mehr geben! Wer weniger um sich selbst kreist oder mit sich selbst zu tun hat, nimmt sowohl Gott als auch die Anderen stärker war – und kann dann sowohl Gott im Gebet als auch dem Anderen in guten Werken das zukommen lassen was derjenige verdient.

Deshalb ist es äußerst sinnvoll, in die Fastenzeit mit dem Demut ausdrückenden Ritus des Aschekreuzes in einer Heiligen Messe zu starten! Hierbei geschieht nicht mehr und nicht weniger, als dass gewissermaßen „das eigene Sterben“ verbunden mit einem Hoffnungszeichen (nämlich des christlichen Kreuzes) auf die Stirn gemalt wird. Außerdem verweist die aus Zweigen gewonnene Asche auf die im biblischen Schöpfungsbericht geschilderte Erschaffung des Menschen aus Erde – und soll neben der zum Ausdruck kommenden Vergänglichkeit auch dem Menschen als Symbol für dessen Verbundenheit mit der gesamten Schöpfung dienen. In Zeiten von ökologischer Krise und „Laudato Si“ ist auch diese Perspektive aktueller denn je - die Schöpfungsenzyklika von Papst Franziskus empfiehlt sich außerdem als Lektüre für die Fastenzeit!


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