News Bild „Ich wünsche mir ein cooles und missionarisches Christentum!“: 7 Tipps von P. Karl Wallner OCist

„Ich wünsche mir ein cooles und missionarisches Christentum!“: 7 Tipps von P. Karl Wallner OCist

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Ebenso wie Papst Franziskus gehört der österreichische Zisterzienserpater Karl Wallner zu denjenigen, die – salopp formuliert - müde gewordenen Christen Beine machen wollen. Für den Bestsellerautor („Mission Manifest“), Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Österreich und langjährigen Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz (Wienerwald) gebe es zu einem missionarisch auftretenden Glauben keine Alternative. Dies sagte er am Montagabend bei einem Vortrag im vollbesetzten Pfarrzentrum Hl. Dreifaltigkeit in Regensburg, wo er unter dem Motto „Fröhliche Mission statt resignierter Frustration“ Impulse für die Zukunft des europäischen Christentums lieferte. Veranstalter war die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) in der Stadt Regensburg e.V. in Kooperation mit der Fachstelle Weltkirche der Diözese Regensburg, der Kolpingsfamilie Steinweg und missio München.

 

P. Karl Wallner: Stift Heiligenkreuz größtes und mitgliederstärkstes Kloster Europas, zur Jugendvigil kommen bis zu 350 Jugendliche

Zu Beginn seines Vortrags erzählte der Zisterzienserpater aus seinem eigenen Leben sowie dem Wirken seines Mutterklosters, des im Wienerwald gelegenen  Stiftes Heiligenkreuz. Dieses besteht ohne Unterbrechung seit seiner Gründung im Jahr 1133 und ist damit – nach dem Stift Rein – das weltweit zweitälteste durchgehend seit der Gründung bestehende Zisterzienserkloster.

Bei seinem Eintritt 1982 habe er dort 45 Mönche vorgefunden – Tendenz sinkend. 35 Jahre später leben 102 Mönche in Stift Heiligenkreuz – das damit zum größten und mitgliederstärksten Kloster Europas avanciert ist. Weltweit bekannt wurde das Kloster vor rund 10 Jahren durch die Musik-CD „Chant – Music For Paradise“, auf der einige Mönche des Klosters altehrwürdigen gregorianischen Choral zum Erklingen brachten – und sich damit überraschend in den Musikcharts vor Madonna und Amy Winehouse platzieren konnten. Seitdem ist das in der Stiftskirche gebetete Chorgebet der Mönche ein großer touristischer Anziehungspunkt – und auch die regelmäßig stattfindende Jugendvigil wird mit bis zu 350 Jugendlichen und jungen Erwachsenen gefeiert – und das ganz freiwillig, wie P. Karl ironisch anmerkte. „Aus der Jugendvigil sind bereits mehrere Taufen, Berufungen und auch schon einige Ehen entstanden“, berichtete er den sichtlich beeindruckten Zuhörern. Ein großer Erfolg sei auchdie Entwicklung der von ihm persönlich jahrelang als Rektor geleiteten Hochschule Heiligenkreuz, an der er auch als Professor für Dogmatik und Sakramententheologie unterrichtet: Dort sind mittlerweile 175 Priesterstudenten immatrikuliert – sowie rund 50 Studentinnen der Theologie. Das Kloster gründet außerdem „Filialen“ im brandenburgischen Neuzelle sowie in Sri Lanka und Vietnam. In beiden Ländern gebe es eine große Zahl an Berufungen zum monastischen Leben – rund die Hälfte aller weltweiten Zisterzienser stammten bereits aus Vietnam, so P. Wallner.

P. Karl Wallner: Wir müssen den Realitäten ins Auge sehen – nur dann können wir die Dinge ändern

„Kein Kontinent ist von der gegenwärtigen Glaubenskrise so stark betroffen wie Europa“, so P. Karl. Die Zahl der Katholiken schrumpft dramatisch, der Gottesdienstbesuch hat sich in den letzten 30 Jahren halbiert, nach der Shell-Studie 2015 beten nur 9 Prozent der jungen Katholiken. Da gebe es nichts zu beschönigen und der erste Weg zur Besserung sei es deshalb, so der Zisterzienserpater, diese Missstände realistisch und ohne Zweckoptimismus anzuerkennen. Auch seien einseitige, ideologisch motivierte Antworten auf seit Jahrzehnten schwelende Fragen und Probleme nicht zielführend – eine allein seligmachende und alles erklärende Antwort auf die Glaubens- und Kirchenkrise könne es nicht geben.

Wichtiger sei es zunächst einmal, so P. Karl, die sogenannten „Zeichen der Zeit“ zu registrieren und anzuerkennen, die es dem christlichen Glauben heutzutage in Europa schwermachten: Wie beispielsweise das Voranschreiten eines sich immer aggressiver gebärdenden Atheismus, der immer weniger zwischen dem Christentum einerseits und gewalttätigen Religionen andererseits differenzieren wolle. Ebenso werde eine pantheistische Esoterik immer populärer – diese habe sich zu einem milliardenschweren Markt entwickelt und selbst Film-Blockbuster wie James Camerons „Avatar“ bedienten sich ihrer Botschaften. Auch eine Expansion des Islams dürfe nicht übersehen werden – und schließlich innerhalb der Ökumene die starke Anziehungskraft der Freikirchen. Letztere, so P. Karl, verfügen mittlerweile weltweit über so viele Gläubige wie die orthodoxen und protestantischen Konfessionen zusammen.

