News Bild Ihrlerstein bringt die heilige Anna Schäffer auf die Bühne

Ihrlerstein bringt die heilige Anna Schäffer auf die Bühne

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Bei sommerlichen Temperaturen von über 30 Grad brennt die Sonne auf den Vorplatz der kleinen Kirche St. Jakob in Ihrlerstein. Im Innern des katholischen Gotteshauses aber zeigt sich ein ganz anderes Bild: Männer in Wintermänteln drapieren einen festlich geschmückten Weihnachtsbaum auf einer kleinen Bühne, die im Altarraum aufgebaut wurde. Den Mittelpunkt bildet ein altertümliches, hölzernes Bett, darüber angebracht eine Stickerei mit Dornenherz. Was der Besucher hier bestaunen kann, sind die Proben für das Theaterstück „Anna Schäffer – Sehnsucht nach der ewigen Heimat“.

Die Inszenierung der Laienspielgruppe „Theatergemeinschaft Ihrlerstein“ zeichnet den Lebens- und Leidensweg des jungen Mädchens nach, das im benachbarten Mindelstetten von 1882 bis 1925 ihre Heimat hatte. Im Oktober 2012 sprach Papst Benedikt XVI. das „Schreiner Nanderl“, wie sie auch heute noch liebevoll von ihren Verehrern genannt wird, heilig.

Originalzitate von Anna Schäffer auf der Bühne

Sigrid Manstorfer ist nicht nur Autorin des Theaterstückes, sie führt auch die Regie. Es ist nicht das erste Stück, das die langjährige Redakteurin geschrieben hat. Bei dem Stoff zu Anna Schäffer haderte sie anfangs: Wie sollte man das Thema umsetzen? Wie den Szenenaufbau gestalten? Ein Besuch in Mindelstetten, so die Autorin, war ausschlaggebend. Das Leben des jungen Mädchens, das trotz schwerer Krankheit nach einem Unfall bis zu seinem Tod ans Bett gefesselt war, faszinierte Manstorfer so, dass sie den Entschluss fasste, ein Bühnenstück zu entwerfen. Wer sich mit der Heiligen beschäftigt, entdeckt, dass die Aufführung originalgetreu Dialoge widerspiegelt, die aus den Begegnungen und Briefen mit Anna Schäffer festgehalten wurden.

„Wir haben hier eine ganz tolle Truppe“ erzählt Sigrid Manstorfer begeistert, denn jeder macht hier alles. Die Schauspieler stehen nicht nur auf der Bühne, sondern kümmern sich auch um die Beschaffung der Requisiten und die Umbauten zwischen den Szenenwechseln. Sogar Bürgermeister Josef Häckl steht für zwei verschiedene Rollen auf den Theaterbrettern. Dass jeder hier seine Aufgaben mit Freude und Leidenschaft versieht, merkt man den Mitgliedern der Laienspielgruppe an.

Und auch der Erfolg der Aufführung gibt den Ihrlersteinern Recht. Bereits in der zweiten Saison spielt das Esemble das Stück vor ausverkauftem Haus. Das liegt auch daran, dass ganze Busladungen aus den verschiedensten Teilen Bayerns anreisen, um die Vorführung zu besuchen. Trotz Zusatztermine im August sind leider keine Karten mehr verfügbar. Ein Trost für alle, die leer ausgingen: Nächstes Jahr geht die Aufführung voraussichtlich in die dritte Runde.

Kirche und Wirtshaus

Einzigartig ist auch das Konzept der Aufführung: Denn für den bescheidenen Eintrittspreis von 16 Euro gibt es im Anschluss auch noch im gegenüberliegenden Gasthof ein Abendessen mit Getränk. Die Begegnung tut den Besuchern gut, weiß die Regisseurin zu berichten. Man geht nicht einfach nach hause und lässt das Stück hinter sich, sondern kann sich noch mit den Menschen austauschen. „Viele sind sehr gerührt, auch aufgewühlt. Da wurde schon so manche Träne vergossen“, betont Sigrid Manstorfer.

Tina Stamm spielt die junge Anna Schäffer. Im richtigen Leben ist sie Ergotherapeutin. Wie Anna Schäffer kümmert sie sich um andere Menschen. Über ihre Rolle erzählt sie: „Am Anfang war´s wirklich schwierig – eine Heilige spielen? Aber man befasst sich mit dem Thema, liest sich ein und langsam wächst man hinein in die Rolle. Natürlich hofft man dabei immer, dass man dem entsprechend gerecht wird“.

Anna Schäffer war an ihr Bett gefesselt und konnte es nicht mehr verlassen. Während eines gesamten Theaterstücks nur liegen zu können und trotzdem den Zuschauer zu erreichen, war für Tina Stamm eine besondere Herausforderung: „Man muss viel mit den Händen arbeiten und mit dem Gesicht. Mimik und Gestik sind wichtig, um der Rolle Ausdruck zu verleihen. Das Schicksal von Anna Schäffer war für mich natürlich ergreifend. Zu entdecken, dass diese junge Frau so lange an ihr Bett gefesselt war und trotzdem ihr Schicksal angenommen hat, sich gleichzeitig noch um andere kümmert, das ist faszinierend. Umso länger ich mich mit der Rolle beschäftigt habe, desto mehr wurde mir bewusst, was diese Frau in ihrem kurzen Leben alles geleistet hat!“

 

Anna Schäffer Gebetstag in Mindelstetten

Am 26. Juli 2015 ist es wieder soweit: Hunderte von Gläubigen strömen nach Mindelstetten, um den Anna Schäffer Gebetstag zu feiern. Höhepunkt ist der große Pontifikalgottesdienst unter freiem Himmel mit Weihbischof Reinhard Pappenberger. Alle Menschen sind zur Teilnahme recht herzlich eingeladen. Das Programm an diesem Tag ist wie folgt:

9:00 Uhr
Eucharistiefeier mit Predigt, Pfarrer Josef Fersch mit anschließender Beichtgelegenheit bis 11:30 Uhr

10:15 Uhr
Filmvorführung im Pilgersaal

14:30 Uhr
Bruderschaftsandacht mit Weihe der Andachtsgegenstände

14:30 Uhr - 18:30 Uhr
Beichtgelegenheit

15:45 Uhr, 16:45 Uhr
Filmvorführung im Pilgersaal

17:30 Uhr
Rosenkranz

18:30 Uhr
Weihe der Andachtsgegenstände

19:00 Uhr
Pontifikalgottesdienst in Konzelebration, Hauptzelebrant und Prediger H. H. Weihbischof Reinhard Pappenberger