 

P. Karl Wallner: 7 Tipps für ein erstarkendes Christentum

All diesen Herausforderungen müsse sich das katholische Christentum stellen – und hierbei auch durchaus von anderen lernen, so Karl Wallner. Einige Tipps gab er den anwesenden Zuhörern noch mit auf den Weg:

1.      Wir brauchen die missionarische Tat

„Wie Papst Franziskus es sagt: Wir müssen raus zu den Menschen – und auch raus aus unserer Bequemlichkeit und unserer Scham. Für seinen katholischen Glauben muss man sich nicht schämen – ganz im Gegenteil. Erzählen wir den Menschen fröhlich von unserem Glauben – jeder so wie er kann.“

2.     Wir brauchen Hot Spots der Glaubenserfahrung

„Ich nannte als Beispiel bereits mein Kloster Heiligenkreuz. Die Jugendlichen, die zu unserer Jugendvigil kommen, haben mir bereits mehrfach gesagt, dass sie unsere Gottesdienste `voll cool´ finden, der Weihrauchgebrauch sei ja `wie in der Disco´! Dabei tun wir nichts anderes als die Liturgie des 2. Vatikanischen Konzils in lateinischer Sprache und mit gregorianischem Choral zu feiern. Aber anscheinend machen sie dort tiefe Glaubenserfahrungen, wovon viele Bekehrungen und auch Ehen zeugen. Errichten wir ähnliche Hot Spots des Glaubenserfahrung!“

3.      Wir brauchen Erfindungsreichtum

„Man darf auch gerne einmal kreative Wege in der Glaubensverkündigung gehen. Ich habe beispielsweise vor einiger Zeit in unserem Kloster einen Sportraum eingerichtet. Ganz nach dem Motto: `Die Frommen sportlicher, die Sportlichen frömmer machen“. Da gingen nicht nur unsere Mönche hin, sondern auch so einige bis dato ungetaufte junge Menschen besuchten auf einmal unseren Sportraum. Auch da hieß es wieder `voll cool!´- und so manche Taufe ist daraus entstanden."

4.      Wir brauchen Verkündigungsmedien

„An unserer Hochschule habe ich vor einiger Zeit ein Fernsehstudio eingerichtet. Es ist einfach ausgesprochen wichtig, dass junge Christen und Theologiestudenten medienaffin und kompetent über ihren Glauben Auskunft geben können – und im Zeitalter von Youtube und Smartphones ist eh heutzutage jeder in der Lage Fernsehen zu machen. Viele meiner Studenten haben mir bestätigt, dass sie durch Videos, die sie von mir gesehen haben, sich zum Glauben bekehrt und sich auch für ein Studium in Heiligenkreuz entschieden hätten. Also sollten wir auch diese Möglichkeiten nutzen."

5.      Wir brauchen binnenmissionarische Bemühungen ad gentes

„Uns muss klar sein: Nicht nur im Rest der Welt müssen wir etwas tun, sondern vor allem hier – vor der eigenen Haustür. Europa ist ein Missionskontinent geworden. Ich wünsche mir ein cooles Christentum und coole Aufbrüche!“

6.      Wir brauchen neue Formen der Priesterausbildung

„Im Zentrum der Priesterausbildung darf nicht die Erziehung von Priesteramtskandidaten zum zukünftigen Manager einer wie auch immer gearteten Großpfarrei stehen (denn auch diese Großpfarreien werden aufgrund des immer stärker werdenden Gläubigenmangels eines Tages Geschichte sein), sondern es sollte vielmehr dafür gesorgt werden, dass die zukünftigen Priester für Gott brennen und Lust auf Mission und Neuevangelisierung haben. Priester, die, wie Papst Franziskus es sich wünscht, bereit dazu sind, `an die Ränder zu gehen´ und Neuaufbrüche zu wagen, sollten im Zentrum der Priesterausbildung stehen und nicht Verwalter des Mangels sowie des Status Quo.“

7.      Wir brauchen eine "Plagiatspflicht" bei Missionierung

„Schauen wir ruhig, was andere Konfessionen und Religionen richtig machen bei der Glaubensverkündigung und –weitergabe – und übernehmen wir es schamlos! Trotzdem ich beispielsweise bei manchen Freikirchlern manches kritisch sehe imponiert mir die unmittelbare Christusbeziehung, die viele von ihnen haben. Ebenso hat es mir bei einer katholischen Kirche in den USA gefallen, wie dort schon auf dem Parkplatz ankommende Gläubige herzlich begrüßt werden – und auch gerade diejenigen, die dort zum ersten Mal eine Heilige Messe feiern wollen. Oder bei einem Besuch in der „Blauen Moschee“ von Istanbul war es für den Fremdenführer selbstverständlich, dass dieser erst einmal, bevor er auf die Besonderheiten des Sakralgebäudes zu sprechen kam, eine Einführung in die Glaubensinhalte des Islams gegeben hat. Ist Ihnen ein vergleichbares Beispiel von einer Kirchenführung bekannt, bei der Ihnen neben Informationen zum Gebäude auch gleich der christliche Glaube miterklärt worden ist? Warum eigentlich nicht?“